Baubiologische Aspekte in den eigenen vier Wänden, Teil II Bodenbeläge aus Holz und Naturstein

22.04.20111
Bodenbeläge aus Naturfasern schonen das Wohnklima. Dazu zählen Terrakotta, Kork, Linoleum, nichtverklebte Woll-, Naturfaser- und Naturhaarteppiche mit Textilrücken sowie Beläge aus Massivholz.
Achten Sie darauf, nur einheimische Hölzer zu verwenden und setzen Sie bei der Versiegelung oder Oberflächenbehandlung nur unbedenkliche Klebstoffe ein. Einige spezielle Händleradressen nenne ich im letzten Teil.

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Als Holzdielen eignen sich Tanne, Fichte und Kiefer. Ein Holzparkett sollte aus Harthölzern, Buche, Eiche oder Esche bestehen. Fertigparkett kann geringe Mengen an Formaldehyd enthalten, Parkett und Dielenböden können zudem einen Rücken aus Spanplatten haben. Deshalb sind Massivhölzer zu bevorzugen. Sie können mit Nut und Feder verlegt werden (frei schwimmend, genagelt), man spart dadurch den Kleber. Je nach Dicke kann man das Holz mehrfach abschleifen, dadurch ist es lange haltbar. Die Oberfläche sollte mit natürlichen Ölen behandelt werden, dann reguliert der Holzboden die Luftfeuchtigkeit im Raum.

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Laminat besteht aus einem Zellstofffilm mit Melaminharzschicht. Eventuell vorhandene geringe Mengen an Formaldehyd können durch die Deckschicht praktisch nicht entweichen. Der robuste Boden ist strapazierfähig, Vorsicht ist aber bei Oberflächenbeschädigungen (Abrieb) geboten. Laminat eignet sich deshalb eher für Schlafräume, in Wohn- oder Büroräumen wird der Boden zu sehr beansprucht. Der Boden sollte auch nur sparsam feucht gewischt werden, da die Oberfläche sonst leicht aufquillt. Laminat lädt sich häufig statisch auf, dies kann bei Neurodermitis oder Umwelterkrankungen zu erhöhtem Stress oder Juckreizattacken führen.

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Die Eignung von Korkplatten ist vom Kleber abhängig. Die Oberflächenlackbeschichtung sowie die Versiegelung sollte natürlich mit einem schadstoffarmen Kleber bzw. Lack vorgenommen werden. Kork an sich ist strapazierfähig, hat hervorragende Dämmeigenschaften und ist deshalb sehr gut für Kinderzimmer geeignet, zeigt keine elektrische Aufladung und ist atmungsaktiv. Kleinere Gebrauchsspuren wie Dellen nach dem Umsetzen schwerer Möbel lassen sich leicht mit einem Bügeleisen (Stufe 1) „herausbügeln“.

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Linoleum wird aus Leinöl, Kork- und Holzmehl, Farbpigmenten und Jute hergestellt. Das Material ist strapazierfähig, verträgt jedoch keine  dauernde Feuchte. Linoleum lässt sich leicht verlegen und ist länger haltbar als PVC. Es hat eine hohe Abriebfestigkeit und ist auch für extrem stark beanspruchte Räume geeignet. Laugen und Fettflecken verträgt der Boden aber weniger gut. Außerdem ist Linoleum sehr lichtbeständig, gast keine Stoffe aus und zeigt keine elektrostatische Aufladung. Eine Deckschicht aus Kunststoff ist möglich.

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Glatte Bodenbeläge aus Naturstein wie Schiefer, Granit usw. können direkt im Mörtelbett verlegt statt geklebt werden. Naturstein ist ausgesprochen strapazierfähig, licht- und farbecht. Er ist zudem rutschfest im bruchrauen oder geschliffenen Zustand. Bereits im Steinbruch werden die Platten auf Normgröße gebracht, dann in der Sägerei oder Schleiferei veredelt. Natursteine sind empfindlich gegen Säure, aber gut geeignet für Fußbodenheizung. „Klinker“ benötigen in der Regel keine Glasur.

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Schiefer kann im täglichen Gebrauch kleinste Steinteilchen absondern, dies nennt man „schiefern“. Das ist für Nickelallergiker nicht förderlich, denn Schiefer ist stark nickelhaltig!  Das kann z.B. eine Rolle spielen beim Barfuss laufen oder bei kleinen Hautrissen an den Fußsohlen. Granitgestein ist ebenfalls extrem nickelhaltig und zeigt zudem leicht erhöhte Radioaktivität. Beachten Sie dies auch bei der Auswahl der Arbeitsplatte!

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Kieselsteine werden nach Größe sortiert, gewaschen, getrocknet, teilweise eingefärbt und mit einem lösemittelfreien Bindemittel verklebt. Beim Aushärten entstehen zwischen den Kieseln äußerst stabile Punktbindungen, dadurch wird der Boden extrem belastbar. Die offenporige Oberfläche nimmt jedes Staubkörnchen auf. Aufwirbelungen werden deutlich reduziert, deshalb eignet sich der Boden sehr gut für Allergiker.

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Sandstein ist ein Sedimentgestein aus miteinander verkitteten Sandkörnern. Sie bestehen überwiegend aus Quarz. Durch Schleifen wird der Stein rutschfest. Quarzsand wird auch zur  Spiegelherstellung verwendet. Quarz „strahlt“, d.h. bei Umwelterkrankungen wie MCS oder MFS sollte eher auf einen anderen Stoff ausgewichen werden.

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Travertin wird als geschliffene Bodenfliese als auch in gebürsteter Form angeboten. Werden die Poren, die aus vielen Hohlräumen bestehen und deshalb Wärme gut leiten, mit Spachtelmasse gefüllt, ist Travertin auch als Bodenbelag im Badezimmer geeignet. Der Stein ist relativ hart und deshalb relativ Schmutz- und Kratzunempfindlich. Er sollte aber nach dem Verlegen imprägniert werden.


Mehr zum Thema:


Baubiologische Aspekte in den eigenen vier Wänden, Teil I Chemie und Farben

Baubiologische Aspekte in den eigenen vier Wänden, Teil III: Wärmedämmung, Teppiche und Möbel

Baubiologische Aspekte in den eigenen vier Wänden, Teil IV: Herstelleradressen und Literaturhinweise



Beratung zu diesem Thema:
www.allergieberatung-stracke.de




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