Schwitzen für die Gesundheit

01.12.2010Saunieren ist der Winterrenner. Wellnessanlagen und öffentliche Schwimmbäder kommen ohne ein breites Angebot an Saunen heute nicht mehr aus. Vielfältigste positive gesundheitliche Wirkungen werden dem Schwitzen zugeschrieben.  Doch was hilft Menschen mit empfindlicher Haut? Gibt es Empfehlungen für Neurodermitiker? Wir haben uns für Sie umgeschaut.

Saunen in den Jahrhunderten und in den Kulturen.
Alte Funde weisen auf Ostasien als die Wiege des gewollten Schwitzens mit heißen Steinen hin. Selbst die bekannte finnische Saunakultur soll auf erste Einwohner Finnlands aus Asien zurückzuführen sein. In Mitteleuropa waren im Mittelalter die Badstuben bekannt. Wahrscheinlich waren es meist nur Räume mit einer Wanne, die zur Körperreinigung benutzt wurde. Die damaligen schlechten hygienischen Bedingungen sollten durch öffentliche Badstuben verbessert werden. Im 17.-18. Jahrhundert verschwanden die öffentlichen Einrichtungen immer mehr, baden fand in den eigenen vier Wänden statt. Im islamischen Kulturkreis ist die Saunakultur bis heute wichtiger Bestandteil der Körperpflege. In Hamams werden streng getrennt nach Geschlecht die regelmäßigen Reinigungsrituale durchgeführt.
Der Begriff Sauna kommt aus dem Finnischen und wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland populär. In den letzten 100 Jahren ist die Anzahl der Saunaanlagen und der Saunafans ständig gestiegen. Öffentliche Bäder, Hotel, Fitnessstudios, Kurbäder oder Massagepraxen alle bieten ein großes Spektrum an Saunen an. Umfragen haben ergeben, dass ca. jeder zweite Erwachsene Saunagänger ist. Private Saunen sind noch nicht so verbreitet wie in Finnland. Bei den Finnen hat statistisch jeder zweite Einwohner seine private Sauna, während in Deutschland nach Angaben des Deutschen Saunabundes knapp 2 Millionen private Haussaunen in Keller, Bäder oder Ferienhäusern in Betrieb sind.

Gesundheitliche Wirkung vom Schwitzen
Erhöhte Außentemperaturen bringen den Körper in Schwung. Der Aufenthalt in der Sauna ist ein kleines Fitnessprogramm für den Körper. Das sichtbare Schwitzen ist nur eine Reaktion des Körpers auf erhöhte Temperaturen. Auf leichte und wohltuende Art entspannen sich Muskeln und die Hautdurchblutung wird gefördert. Durch die erhöhte Temperatur werden das Herz-Kreislauf-System angeregt, die Ausscheidung über die Haut verstärkt und mit einer leicht erhöhten Körpertemperatur das Immunsystem mobilisiert. Einige schwören besonders im Herbst und Winter auf die Abhärtung und damit Abwehr von Erkältungskrankheiten. Hier gilt: Nur in die Sauna, wenn noch keine Erkältungsanzeichen da sind, weil ein geschwächter Körper die Hitze schlecht verträgt. Hitze ist ein Außenreiz, den nur der gesunde Körper gut verarbeiten kann. Die Körpertemperatur erhöht sich, damit können wie beim Fieber Krankheitserreger abgetötet werden. Aber ein geschwächter Körper braucht Ruhe und keine Sauna. Besonders die Kalt-Warmwechselduschen, die einen gesunden Körper aktivieren, sind für geschwächte Körper gefährlich.
Bei Hitze weiten sich die Blutgefäße, die Durchblutung nimmt zu und die Oberflächentemperatur der Haut steigt. Die nachfolgende Abkühlung verengt die Gefäße wieder und trainiert so die Gewebe. Frauen schwören auf den Anti-Cellulite-Effekt und die Anti-Hautalterung. Dies wurde wissenschaftlich jedoch noch nicht belegt. Schwitzen und Wechselduschen unterstützen die Hauterneuerung, die oberste Hornschicht quillt auf, verhornte Zellen lösen sich und werden abgerubbelt. Einige meinen, dass besonders bei trockener Haut durch die Aktivierung der Schweißdrüsen die Hautstruktur verbessert wird.
Abzuraten ist vom Saunabesuch bei akuten Erkrankungen und Entzündungen. Gefährlich könnte die Sauna bei Herz-Kreislauferkrankungen und Blutgefäßschwächen (Thrombosen, Krampfadern) sein.

Sauna ist nicht gleich Sauna
Nicht jeder heiße Raum ist gleich eine Sauna und nicht jede Sauna ist heiß, es gibt viel mehr als nur die klassische 90 °C Finnische Sauna. Treten Sie ein in die Saunawelt.

