Medikamente über die Haut aufnehmen - Zukunft oder schon Gegenwart?

07.01.2010Seit 15 Jahren ist die Wunderwaffe für alle Raucher, die gerne Nichtraucher werden wollen, auf dem Markt: das Nikotinpflaster. Es gehört zur Nikotinersatztherapie; über das Pflaster werden dosiert Nikotinmengen zugeführt. In den letzten Jahren sind viele Hormon- und Schmerzpflaster hinzugekommen. Erfolgreich eingesetzt werden die Pflaster gegen Reisekrankheit, Muskelschmerzen, Wechseljahrbeschwerden, zur Verhütung und bei Parkinson. So gehören teilweise Medikamente in Pflastern schon zum Alltag. In Zukunft planen Wissenschaftler mit Einwegpflastern immer mehr Wirkstoffe direkt über die Haut zu übertragen.

Wirkstoffe, die transdermal, also über die Haut, aufgenommen werden, müssen kleine Moleküle sein, sodass sie die Hautbarriere überwinden können. Nicht nur Mediziner nutzen Pflaster zum Kurieren von Leiden, sondern die Methode ist auch bei bestimmten Sportlern beliebt, die mit Hormonpflastern eine neue Dopingform eingeführt haben, ein bekanntes Hormon ist Testosteron. Es ist ein kleines fettlösliches Molekül, das gut absorbiert wird, schell in die Blutbahn gelangt und so die aufputschende Wirkung erzielt.
Für alle Wirkstoffe gilt der Vorteil, dass die Pflaster mit einem Bruchteil der Wirkstoffmenge auskommen, die sonst in Tablettenform nötig wäre. Geringere Dosierungen sind möglich, weil die Substanzen nicht den Magen passieren. Dies schont Magen, Darm und Leber, weniger Nebenwirkungen und Schwund durch nicht resorbierte Wirkstoffe treten auf. Aus einem Depot im Pflaster werden gleichmäßig fest definierte Mengen der Arzneisubstanz durch die Haut an den Blutkreislauf abgegeben.

Nicht alle Wirkstoffe sind so leicht unter die Haut zu bekommen. Wenn die Moleküle größer sind, schützt die Hornschicht vor dem Eindringen, da sonst zu viele Fremdstoffe durch die Haut eindringen könnten. In der Forschung werden Substanzen erprobt, die genau diese Schutzschicht durchlässiger machen sollen. Das ist zwar für Medikamente nützlich, führt aber auch zu Hautläsionen und damit leicht zu Hautreizungen. Zum Einsatz kommt heute schon Ultraschall als Absorptionsbeschleuniger, z. B. bei Schmerzcremes, ohne die Hautschicht zu verletzen. In Massagepraxen wird parallel zu Schmerzgels und - cremes die Haut mit Ultraschall behandelt.
Ein großes Forschungsgebiet sind die Nanopartikel, dies sind minikleine Moleküle, die als eine Art Transporter die schwer resorbierbaren Wirkstoffe in die Haut bringen. In der Kosmetikindustrie sind Nanopartikel beliebte Substanzen in der Anti-Aging-Pflege.

Bald sollen Einwegpflaster als neues Dosiersystem für Medikamente in einigen Bereichen Tabletten ablösen. Die Pflaster haben die Besonderheit einer kleinen Nadeln. Das Einwegpflaster enthält den Wirkstoff, der über winzige Mikronadeln, die schmerzlos in die Haut durchstechen, gesteuert abgegeben wird. Der Vorteil ist, dass die gesteuerte Dosierung ein Vergessen oder eine Überdosierung fast unmöglich machen. Ein gleichmäßiger Medikamentenspiegel im Blut sorgt für die optimale Wirksamkeit. Besonders Menschen mit chronischen Schmerzen werden dankbar sein. Zeitlich gezielte Medikamentenabgaben sind möglich, sprich die Medikamentenwirkstoffe kommen zur genau richtigen Zeit im Blut an und können dort ihre Wirksamkeit entfalten. Alles ist steuerbar: Zeit, Dosis und direkte Absorption. Noch ist einiges Zukunftsmusik, aber in Tierversuchen werden schon erste Pflasterimpfungen ausprobiert.




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