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02.06.2008

Ernährungs Tipps

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Der sehr allgemeine Titel dieses Beitrages könnte die ersten Kritiker direkt auf den Plan rufen: "Es gibt keine allgemein gültige Ernährungsempfehlung für Neurodermitispatienten" oder noch deutlicher "vor Pauschaldiäten bei Neurodermitis" ist zu warnen.
Lesen Sie, was die Fachberater des Therapiezentrums Schwelmer Modell, Schwelm, www.schwelmer-modell.de  Patienten mit Neurodermits an Ernährungsempfehlungen anbietet.

Allergietests contra Wahrnehmung
Was ist also dran an Ernährungsempfehlungen, die Kindern und erwachsenen Patienten gegeben werden? Immer wieder stoßen Menschen zu uns, die ein Gefühl dafür haben, dass sie „allergisch“ seien und wohl annähernd ebenso häufig kommen Kranke, die noch nie auf den Gedanken gekommen sind, dass der Genuss bestimmter Nahrungsmittel ihre Symptome an der Haut und besonders den Juckreiz verstärken könnte. Da sind die Einen, die Allergietests mitbringen und sich beklagen, dass hier vieles messbar war, sie die Testergebnisse aber einfach nicht glauben, weil sie nichts (direkt) spüren können.
Es gibt die Anderen, die Zusammenhänge fühlen, aber mit Ergebnissen von Allergietestungen verschiedener Art kommen, die keinerlei Hinweise geben. Was also soll der Patient nun glauben? Ist seine Wahrnehmung richtig oder die Messung in Allergietests?
Hierin ist sicherlich ein Grund zu sehen für die große Verunsicherung der Patienten und der Familienangehörigen in der Frage der Sinnhaftigkeit von Diäten. Was also wird gebraucht? Unsere erste Antwort: Der Patient hat das Recht, ernst genommen zu werden. Die eigenen Wahrnehmungen haben Vorrang vor Testergebnissen und Zweifel sind immer berechtigt. Wer seine Zweifel überprüfen will, um in der Frage der Zusammenhänge zwischen seiner Neurodermitis und Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel Klarheit zu gewinnen, braucht den Weg mit einem klaren und systematischen Vorgehen, auf dem er von qualifizierten Fachleuten begleitet wird. Neben der fachlichen Unterstützung braucht ein solches Vorgehen Zeit und Geduld bei Beratern, Therapeuten, Ärzten, Patienten und Angehörigen.
Ernährungsstatus des Patienten und seine geschmacklichen Wünsche sollen beachtet, sein Nährstoffbedarf gedeckt und Reizstoffe in der Nahrung gemieden werden. Dies stellt hohe Ansprüche an die Ernährungsberatung und die Begleitung in der Ernährungstherapie. Im Folgenden soll ein Weg, der zur Klärung der Frage nach Zusammenhängen zwischen Hautbefund und Ernährung führt, vorgestellt werden. Dabei werden die Forderungen nach Werthaftigkeit, Reizstoffreduktion und Säurearmut in der Nahrung ebenso berücksichtigt wie die abwechslungsreiche Schmackhaftigkeit.

1. Schritt:
Es gibt Nahrungsmittel, die bei atopisch veranlagten Menschen, also bei Menschen mit einer erhöhten Allergiebereitschaft und Menschen mit bestimmten Krankheitssymptomen besonders oft zu allergischen oder allergieähnlichen Reaktionen führen. Im ersten Schritt also geht es uns darum, solche Lebensmittel aus dem Ernährungsprogramm für eine begrenzte Zeit (etwa vier - sechs Wochen) auszuschließen. Positiv ausgedrückt: Die Kost wird auf meist verträgliche Lebensmittel, die möglichst wenig Zusätze enthalten, verändert. Dabei sind Lebensmittel aus allen Gruppen in großer Vielfalt verfügbar, aber einige Nahrungsmittel wie Kuhmilch, Hühnerei, Kräuter, Gewürze (außer Salz), Soja, Nüsse, Tomaten werden in dieser Zeit gemieden. Auf bereits bekannte unverträgliche Produkte wird natürlich auch von Anfang an verzichtet. Bei vielen Patienten bringt eine solche Ernährungsumstellung am Anfang schon eine deutliche Besserung. Es gibt aber immer auch Fälle, bei denen zunächst nicht zufällig die individuell erforderlichen Dinge ausgelassen werden, so dass die Symptombesserung auf sich warten lässt. Auf jeden Fall liefert eine solche Basis eine gute Startposition, von der aus dann – nach etwa vier bis sechs Wochen – individuell weitergearbeitet werden kann.

