Die Haut als Filter

07.01.2010Hyaluronsäure kommt durch, Insulin nicht, Mineralstoffe werden abgegeben und Vitamine aufgenommen. Die Haut ist ein fein abgestimmter Filter, der nur bestimmte Substanzen rein oder rauslässt. Über die Haut findet ein ständiger Austausch von kleinsten Molekülen statt. Einerseits ist die Haut ein wichtiges Ausscheidungsorgan, andererseits werden Stoffe aufgenommen. Dies kann gewollt und positiv sein wie bei Cremes und transdermalen Pflastern, aber auch gefährlich bei Giftstoffen, die hautdurchgängig sind.
Fein abgestimmte Hautschichten gewährleisten die Selektion bei Aufnahme und Abgabe von Stoffen. Die äußerste Schicht, die Hornschicht, schützt den Körper vor großen Fremdstoffen und vor dem Austrocknen. Flache abgestorbene Hautzellen bilden mit einem Fettfilm eine fast undurchlässige Schicht. Diese wasserabweisende äußerste Hautschicht kann je nach Hautregion unterschiedlich dick sein. Je dicker die Hornschicht, desto schlechter durchgängig ist die Stelle für Wirkstoffe. Unter der Schicht liegen geschützt die weiteren Ebenen der Epidermis und Dermis. Bis in die Dermis ragen Blutgefäße vor, die kleinste Moleküle, die die obersten Hautschichten durchdrungen haben, aufnehmen. Beispielsweise Hormone in Pflastern, die mit kleinen Nadeln Wirkstoffe transdermal (über die Haut) abgeben.

Kosmetika
Cremes enthalten Hunderte von Wirkstoffen, die so klein sind, dass sie schnell die Hautfilter durchdringen und ihre Wirkung im Körper entfalten. Besonders effizient werden Substanzen mit Nanopartikeln in die Haut gebracht. Sie wirken als Transportmittel für Wirkstoffe, diese winzig kleinen Partikel überwinden Hornschicht, Epidermis und Dermis wie nichts und dringen in die tieferen Hautschichten ein. In Sonnenschutzmittel werden Titan- oder Zinkoxidpartikel eingesetzt und sollen so eine hohe Wirksamkeit und gute Hautverträglichkeit erbringen. Bisher wurden diese kleinen Wundermittel eingesetzt, ohne dass der Verbraucher einen Hinweis auf der Cremetube finden konnte. Seit 2009 müssen nun die Nanopartikel gekennzeichnet werden. Alle Haupt- und Nebenwirkungen von Nanopartikeln im Körper sind noch nicht bekannt.

Medizin
In der Medizinforschung finden Nanopartikel vielfältigen Einsatz. Da diese Substanzen nur wenige hundert Nanometer groß sind, können sie auch so feine Filter wie die Blut-Hirn-Schranke durchdringen. Nanopartikel mit einem 10.000 Mal kleineren Durchmesser als der eines Haares und damit auch ca. tausend Mal kleiner als rote Blutkörperchen durchströmen auch kleinste Blutgefäße. In der Krebstherapie werden Nanopartikel durch Injektionen in die Krebsgeschwulste gebracht und können so an der Zerstörung der Krebszelle von innen wirken.

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Hat sich der gesamte Krebsgeschwulst schließlich mit Nanopartikeln "vollgefressen", erwärmt ein Magnetwechselfeld nur die Nanopartikel - die Krebszellen bekommen hohes Fieber und sterben ab. Die Nanopartikel werden über den normalen Stoffwechsel abgebaut und ausgeschieden.
Nanopartikel in Pflastern zum Transport von Wirksubstanzen durch die Epidermis haben leichtes Spiel. In einem Reservoir unter der Abdeckfolie befindet sich der Wirkstoff, von dort durchdringt die Substanz die äußerste Hautschicht, bevor sie von den darunter liegenden Blutgefäße aufgenommen wird. Die Wirkstoffmoleküle dringen durch kleine Lücken zwischen den Hautzellen, aber auch durch die Zellen, nur unter 1 % gelangen durch Poren und Drüsen in den Körper. Die Therapie über die Haut hat viele Vorteile. So gibt das Pflaster über einen längeren Zeitraum eine konstante Menge des Wirkstoffs ab, während bei der Einnahme einer Tablette die Konzentration der therapeutischen Substanz im Blut kurzzeitig ansteigt, um dann wieder abzufallen. Hautgängige Medizin wird dank Nanopartikeln weiter erforscht und immer mehr Einsatzgebiete finden.




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