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11.06.2011

Weniger ist mehr

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In einem Satellitensymposium der Firma Galderma Laboratorium GmbH anlässlich der DDG-Tagung in Dresden im April 2011 berichteten Prof. Dr. med. Thomas Ruzicka, München, und drei weitere Referenten über die Hauterkrankung Rosazea, die bereits im 14. Jahrhundert in der medizinischen Literatur auftauchte, und die für die Betroffenen einen hohen physischen und psychischen Leidensdruck aufbaut.


Eine chronische Entzündung der Haut führt unter anderem dazu, dass die Zytokine aktiviert werden, was die bekannten unangenehmen Papeln und Pusteln zur Folge hat. Parallel dazu kann man eine chronische Erweiterung der Blutgefäße und eine Schädigung des Bindegewebes erkennen, was wiederum die Degeneration der Hautmatrix zur Folge hat.

Professor Ruzicka beschreibt Menschen des keltischen Hauttyps und des mittleren bis höheren Alters als besonders häufig betroffene Gruppe mit der genetischen Veranlagung, eine Rosazea zu entwickeln. Frauen erkranken häufiger als Männer, die allerdings oftmals einen schwereren Krankheitsverlauf zu ertragen haben.

Umwelteinflüsse, vor allem die UV-Strahlung, sowie Lebensgewohnheiten, die den Blutdruck erhöhen - z.B. Alkohol, Stress, körperliche Anstrengung - sind bekannte Auslösefaktoren der Rosazea.

Der sogenannte Flush (vorübergehende Errötung) und Erytheme (länger anhaltende oder dauerhafte Hautrötungen) sowie auch die Bildung von Ödemen sind die Folgen der Dermis-Schädigung bei den Betroffenen.

Die chronische Entzündung der Haut stehe bei der Rosazea im Vordergrund, so Prof. Ruzicka. Es werden Entzündungsmediatoren freigesetzt, welche die Aktivierung des Immunsystems bewirken. Die Haut zeige dann die typischen Papeln und Pusteln. Durch den Umbau des Bindegewebes könne es auch zu sogenannten Phymen kommen (flächige Hautverdickungen, z. B. als Rhinophym an der Nase, die sogenannte Knollennase).

Die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten waren bisher nicht immer überzeugend. Da ein Medikament den chronischen Verlauf der Rosazea zu bekämpfen hat, sollte es einerseits langfristig einsetzbar, anderseits auch gut verträglich sein.

Die am häufigsten verwendete Wirkstoffklasse zur systemischen (innerlichen) Therapie der Rosazea sind die sogenannten Tetracycline, welche vornehmlich als Antibiotika bei anderen Indikationen eingesetzt werden, darüber hinaus allerdings auch eine für die Rosazea-Therapie relevante, antientzündliche Wirkung besitzen. Der Einsatz dieser Wirkstoffe ist oftmals mit Nebenwirkungen verbunden, z. B. Übelkeit, Vaginalmykosen oder auch einer Sensibilisierung gegenüber UV-Strahlung (z. B. im Sonnenlicht).

Durch eine Veränderung der Galenik (d.h. Zubereitung und Herstellung eines Arzneimittels) habe man nun den zu den Tetracyclinen der zweiten Generation gehörende Wirkstoff Doxycyclin in einer niedrig dosierten, rein antientzündlich wirkenden Form, d. h. ohne antibiotische Wirkung, zur Verfügung stellen können (Oraycea®, verschreibungspflichtig), so Prof. Ruzicka.

Ermöglicht werde dies dadurch, dass von 40 mg Doxycyclin pro Kapsel 30 mg schnell und 10 mg verzögert freigesetzt werden. Durch den aus dieser Teilretardierung folgenden gleichmäßig niedrigen Serumspiegel, der die bei Rosazea unnötige und unerwünschte antibiotische Wirksamkeitsschwelle nicht erreicht, werde die Verträglichkeit deutlich verbessert. Die Wirksamkeit sei dabei vergleichbar gut wie bei einer Gabe der bis dato üblichen 100 mg, führte Ruzicka aus.

Auf der Veranstaltung informierte Prof. Dr. med. Helmut Schöfer, Frankfurt a.M.,  die anwesenden Journalisten und Ärzte ergänzend zu den Ausführungen von Professor Ruzicka darüber, dass die bisherige Standardgabe von Doxycyclin oder Minocyclin (100-200 mg/Tag) ein breites antibakterielles Wirkungsspektrum hat, dadurch aber auch zu starken Nebenwirkungen (wie oben genannt insbesondere im Darm-, Haut und Vaginalbereich) führt. Photosensibiliserung und Hyperpigmentierung der Haut können ebenso auftreten wie Arzneimittelexantheme (plötzlich auftretender Hautausschlag) oder Autoimmunreaktionen, wie z. B. Autoimmunhepatitis (seltene, akute oder chronisch-entzündliche Autoimmunkrankheit der Leber) oder Lupus erythematodes.

Unter 40 mg teilretardiertem Doxycyclin traten in klinischen Prüfungen laut Professor Schöfer die Phototoxizität, die Beschwerden im Magen-Darmbereich sowie der Pilzbefall gar nicht oder deutlich seltener auf. Einflüsse auf die bakterielle Flora seien auch bei einer Langzeitanwendung nicht beobachtet worden.

Privatdozent Dr. med. Jürgen Schauber, München, berichtete anschließend über die praktische Anwendung des niedrig dosierten Doxycyclin. Zur Behandlung der Rosazea stünden abhängig von der Ausprägung topische, systemische und chirurgische Therapieformen zur Verfügung. Bei der topischen Therapie gelte der Wirkstoff Metronidazol als Goldstandard. Bei der oralen Gabe sehe er teilretardiertes Doxycyclin gegenüber anderen Mitteln überlegen. Auch Isotretinoin als systemische Substanz erziele in einigen Fällen eine gute Wirkung, ist aber für Rosazea nicht zugelassen.

Zum Schluss der Veranstaltung berichtete Prof. Dr. med. Martin Schaller, Tübingen, dass die Rosazea häufig begleitend, aber auch allein als Entzündungen an den Augen vorkommt (z.B. als Konjunktivits, Keratitis usw.). Diese sogenannte Ophthalmorosazea kann unbehandelt schlimmstenfalls auch zur Erblindung führen.  Hier habe er mit niedrig dosiertem, teilretardierten Doxycyclin bereits erste positive Erfahrungen sammeln können. Allerdings handele es sich hierbei um einen sog. Off-label-use, da eine entsprechende Zulassung nicht vorliege.  ts

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