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06.11.2011

Wieso Achtsamkeit so wichtig ist

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Tagtäglich eilen wir von einer Aufgabe zur anderen, Multi-Tasking ist ein Begriff, der unser „stressiges Dasein“ im Alltag treffend bezeichnet. Wie ein „Oktopussy“ möchten wir am liebsten mit acht Armen alle Dinge erledigen, die auf unserer To-Do-Liste des Tages stehen. Der Tag hat mit 24 Stunden eigentlich nicht genug Stunden, und selbst, wenn der Tag 37 Stunden hätte (incl. Nacht und Mittagspause) oder wir acht Arme besäßen wie ein Tintenfisch, gebe es bestimmt noch Dinge auf unserer Aufgabenliste zu tun, die noch zu erledigen sind. Wie gehen wir damit um, wenn die Zeit rennt und rennt und wir immer wieder das Gefühl haben, dass Dinge oder gar wir selbst auf der Strecke bleiben? Und tun wir uns selbst eigentlich damit einen Gefallen bzw. etwas Gutes, wenn wir tagtäglich versuchen, dass Multi-Tasking-Prinzip in unserem Leben umzusetzen bzw. zu erfüllen?

Das Leben im Wandel
Werfen wir einen Blick zurück in die Steinzeit, in eine Zeit, in der wir Frauen vor der Feuerstelle dafür Sorge trugen, dass das Feuer nicht erlosch und unsere Kinder vor möglichen Gefahrenquellen beschützten. Auf Augenhöhe sammelten wir Frauen Beeren und Früchte. In der gleichen Zeit gingen die Männer auf die Jagd, um für Nahrung zu sorgen, die auf der Feuerstelle zubereitet wurde. In jener Zeit waren wir Menschen gezwungen, in jedem Moment selbstachtsam zu sein, denn jederzeit konnte ein wildes Tier unser eigenes Leben oder das unserer Kinder gefährden. Nicht umsonst beschreibt Eckart von Hirschhausen, dass wir nicht von jenen Menschen in der Steinzeit abstammen, die nach einem ausführlichen Mahl an der Feuerstelle auf der Wiese ausschweifend tanzten und feierten, denn für diese waren in solchen Momenten alle jene Gefahren aus den Augen und aus dem sprichwörtlichen Sinn, was ihnen dann im Angesicht eines Tigers oder eines anderen Tieres zum Verhängnis wurde. Vielmehr stammen wir also von jenen Menschen ab, die sich zu jeder Zeit achtsam um sich selbst und ihre Lieben kümmerten.

Werfen wir einen weiteren Blick zurück in die 50er Jahre, eine Zeit des Aufbaus und des Zusammenhalts. Als Familie baute man sich in der Nachkriegszeit ein „Nest“ und hielt zusammen wie Pech und Schwefel. Es war Luxus, überhaupt ein Telefon oder ein Fernsehgerät zu besitzen. Es kam auf  den Tisch, was die Saison an Nahrungsmitteln zu bieten hatte. Eine Wärmflasche (ob nun aus Metall, Gummi oder der Partner als „Wärmflasche“) stellte ein essentielles Gut dar, wenn die Kohleheizung uns wärmetechnisch im Stich ließ. Es war Luxus, nach einem langen Arbeitstag Zeit füreinander zu finden. Nichts war selbstverständlich, und gerade das führte dazu, dass man das Glück in den wesentlichen  Dingen suchte und jederzeit achtsam damit umging.

Vergleichen wir an dieser Stelle mit der Zeit, in der wir heute leben. Tagtäglich eilen wir unseren Aufgaben hinterher. Der Medienrummel umtanzt uns wie Mücken das Licht im Hochsommer. Das Handy macht uns all überall erreichbar, solange kein Funkloch dazwischen „funkt“, der Rechner läuft ununterbrochen und signalisiert uns, dass wir schnell an den PC hechten sollten, wenn eine neue Email-Nachricht eingegangen ist. Die Menschen erleben so gut wie keine Not mehr, zumindest in Sachen Nahrung und Heizung. Aber neue Gefahren und Unsicherheiten sind in das Leben der Menschen eingekehrt. Denn wir leben kaum noch in Großfamilien und erleben auf diese Weise keinen Zusammenhalt mehr. Kaum einer von heute geht noch ein Leben lang seinem „einen“ Job nach, vielmehr ist der berufliche Lebenslauf unsicher geworden und durch viele Wechsel, also Brüche  gekennzeichnet. Gerade deshalb versuchen wir als Oktopussy all überall erreichbar zu sein, um Familie, Job und Haushalt unter einen Hut zu bekommen. Dabei machen wir die Erfahrung, wie schwer es eben ist, auf allen Hochzeiten zu tanzen…

