Baubiologische Aspekte in den eigenen vier Wänden Teil III: Wärmedämmung, Teppiche und Möbel

22.04.20111
Eine gute Dämmung sowohl der Außenwände als auch des Daches hilft Energiekosten zu sparen, das steht wohl außer Frage. Alternativ zu Glaswolle stehen Zelluloseflocken, Holzfaser, Flachs- und Hanfmatten, Kokosfaser, Schafwolle, Hobelspäne, Roggen und Schilfrohr zur Verfügung. Auch als Fußbodendämmung ist Holzfaser besser als der eher gesundheitlich bedenkliche Polystyrol-Schaumstoff. Ein guter Dämmstoff ist auch Kork und deshalb nicht nur geeignet als Bodenbelag. Holzfaser und Zelluloseflocken bieten idealen Wärme- und Schallschutz, dazu sollte die Dämmung außen aber mindestens 16 cm dick sein. Sie können zudem aktiv Feuchtigkeit weiterleiten, dies sorgt für ein gutes Raumklima. Achten Sie auf regelmäßige Stoßlüftung! Bei Neubauten oder umfassenden Renovierungsmaßnahmen empfiehlt sich der Einbau einer zentralen Lüftungs- und Sauganlage.

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Ein PVC-Boden (Polyvinylchlorid) hat zwar nichts in einer ökologisch ausgerichteten Wohnung zu suchen, ein Anbieter hat es allerdings geschafft, einen Vinylboden ohne gesundheitsschädliche Substanzen herzustellen. Diese Vinylböden sind 100 % recycelbar, extrem belastbar und haben eine Herstellergarantie von 30 Jahren. Dies schlägt sich aber auch im Preis nieder, der durchaus mit dem eines guten Parketts konkurrieren kann.

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Fensterdämmung: Die Fugen rund ums Fenster können mit Flachs- oder Schafwolle gut „gestopft“ werden, so kann man auf künstlichen Bauschaum verzichten. Für kleinere Fugen eignet sich Presskork. Der Anschluss ans Mauerwerk kann dann mit Klebeband oder Folienanschlüssen luftdicht gemacht werden

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Kunstfaserteppiche laden sich zum Teil elektrostatisch auf, das kann z.B. bei Menschen mit Neurodermitis oder MCS zu Juckreizattacken führen. Teppichbeläge mit Schaumrücken enthalten Weichmacher. Naturfaserteppiche aus Wolle oder Jute sind eine optimale Alternative- aber nur wenn sie nicht mit Insektiziden behandelt wurden! Grundsätzlich sollten Teppiche kurzflorig sein, am besten Knotenware.

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Teppiche binden Staub und vermindern dadurch die Feinstaubbelastung in Innenräumen. Sie verhindern zudem ein Aufwirbeln von Staub inklusive Milbenkot, aber sie können in der Regel nicht regelmäßig bei mindestens 60 °C gewaschen werden. Nur dann besteht aber die Chance, Milben wirksam zu vernichten. Alternativ müsste ein Teppich alle 3-4 Jahre durch einen neuen ersetzt werden, um die Milbenkotbelastung im Rahmen zu halten.

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Der Begriff Öko-Möbel ist nicht geschützt, steht aber für Möbel, die ohne bedenkliche Stoffe hergestellt werden bzw. diese auf ein gesundheitlich verträgliches Maß reduziert sind, achten Sie z.B. auf das Gütesiegel „M“. Möbel und Sofas können deshalb Schadstoffe enthalten, die nicht direkt, z.B. am beißenden Geruch, zu erkennen sind, da auch Schadstoffe geruchlos sein können. Mögliche Symptome sind z.B. Augenbrennen- und Rötungen, Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten, Atemprobleme, Kopfschmerzen, Übelkeit bis zu Erbrechen.

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Vollholz und Tischlerplatten enthalten weniger Leim. Am besten geeignet sind einheimische Hölzer wie Buche, Eiche, Erle, Kirschholz, Walnuss, Kiefer und Fichte aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Das erkennt man z.B. an dem FSC- oder PEFC-Label. Möbel nach Wunsch stellt auch der Tischler in Ihrer Nähe her.

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Aber auch Naturhölzer können allergen sein, z.B. enthält unbehandeltes Kiefernholz Terpene. Bei Massivhölzern kann es Reaktionen auf natürliche Bestandteile geben oder auf Produkte zur Behandlung der Oberflächen wie Lacke, Öle oder Wachse. Die einzelne Spanplatten unterliegt dem Grenzwert an Formaldehyd, aber besteht die Einrichtung aus vielen Spanplatten, dann...?

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Sitzmöbel aus Leder oder Stoff können eine „Sofa-Dermatitis“ auslösen, wenn sie bestimmte Möbelbestandteile oder z.B. die antimikrobielle Substanz Dimenthylfumarat (DMF) enthalten. DMF findet hauptsächlich in asiatischen oder osteuropäischen Möbelfabrikaten bei der Fertigung gepolsterter Möbelstücke Verwendung. Die Kontaktallergie äußert sich in juckenden Ekzemen primär am Gesäß, Rücken, Abdomen oder den Armen. Es besteht zwar ein Rückgaberecht, wenn der Einsatz gesundheitsschädlicher Substanzen nachgewiesen werden kann, aber der Nachweis obliegt dem Käufer! Da u.U. Gutachter bezahlt werden müssen, könnte der billige Möbelkauf schnell eine Kosten- und Gesundheitsfalle werden.

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Ein Problem stellen mit Möbeln vollgestopfte Räume dar. Weniger Möbel bedeuten auch weniger Belastung durch chemische oder natürliche Ausdünstungen. Im Sinne eines gesundes Raumklimas ist weniger oft mehr. Grundsätzlich sollten renovierte oder neu eingerichtete Räume ausreichend auslüften können, bevor sie in Gebrauch genommen werden. Dies gilt ganz besonders für Kinderzimmer, damit das Immunsystem unserer Kinder nicht unmäßig belastet wird. Bevor ein Baby einzieht, sollte der Raum mindestens 2-3 Monate lüften.


Mehr zum Thema:

Baubiologische Aspekte in den eigenen vier Wänden, Teil 1 Chemie und Farben

Baubiologische Aspekte in den eigenen vier Wänden, Teil II Bodenbeläge aus Holz und Naturstein

Baubiologische Aspekte in den eigenen vier Wänden, Teil IV: Herstelleradressen und Literaturhinweise


Beratung zu diesem Thema:
www.allergieberatung-stracke.de




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