Feiern zur Karnevalszeit

01.12.2010In den tollen Monaten ist es für jeden möglich, in eine andere Haut zu schlüpfen. Die Hochzeit der Verkleidungen und des Feierns ist angesagt. Auch wenn die Erwachsenen je nach Wohnort weniger feiern, so ist doch das Verkleiden in Kindergärten und Schulen im ganzen Land nicht nur in der 5. Jahreszeit aktuell. Viele Kinder lieben das Verkleiden zu jeder Jahreszeit, schließlich ist es spaßig, mal Pirat oder Prinzessin zu sein. Doch für Neurodermitiker- (Kinder) kann aus dem Spaß ein Problem werden.

Fasching, Fastnacht oder Karneval?
Köln, Mainz und Düsseldorf traditionelle Hochburgen in puncto Feiern und Verkleiden legen Wert auf ihre individuelle Bezeichnung. Fastnacht oder Fassenacht findet sich eher in Süddeutschland und der Schweiz, während im Rheinland vom Karneval gesprochen wird. In beiden Wörtern wird die ursprüngliche Bedeutung dieser Zeit deutlich. In „Fast-nacht“, steckt das Fasten drin. In Karne-val steckt das „Carne“(Fleisch) und „levare“ für weglassen, also auch eine Form des Fastens.
Doch nicht nur in Europa ist das Maskieren zu festgelegten Zeiten populär, auch in Mittel- und Südamerika ist die Verkleidung und das ausgelassene Feiern bekannt. Obwohl in Deutschland traditionell der Startschuss am 11.11. um 11.11 Uhr gegeben wird, beginnt das bunte Treiben verstärkt erst im Januar. Aschermittwoch bestimmt das Ende der 5. Jahreszeit und den Beginn der Fastenzeit. Dieser Termin ist abhängig von der Osterzeit. Ostersonntag liegt am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond und 6 Wochen vorher liegt Aschermittwoch. 40 Tage stehen für die 40 tägige Fastenzeit, die Jesus fastend in der Wüste verbrachte. Diese Zeit gilt für viele Katholiken auch heute noch in veränderter Form, viele verzichten während der Zeit auf bestimmt Genussmittel oder Veranstaltungen.

Prinzessin, Hexe oder Pirat – Kostüme für Groß und Klein
Fester Bestandteil der 5. Jahreszeit ist das Verkleiden. Symbolisch in eine andere Haut zu schlüpfen hat für viele etwas Reizvolles. In fremden Gewändern können andere Gesichter gezeigt und andere Verhaltensweisen gelebt werden. Kinder lieben diesen Rollenwechsel, besonders beliebt sind starke und schöne Persönlichkeiten wie Piraten und Prinzessinnen. Jedes Jahr gibt es ein vorherrschendes Motto in den Kostümläden. Meist entscheiden Filme oder Bücher, was der Renner der Saisonverkleidung wird.
Gemeinsam ist allen Verkleidungen, dass sie aus eher minderwertigen Stoffen hergestellt werden. Meist werden Kunststoffe mit Metall und Plastikeinlagerungen verwendet. Diese Stoffe können wahre Reizstoffe für die empfindliche Neurodermitikerhaut werden. Die Kostüme sind mit der „heißen Nadel“ genäht, oft liegen Fäden offen an der Stoffinnenseite und reizen die empfindliche Haut. Die vielen Applikationen erschweren bzw. machen die Waschbarkeit der Kostüme teilweise unmöglich. Max. 30 °C sind – wenn überhaupt – möglich. Kaum wurde das Kostüm gekauft, wird es meist ohne vorheriges Waschen sofort angezogen. Gerötete Stellen und Jucken sind während der Feierstunden fast vorprogrammiert. Unter der Kunststoffschicht von Pinguin- und Bärenkostümen schwitzen die Kinder und die Haut wird weiter gereizt.
Genau wie alle anderen Kleidungstücken sind Farbstoffe, Imprägnierungen oder im schlimmsten Fall Rückstände von Pestiziden und Mottengiften in den Stoffen. Problematisch sind Kostümverleihe, die sehr unterschiedlich die Kostüme reinigen oder imprägnieren. In einem Test von Stiftung Warentest stellte sich außerdem heraus, dass Kunststoffmischungen leicht brennbar sind. Beim Brand von Polyacryl und Co entstehen giftige Dämpfe und Stofffetzen.


Empfehlungen für Kostüme für die empfindliche Haut:


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Am besten Kostüme aus vorgewaschenen Stoffen selber nähen, besonders für die empfindliche Kinderhaut

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Alte gewaschene Kleidungsstücke umfunktionieren. Aus einem alten T-Shirt kann noch mit Bemalungen oder Beklebungen ein neues Outfit werden. Es schont auch den Geldbeutel.

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Bei gekauften Kostümen auf die Waschbarkeit achten. Immer unbedingt vor dem ersten Tragen waschen.

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Keine Kostüme ausleihen oder vor der ersten Nutzung waschen.

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Bei Kostümen, die nicht zu waschen sind oder die Haut trotzdem reizen, am besten langärmelige dünne T-Shirts und Strumpfhosen unterziehen, um direkten Hautkontakt zu vermeiden.

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Besonders Augenmerk auf die Verarbeitung der Verkleidungen legen. Einnäher, Applikationen, Plastik und Metall reizen die Haut zusätzlich.


