Hitze und Kälte für die Gesundheit

02.12.2011Der Vater der Güsse, Pfarrer Sebastian Kneipp, soll sich selbst mit kalten und heißen Güssen von mancher Krankheit geheilt haben. Thermische Reize auf der Haut sind jedoch wahrscheinlich schon viel früher genutzt wurden. Römer waren bereits große Liebhaber von Badeanstalten und nutzten Wassergüsse.

Wasseranwendungen auf der Haut reizen das Nervensystem. Ein schwacher Kreislauf kommt in Schwung mit eiskaltem Wasser im Gesicht und an den Handgelenken. Unterleibskrämpfe und Koliken verschwinden dank einer Wärmflasche. Heiße und kalte Fußbäder stimulieren das Immunsystem. Was passiert bei den Anwendungen?

Große Temperaturunterschiede auf der Haut reizen die Nerven und lösen eine Vielzahl von Reaktionen im Körper aus. Warmes Wasser weitet die Blutgefäße, damit steigt die Durchblutung. Dank der bessern Durchblutung entspannen sich die Muskeln. Entspannte Muskeln schmerzen weniger. Die Wärmereize lösen im Gehirn chemische Prozesse aus. Damit sinkt das Schmerzempfinden weiter. Genau der gegenteilige Effekt passiert bei kalten Güssen. Durch den Kältereiz ziehen sich die Blutgefäße zusammen, die Muskeln spannen sich an. Längere Kälteanwendung hat einen betäubenden Effekt. Im Gehirn kommt statt des Schmerzimpulses nur noch der Kältereiz an. Bei Verbrennungen hilft das Zusammenziehen und die Minderdurchblutung durch Eis, dass Blasen nicht entstehen. Bleibt das Eis länger auf der verbrannten Hautstelle wird die Stelle durch die niedrige Durchblutung weiß und es ist kein Gefühl an der Stelle spürbar. Kneift man in die weiße Stelle, kommt kein Schmerzimpuls im Gehirn an. Dies ist gefährlich bei starken Unterkühlungen und Erfrierungen im Winter. Das kann bis zum Absterben des Gewebes kommen.
Bei einem kurzen Kälteguss lässt der Kälteimpuls schnell wieder nach. Sofort danach weiten sich die Blutgefäße und die Muskeln entspannen sich. Es entsteht ein entspanntes und warmes Gefühl.

Extreme Temperaturunterschiede werden therapeutisch eingesetzt. Patienten mit Weichteilrheuma oder Arthritis gehen freiwillig in Kältekammern oder legen sich Eispackungen auf den Körper.
In Japan wird seit Jahrzehnten eine konsequente Kältetherapie mit Stickstoff-Kaltluft, in Verbindung mit einer mehrmals täglichen intensiven Bewegungstherapie, mit großem Erfolg bei Rheumatikern angewendet. Auch in Deutschland setzen Kliniken das Verfahren ein. Die Kältetherapie wird lokal für bestimmte Gelenke oder auch als Ganzkörpertherapie genutzt. Bei Kältebeuteln ist darauf zu achten, dass trockene Kälte auf einem Leinentuch auf die Haut kommt, um Schädigungen der Hautoberfläche zu vermeiden. Je nach Gelenk bleibt der Kältebeutel einige Minuten liegen. In Kaltluftkammern wird die Hautoberfläche runter gekühlt. Nur dünn bekleidet erfolgt eine Anpassung an die Kälte über mehrere Kältekammern. In der letzten Kammer bei bis zu - 110 °C bleiben die Patienten für 1-2 Minuten. Es ist unvorstellbar, in dieser Kälte mit Bikini und Schuhen zu laufen. Wichtig ist der Hautkontakt mit der kalten Luft.
Dieser Kälteschock mindert die chronischen Entzündungsschmerzen. Die positive schmerzlindernde Wirkung bleibt einige Stunden. Am besten ist ein langfristiger Effekt, wenn direkt danach eine Bewegungstherapie durchgeführt wird. Zusätzlich wirkt Kältetherapie abschwellend und entzündungshemmend, zunächst lokal, im Bereich der erkrankten Gelenke, später im Bereich des gesamten Körpers. Nach verschiedenen Forschungen bewirkt die direkte Kälte kurzfristig eine Abkühlung auf der Oberfläche der Haut und blockiert die Schmerzbahnen, in der Tiefe hemmt die Kälte Entzündung und Gelenkzerstörung.

Auch bei chronischen entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Schuppenflechte helfen äußere Kälteanwendungen. Als Grund vermuten Forscher die Ausschüttung von Botenstoffen sowie eine Verbesserung der Durchblutung. Weitere Forschungen sind wichtig. Es soll geprüft werden, ob die Kälte eventuell nicht nur eine immunsuppressive, sondern auch eine immunmodulierende Wirkung entfaltet und ob sogar ein längerfristiger Heilungsprozess möglich ist. Erste Ergebnisse zeigen, dass nach etwa 20 Kälteanwendungen entzündliche Hautveränderungen rückläufig sind. Leider gibt es keine Garantie für einen Heilungserfolg bei chronischen Hauterkrankungen. Bei Erkrankungen mit einer erhöhten Kälteempfindlichkeit wie Kälteurtikaria sowie bei Durchblutungsstörungen der Extremitäten und bei koronare Herzerkrankungen darf die Kältetherapie nicht angewendet werden.


Weiterlesen unter:
Heiß-kalt Anwendungen stimulieren das Immunsystem
Wasser marsch!
Kneippen wieder hochaktuell


Autorin: www.susanne-miesera.de




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