Erfahrung macht klug…
Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Bus in der Stadt unterwegs. Zufälligerweise gehören sie zu jenen Menschen, die beim Busfahren nicht mit dem Handy telefonieren, nicht mit dem Handy Spiele spielen oder auf dem Netbook arbeiten. Vielmehr genießen Sie es, beim Busfahren aus dem Fenster zu schauen und völlig abzuschalten … bis der Bus an einem beliebigen Tag eine Vollbremsung hinlegen muss und mit einem lauten Knall ein Buggy mit einem Kind hinten über auf den Boden knallt. Die Mutter telefoniert konzentriert und lautstark mit ihrem Handy, bei dem ein Weghören absolut unvermeidlich ist, als der Unfall geschieht.  Und warum musste der Busfahrer so abrupt bremsen? Beim Blick aus dem Busfenster erblicken Sie einen Teenager, der auf dem Skateboard unterwegs; in der einen Hand hält er eine Bierflasche und mit der anderen Hand hält er sein Handy ans Ohr… Dieses sind Beispiele, die uns zeigen, wie schnell  Dinge oder Situationen im Angesicht des Multi-Taskings aus unserem endlichen „Aufmerksamkeitsfenster“ entschwinden und wir uns selbst in Gefahr bringen.

Das Leben ist kostbar… in jedem Moment
Manchmal braucht es solche Erfahrungen aus dem Alltag, um wieder aus dem Trott des Alltags herausgerissen zu werden und wahrzunehmen, wie kostbar unser Leben ist. Wir haben uns in den vergangenen Jahren daran gewöhnt, dass wir nicht an Hungersnöten leiden oder in Kälte leben müssen. Flatrates am PC und am Handy sind allgegenwärtig und Mittel, permanent zu kommunizieren über alles und jenes. Vorbei gezogen sind an uns die Zeiten, in denen man noch Liebesbriefe schrieb und Telefonieren so teuer war, dass man es noch wertschätzte. Aus den Augen verloren haben wir, wie wir eigentlich für uns selbst sorgen sollten. Denn jeder von uns trägt im Alltag seinen Rucksack mit sich herum. All unsere Kräfte sind begrenzt, denn jeder von uns ist nur ein Mensch, und das ist gut so.

Die Gefahren der Neuzeit
Als Mensch von heute eilen wir von einer Sache zur anderen und verlieren unsere eigenen Bedürfnisse dabei fast aus den Augen. Wir essen hektisch nebenbei, sind all überall erreichbar und spüren gar nicht mehr, dass wir im Alltag auch Pausen benötigen, um belastbar zu bleiben. Wir brauchen unsere kleinen Oasen im Tagesablauf. Denn nur so können wir spüren, was wir selbst für uns brauchen. Und nur auf diese Weise können wir auch die Bedürfnisse der Menschen um uns herum, die uns am Herzen liegen, wahrnehmen.  Natürlich schaffen wir es in den meisten Fällen, mehrere Dinge auf einmal zu erledigen, aber gerade in diesen Situationen leidet die sog. „B-Note“ darunter, beispielsweise folgen wir einem Gespräch und filtern die wichtigen Informationen heraus, aber der persönliche Kontakt leidet. Die Botschaften zwischen den Zeilen bleiben auf der Strecke…

Das Werkzeug von heute
Wenn wir also in unserem Tagesablauf dafür Sorge tragen, achtsamer mit uns selbst umgehen, werden wir unsere Bedürfnisse deutlicher wahrnehmen und mögliche Gefahren früher wahrnehmen. Vielleicht schafft der Mensch es auf diese Weise, seinen Alltag ein wenig zu entschleunigen , zu spüren, was für ihn selbst wirklich wichtig ist und sorgfältiger mit seinen Ressourcen umzugehen.
Schon Thich Nhat Hanh sagte treffend: „Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick. Wenn wir wirklich im gegenwärtigen Augenblick leben, verschwinden unsere Sorgen und Nöte und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern.“


Von Dipl.-Psych. Sonja Dargatz

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