Der Klassiker Finnische Sauna
In Finnland gehört die Sauna zur Kultur. Am meisten sind Rauchsaunen vertreten. Holzscheite unter einem Steinhaufen heizen einen Raum in einem Holzhaus ein, der Rauch zieht ab und die erhitzten Steine erwärmen stundenlang den Raum. Übrig geblieben ist hierzulande in käuflichen finnischen Saunen, dass ein Holzraum mit einem Steinkessel erwärmt wird, dabei herrscht extrem trockene Luft (etwa 10% Feuchtigkeit) und Temperaturen von 80°C bis 100°C. Die hohe Hitze ist kreislaufbelastend. Die niedrige Luftfeuchtigkeit trocknet die Haut aus. Der maximale Aufhalt liegt bei ca. 15 Minuten.

Biosauna als Softvariante der finnischen Sauna
Für alle die trockene Luft bevorzugen, die Hitze aber nicht gut vertragen, sind Biosaunen zu empfehlen. Bei 45-60°C schwitzt der Körper langsam. Manchmal sind noch farbige Leuchten in diesen Saunen, die die Entspannung fördern sollen. Bis ca. 30 Minuten ist ein langsames Schwitzen möglich. Das Tepidarium gehört zu den Biosaunen, beheizte Steinliegen, eine Raumtemperatur von ca. 40°C und das trockene Raumklima erwärmen langsam den Körper. Das Immunsystem wird gestärkt, ohne den Kreislauf zu belasten. Das Tepidarium ist somit Regenerationsraum, der stärkend wirkt. Optimal sind mindestens 30 Minuten im Tepidarium, um seine positive Wirkung genießen zu können. Längere Zeiten sind für gesunde Menschen möglich. Sanarium ist die Bezeichnung für eine Biosauna mit erhöhter Luftfeuchtigkeit.

Dampfbäder
Das Dampfbad oder Römerbad (Caldarium) erreicht Temperaturen zwischen 35°C und 55°C und nahezu 100% Luftfeuchtigkeit. Dampfkabinen mit Keramik, Kunststoff, Holz oder Marmor bieten für alle Bedürfnisse etwas.

Caldarium
Schon die Römer nutzen warme Räume zur Entspannung. Von Ausgrabungen ist bekannt, dass der Boden und die Wände erwärmt wurden. Heute sind meist die gesamten Räume gefliest und strahlen eine gleichmäßige Wärme ab. Ca. 40-50 °C und eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgen für ein kreislaufschonendes Schwitzen, Muskeln entspannen sich. Düfte oder Salze sollen bei Atemwegserkrankungen gut tun. Achtung gilt bei Duftstoffallergiker und Asthmatiker, sie können allergisch oder gar mit Atemnot in den heißen Räumen reagieren.

Exotische orientalische Dampfbäder sind Hamams.
Diese Dampfbäder des arabischen Kulturkreises sind wichtiger Bestandteil der islamischen Bade- und Körperkultur. Öffentliche Hamams, die von Türken und Arabern in Deutschland genutzt werden, sind nach Geschlechtern getrennt. In Thermen oder Hotels kann das Hamam gemeinsam besucht werden. Der Besucher legt ein spezielles Handtuch (Pe?temal) als Lendenschurz an. Im Hamam gibt es viel Marmor als Liegeflächen. An den Wänden befinden sich Waschbecken mit warmem und kaltem Wasser, mit dem man sich entweder selbst regelmäßig übergießt oder man lässt sich von einem Bademeister waschen. Oft werden Massagen und Peelings in einem Hamam angeboten. Traditionell gehört neben Reinigung und Schwitzen in den Hamams auch die Schönheitspflege. Nach dem Besuch des warmen Dampfbads folgt eine Phase der Erholung und Entspannung in einem kühleren Raum.

Orientalisches Dampfbad Rasul
Ähnlich dem Hamam kommen Rasulbäder aus der arabischen Kultur und deren Reinigungsbräuchen. Es verbindet Schwitzen mit einem Peeling. Nach einer Dusche werden verschiedene Schlämme auf der Haut massiert. Je nach Körperregion gibt es grobe oder feinere Schlämme, die einen stärkeren oder schwächeren Peelingeffekt haben. Der Schlamm verbleibt auf der Haut und wird in einem Dampfbad weiter einmassiert. Die obersten Hautschichten werden abgerubbelt und die Haut wird wieder glatt und weich. Nach der Dusche ist die Haut gut durchblutet und gefestigt. Dieser Vorgang soll die Entgiftung des Körpers über die Haut anregen.

