Metronidazol in der Rosazea-Therapie

16.12.2017

Fotolia © aerogondoVortrag von Prof. Dr. med. Helmut Schöfer im Rahmen der 44. DDG-Tagung in Dresden über die Rosazea-Therapie mit Metronidazol. Wirkprinzip: Fänger freier Sauerstoffradikale

Die Rosazea, auch Kupferrose, Couperose und fälschlich Acne rosacea oder Acne erythematosa genannt, ist eine häufige und chronische Hauterkrankung des Gesichtes. Sie tritt bei etwa zwei bis fünf Prozent aller Erwachsenen zwischen 18 und 60 Jahren auf. Am häufigsten erkranken 35- bis 45-Jährige, jedoch kann der Erkrankungsbeginn schon vor dem 20. Lebensjahr liegen. Überschneidungen mit der Acne vulgaris der Jugendlichen sind selten, aber möglich. Frauen sind im Verhältnis drei zu zwei häufiger betroffen als Männer, jedoch verläuft die Erkrankung meist leichter als bei Männern. Typisch für die Rosazea ist ein langjähriger Verlauf mit mehreren Stadien, unterschiedlichen Schweregraden und einer Reihe von Sonderformen, wie zum Beispiel die Rosazea des Auges oder die Rosacea granulomatosa.

Ursache ungeklärt

Für das Auftreten der Rosazea ist neben einer genetischen Prädisposition eine Vielzahl von Umweltfaktoren und anderen Einflüssen verantwortlich gemacht worden. Letztlich blieb die Ursache bis heute ungeklärt. Sicher ist jedoch, dass UV-Licht und andere Reizungen Rosacea hervorrufen oder verschlechtern können. Hinzu kommen psychische (Stress), hormonelle (Menstruation, Schwangerschaft) und vaskuläre Faktoren (regionale Durchblutung im Gesicht) sowie hoher Blutdruck. Und schließlich werden auch fokale Infekte, insbesondere durch die Haarbalgmilbe Demodex folliculorum sowie Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes (50 bis 90 Prozent aller Rosazeapatienten) gehäuft beobachtet. Zunächst an den Gefäßen des Gesichtes ansetzend, führen die aufgeführten diversen Auslösefaktoren (häufig unter Beteiligung freier Sauerstoffradikale) zunächst zu vorübergehenden Gefäßerweiterungen mit Flush-artigen Rötungen und später zu bleibenden Gefäßerweiterungen (Teleangiektasien), Ödemen, Papeln, Pusteln und knotigen Veränderungen im Gesicht.
Ursprünglich nach Micha (1943), mittlerweile mehrfach modifiziert, wird die Rosazea in ein Vorstadium (Rosazea Diathese) mit flüchtigen Erythemen sowie in das Stadium 1: Rosacea erythematosa (bleibende Rötungen, Gefäßerweiterungen), Stadium 2: Rosacea papulopustulosa (mit Pusteln und Pusteln auf Erythemen) und schließlich Stadium 3: die glandulärhyperplatische Form mit Rhinophym und anderen knotigen Neubildungen des Gesichtes eingeteilt. Darüber hinaus werden einige Sonderformen, wie die Augenbeteiligung bei Rosazea, die Rosacea conglobata, die Rosacea fulminans sowie durch Kortikosteroide oder Halogene ausgelöste Rosazea, beobachtet. Nicht alle Autoren sind sich einig, ob diese Erkrankungen der Rosazea im eigentlichen Sinne zuzuordnen oder zumindest teilweise als eigenständige Erkrankungen zu betrachten sind.