2. Schritt:
Dies beginnt mit einer sehr ausführlichen Anamnese per Fragebogen und Gespräch. Ernährungswissenschaftler und Patienten beziehungsweise Eltern müssen die vielfältigen Möglichkeiten symptomauslösender Nahrungsbestandteile oft detektivisch hinterfragen. In einer Reihe von Fällen können dabei Laboranalysen, die gezielt und mit aussagefähigen Verfahren durchgeführt werden, weiterhelfen. Allergietests zur Erkennung von Nahrungsmittelallergien sind recht schwierig, da die üblichen Verfahren nicht als besonders sicher aussage fähig eingestuft werden. Und: Außer den IgE-vermittelten Allergien gibt es besonders im Lebensmittelbereich auch pseudoallergische Reaktionen, die für den Patienten in seiner Beobachtung nicht von den Allergien zu unterscheiden sind. Die Diagnose erfordert in solchen Fällen noch mehr detektivischen Spürsinn und die gezielte Beobachtung des Patienten selbst. Oft bleibt in solchen Fällen aber auch bei den "echten" Allergien nur die Möglichkeit, für eine Zeit von 5 bis 10 Tagen über seine starke Einschränkung in der Vielfalt der Lebensmittel (manchmal empfehlen wir da eine Mono- oder Duodiät) zu der Ausgangsbasis zu kommen, jedes weitere einzelne Lebensmittel im 2-Tage-Rhythmus durch Zufuhr zu überprüfen. Reaktionen können bei Neurodermitikern in einem Zeitraum von sofort bis circa 48 Stunden nach Verzehr auftreten. Natürlich muss dieses Vorgehen unbedingt fachlich kompetent begleitet werden. Gemeinsam sollten Ernährungsberaterin und Patient/Eltern die Testreihenfolge so auswählen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion möglichst gering ist. Solche oralen Verträglichkeitstest jedenfalls führen dazu, dass der Patient nach etwa sechs Wochen ein nährstoffsicheres, abwechslungsreiches und schmackhaftes Kostprogramm zur Verfügung hat, mit dem er selbst sicher ist, sein verträgliches Programm gefunden zu haben. Die Überzeugtheit des Patienten beziehungsweise/und seiner Eltern allein sorgt dafür, dass er mit gutem Gefühl seine Nahrung zu sich nehmen kann, das entspannt und führt sozusagen "zweispurig" zum spürbaren Erfolg.

3. Schritt:
Wer sein individuell verträgliches Lebensmittelprogramm (es sollten etwa 20 Nahrungsmittel sein) gefunden hat, dem empfehlen wir eine Zeit des Ausruhens nach der genauen Beobachtung und Konzentration. Eine solche Pause einzulegen hilft zu entspannen und erst einmal die neu gewonnene Sicherheit zu genießen. Gleichzeitig lassen sich jetzt auch andere Auslöser und Verstärker der Neurodermitis erkennen. Oft berichten die Patienten des Schwelmer Modells in dieser Zeit darüber, dass sie auf einmal feststellen können, dass sich Verstärkungen der Neurodermitis im Zusammenhang mit Allergien und Nahrungsunverträglichkeiten anders anfühlen, als zum Beispiel stressbedingte Hautverschlechterungen und Juckreiz. So kann die Sicherheit des Patienten sich auch in der Frage des Erkennens anderer Auslösefaktoren kontinuierlich verbessern. Im Schwelmer Modell verlagern sich deshalb in dieser Phase die Therapieschwerpunkte auch in besonderem Maße auf die psychologischen und pädagogischen Inhalte.

4. Schritt:
Nach etwa zwei bis drei Monaten fühlt sich der Patient in seiner Beurteilung so sicher und in der Regel geht es ihm dann auch so deutlich besser, dass er in der Lage ist, mit dem weiteren Nahrungsaufbau zu beginnen. Wir empfehlen anschließend einen kontinuierlichen Aufbau mit einem Lebensmitteltest pro Woche. Dabei sollte die Auswahl zunächst vorsichtig geschehen, um dann nach und nach durchaus auch mutiger zu werden. So nähert sich der Patient allmählich immer mehr dem Ziel einer möglichst uneingeschränkten, gesundheitsbewussten Ernährung an, und kann dabei seine individuellen Verträglichkeiten berücksichtigen.

Fazit:
Zurück zu den eingangs zitierten Kritikern: Ja, sie haben Recht. In jeder Ernährungsberatung und Ernährungstherapie bei Neurodermitis muss es um die individuellen Feststellungen und Kostpläne gehen. Das geschieht am sichersten und erfolgreichsten bei kontinuierlicher fachkompetenter Begleitung über einen längeren Zeitraum. Zum Glück gibt es auf diese Fragestellungen spezialisierte Ernährungswissenschaftler. Es bleibt zu wünschen, dass sich die Wissenschaft noch intensiver besonders um die Verbesserung der Diagnostik im Bereich der Nahrungsmittel kümmert, damit Patienten bessere und zuverlässigere Hilfen aus dem Labor bekommen können. Noch zu oft sind Patienten und Eltern sehr auf ihre persönliche Wahrnehmung angewiesen. Denn für viele von ihnen ist dies der einzig mögliche Weg zur Sicherheit.

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