Katzengesichter, Clownsbemalung oder rote Narben

Erst mit der auffälligen Bemalung ist das Kostüm, der Rollentausch vollständig. Manche Kostümmuffel legen sich wenigsten eine besondere Bemalung oder Schminke auf. Der Markt der Faschingsschminke ist riesig. Spätestens seit Halloween Ende Oktober liegen in den Drogeriemärkten Masken, falsche Wimpern, Tattoos und bunte Schminke aus. Schminkfarben sind bei Kindern das ganze Jahr gefragt. Es macht Kinder Spaß als Katze, Clown oder Maus auf Kindergeburtstage zu gehen.
Faschingsschminke unterliegt ebenso wie die Alltagskosmetik dem Bedarfsgegenständegesetz und der Kosmetikverordnung. Damit sind bestimmte Stoffe besonders Farben nur eingeschränkt erlaubt. Es  gelten die Verträglichkeitskriterien für gesunde Haut. Allerdings gibt es keine spezielle Karnevalsschminke für Neurodermitiker.

Deklaration der Inhaltsstoffe ist vorgeschrieben. Faschingsschminke soll mehr hermachen, deshalb wird bei den Zutaten nicht gekleckert sondern geklotzt. Die Reihenfolge der Stoffe zeigt das Mengenverhältnis, je weiter vorne desto mehr ist enthalten. Achtung gilt bei: „May contain“ heißt: Kann enthalten sein, vielleicht auch nicht. Dies ist wenig hilfreich für Allergiker. „CI“ steht für Color Index, dies weist auf Farbstoffe hin, ohne die fast keine Faschingsschminke auskommt. Farben, Konservierungsstoffe, Duftstoffe und Glitter reizen die Haut. Die Farben sind auf Fettbasis oder wasserlöslich. Farben entstehen durch halogenorganische Verbindungen mit Chrom, Blei oder Nickel. Empfindliche Menschen können das spüren. Ähnlich der Wasserfarben im Malkasten lassen sich wasserlösliche Farben mischen, mit Pinsel auftragen und leicht wieder abwaschen. Katzen-, Mäuse und Tigergesichter sind leicht zu entfernen und meist gut verträglich. Sobald eine Fettbasis dabei ist oder Emulgatoren im Produkt sind wird die Verträglichkeit schlechter. Der Vorteil bei stark fetthaltigen Cremes ist, dass sie mit weniger Konservierungsstoffen auskommen. Besonders die Konservierungsstoffe sind allergieauslösend. Manche Mutter berichtet von akuten Schüben auf dem Kindergeburtstag. Rötungen und Jucken sind keine Seltenheit bei Neurodermitiskindern. Besonders problematisch sind Masken, die komplett aus Kunststoff bestehen. Unter diesen Masken kann die Haut nicht atmen, schwitzen, jucken und im schlimmsten Fall Entzündungen sind auch bei Menschen ohne Neurodermitis an der Tagesordnung.


Tipps für ein hautverträgliches Karnevalsschminken.


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Alle mit sensibler Haut sollten genau wie bei anderer Kosmetik erstmal den Armbeugentest durchführen. Ein paar Tage vor dem Faschingsfest Schminke auf den Arm auftragen und Reaktionen beobachten.

· Bei trockener Haut immer vorher eine feuchtgkeits- und/oder fetthaltige Creme auftragen. Sie ist gleichzeitig wie eine Schutzschicht unter der bunten Schminke.

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Wasser- oder fetthaltige Farbe? Wenn wasserhaltige Farben verwendet werden, ist es anzuraten erst ein Feuchtigkeitsgel aufzutragen, damit die Haut gut versorgt ist. Unter fetthaltiger Schminke auf jeden Fall eine verträgliche Fettcreme auftragen.

· Vor dem Schminken gründlich Gesicht und Hände waschen. Faschingsschminke wird meist über eine längere Zeit verteilt benutzt und so können sich Bakterien der Hände richtig gut verteilen. Am besten Farben mit Pinsel, Wattestäbchen oder Schwamm auftragen.

· Weniger ist mehr. Setzen Sie Akzente mit der Schminke, statt den gesamten Oberkörper zu bemalen. Besonders auf die Augenpartie achten.

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Keine Tattoos auf die empfindliche Haut. Wasserlösliche Tattoos gelten als stark allergiesensibilisierend.

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Nach dem Fest gründlich die Haut reinigen. Zum Entfernen ist je nach Basis der Schminke mal mehr mal weniger nötig. Wasserhaltige Schminke lässt sich mit der gewohnten Reinigungsmilch und Gesichtswasser entfernen. Fetthaltige Farben brauchen Fett zum Entfernen, es eignen sich stark fetthaltige Cremes oder Oliven-/Sonnenblumenöl aus der Küche.

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Nach dem Fest die Haut besonders pflegen. Eine rückfettende Pflege lässt empfindliche Haut wieder aufatmen.

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Alte Schminkreste vom Vorjahr besser entsorgen. Wasserhaltige Farben verkeimen schnell und fetthaltige Farben werden ranzig. Lieber kleine Mengen jedes Jahr neu kaufen.

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Für die Lagerung gilt: Auf die Haltbarkeit achten, beim Öffnen das Datum auf die Verpackung schreiben. Schminke kühl und trocken lagern. Riecht sie ranzig oder trennen sich ölige und wässrige Bestandteile, gehört sie in den Müll.


Weitere Informationen
www.fasching-fastnacht-karneval.de
www.karnevalskostueme.de
www.kostuem-paradies.de
www.film-kostueme.de

Tests von Stiftung Warentest und Ökotest: www.test.de und www.oekotest.de


Text: www.susanne-miesera.de




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