Infrarotsauna
In einer Infrarotwärmekabine bzw. Infrarot Sauna werden die Wärmestrahlen der Sonne nachgebildet. Infrarotstrahlung ist eine Wärmestrahlung mit Wellenlängen zwischen 780 Nanometer (nm) bis 1000 nm. Unser größter Lieferant für Infrarotstrahlen ist die Sonne, deren Wärmestrahlen für den Menschen ungefährlich sind. Infrarotkabinen nutzen diese Teile der Sonnenenergie ohne die schädlichen UV-Strahlen. Wärmelampen mit dem gleichen Prinzip gibt es schon lange, um bei Erkältungen die Bronchien zu erwärmen. Generell erwärmen Infrarot-Wellen Gegenstände, ohne die umgebende Luft stark zu erwärmen. Das ist beim Betreten der Infrarot-Kabine zu spüren, keine Hitze, die einem entgegenschlägt, sondern eine angenehme warme Temperatur. Die Lufttemperatur ist regelbar zwischen 30- 50°C. Vor den Wärmestrahlern ist dann langsam die Wärme zu spüren. Infrarot-Wärmestrahlung dringt bis 4 cm tief in den Körper ein und die Tiefenwärme bewirkt eine Anregung des Organismus. Muskeln können so auch vor dem Sport bereits erwärmt werden oder bei verletzten Sehnen oder Muskeln sind schnellere Heilungschancen möglich. Beim Schwitzen verliert der Körper Wasser und gelöste Substanzen wie Fett, Abbaustoffe und Schwermetalle. Dieser Reinigungsprozess für den Körper ist sanfter als bei herkömmlich heißen Saunen, aber genauso intensiv. Der Aufenthalt in der Infrarotkabine ist länger, trotzdem schwitzt man ähnlich wie in finnischen Saunen.
Gut geeignet für Menschen mit Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen, Hautkrankheiten, Cellulite, Muskelzerrungen, Erkältungen, Rückenschmerzen, Herz- und Gefäßkrankheiten, Gelenkentzündungen.

Sauna und empfindliche Haut
Viele Neurodermitiker schwören auf die wohltuende Wirkung der Sauna für ihre Haut. Was kann dahinter stecken? Neurodermitiker haben generell eine schlecht durchblutet Haut und schwitzen zu wenig. In der Sauna wird das Immunsystem angeregt, die Körpertemperatur erhöht sich, dies stärkt die Immunabwehr, die Hautdurchblutung wird verbessert und alte Hautschuppen lösen sich leichter.

Unter Beachtung einiger Vorsichtsmaßnahmen ist deshalb Neurodermitikern ein Saunabesuch zu empfehlen.

1. Durch die Wärme wird der Juckreiz verstärkt. Deshalb erstmal mit der Biosauna beginnen. Eine leicht erhöhte Luftfeuchtigkeit wie in der Biosauna oder im Sanarium verbessert die Verträglichkeit. Einige empfinden das Farblicht im Sanarium als sehr angenehm, es wirkt beruhigend auf die Haut.

2. Schweiß, Wasser, und Duschmittel entfetten die Haut. Deshalb direkt nach den Saunagängen nur Duschen, keine Duschcreme verwenden. Auch nach dem letzten Saunagang möglichst ohne Duschmittel bleiben, die Haut gut abtrocknen und mit einer verträglichen Pflegecreme versorgen.

3. Entzündliche Hautstellen gehören nicht in die Sauna. Offene Ekzeme entzünden sich leicht und jucken verstärkt in der Hitze. Deshalb Saunapause während der akuten Phasen. Im Zweifel mit dem behandelnden Hautarzt sprechen.

4. Langsam Schwitzen verbessert die Verträglichkeit. Deshalb mit Infrarotsauna beginnen. Infrarot-Wärmestrahlung hat Tiefenwirkung, sie dringt mehrere cm tief in den Körper ein und die Tiefenwärme bewirkt eine Anregung und bessere Durchblutung des gesamten Organismus. Die eher engen Blutgefäße der Neurodermitiker öffnen sich und werden durch die Wechselduschen trainiert. Das Schwitzen und die Wassergüße lösen Hautschuppen und reinigen porentief.

5. Sauna entspannt, der Juckreiz kann sich beruhigen. Deshalb regelmäßig die Sauna besuchen. Beginnen Sie mit dem Sanarium oder der Infrarotkabine. Einmal die Woche ist zunächst ausreichend. Führen Sie maximal 2-3 Saunagänge durch. Ruhen Sie ausreichend zwischen den Gängen. Vermeiden Sie das Schwimmen nach der Sauna, dies belastet die Haut zu sehr. Kurzes Duschen reicht.


Unterschiede zwischen den Saunen


Weitere Informationen

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Autor: www.susanne-miesera.de




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