Diverse Erscheinungsformen

Die wichtigsten Differenzialdiagnosen der Rosazea sind Acne papulopustulosa (Erkrankungsalter, Komedonen), die Kortisonakne (Medikamentenanamnese, Symptome des Morbus Cushing) und die periorale Dermatitis. Ansonsten müssen bei Gesichtsrötungen Systemerkrankungen, wie der Lupus erythematodes und die Dermatomyositits, bei stärkerer Schuppung auch die seborrhoische Dermatitis abgegrenzt werden. In den Frühstadien können emotionsbedingte Rötungen, gefäßerweiternde Medikamente aber auch serotoninproduzierende Tumoren (Carcinoid-Syndrom) Ursache der Flush-artigen Gesichtserytheme sein. Mit ihren diversen Erscheinungsformen, Schweregraden und Sekundärveränderungen durch lokale oder systemische Vorbehandlungen kann die Rosazea eine schwer zu diagnostizierende und bei falscher Behandlung (Steroide oder hautreizende Substanzen) sehr hartnäckige Erkrankung sein. Eine psychische Belastung setzt bei vielen Patienten schon im Vorstadium (Rosazea Diathese) durch plötzliches Erröten in unpassenden Situationen ein und wird in der sozialen Ablehnung bei Rhinophym („Säufernase“) besonders evident.

Therapie der Rosazea

Die Behandlung der Rosazea besteht im Absetzen aller Steroidexterna und der vollständigen Meidung aller hautreizenden Substanzen (Seifen, alkoholische Lösungen, Aknetherapeutika usw.). Auch alle sonstigen gefäßerweiternden Einflüsse wie das Trinken von Alkohol oder heißen Getränken sowie das Essen scharf gewürzter Speisen und die Einnahme gefäßaktiver Medikamente fördern das Krankheitsbild der Rosazea. Solche Provokationsfaktoren, besonders aber der negative Einfluss des UV-Lichtes, sind zu vermeiden.
Die Rosazea ersten und zweiten Grades wird mit äußerlich angewandtem Antibiotika und seit 1983 auch sehr erfolgreich mit zwei Prozent Metronidazol in Magistralrezepturen behandelt. Seit einigen Jahren sind eine ganze Reihe von Fertigarzneimitteln mit in der Regel 0,75 Prozent Metronidazol in Gel- oder Cremegrundlagen verfügbar. Erst seit 2006 wird Metronidazol, ebenfalls 0,75-prozentig, auch in einer O/W-Emulsion („Wasserlotion“) mit besonders guter Hautverträglichkeit und nur sehr geringem Irritationspotenzial angeboten. Metronidazol wirkt bei der Rosazea nicht als Antibiotikum, sondern als Fänger freier Sauerstoffradikale, d. h. vor allem antientzündlich („paraantibiotischer Effekt“). Wie eine aktuelle Cochrane-Analyse zeigt, sind Metronidazol und Azelainsäure (15 Prozent) in einer Gelgrundlage zur topischen Rosazea-Therapie geeignet.
Schwerere Formen (Rosazea 2 und 3) werden systemisch mit Tetrazyklinen (z.B. Doxycyclin, Minocyclin) oder Isotretinoin (0,2 bis 0,5 mg/kgKG/Tag oder als Low-Dose-Therapie mit einmalig zehn mg/Tag) über mehrere Wochen behandelt. Häufig werden äußere und interne Therapie zunächst kombiniert. Nach Besserung des Befundes kann die Therapie in vielen Fällen ausschließlich topisch fortgesetzt werden. Zur Behandlung von Gefäßerweiterungen haben sich verschiedene Laser (Argon-, gepulster Farbstofflaser) und Blitzlampen (IPL) bewährt. Bei massiver Demodexbesiedlung empfiehlt sich die Anwendung von Crotamiton- oder Permethrin-Creme. Die Therapie des Rhinophyms ist ausschließlich operativer Natur. Die Talgdrüsenwucherungen werden scharf, per Elektrokoagulation oder mit verschiedenen Lasern (Erbium-YAG- und CO2-Laser) abgetragen.

Quelle: DERMAforum – Nr.9 – September 2007
Aktuell veröffentlicht: medicalpress





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