Hautpflege für Säuglinge und Babies

24.09.2019

i-stock Evgen_ProzhyrkoGanze Supermarktregale voller Pflegeprodukte fürs Baby, unterschiedlichste Tipps von Oma, Freundin oder aus dem Internet: Das kann junge Eltern sehr verunsichern. Doch was braucht Babyhaut wirklich? Welche Pflege tut der zarten Haut gut? Was hilft gegen einen wunden Babypo? Fundierte Antworten und wenn nötig die richtige medizinische Versorgung gibt es beim Hautarzt.

Ein Baby benötigt besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge – das gilt auch für die Haut. „Denn in den ersten Lebensmonaten sind die Hautfunktionen noch nicht voll ausgereift“, erklärt Dr. Annette Schaefer, Hautärztin in Öhringen und Mitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD). Die Hornschicht, welche die Haut als schützende Hülle umgibt, ist dünner und durchlässiger als bei älteren Kindern und Erwachsenen. Zudem produziert Säuglingshaut weniger Talg und Schweiß und der Fett- und Säureschutzmantel ist schwächer ausgebildet. Die Hautbarriere ist somit noch nicht ausreichend entwickelt – in der Folge trocknet Babyhaut schneller aus, reagiert empfindlicher auf Umwelteinflüsse und ist auch gegen Krankheitserreger und allergieauslösende Substanzen wehrloser. Die Haut von Säuglingen ist zudem besonders sonnenempfindlich. „Säuglinge dürfen in den ersten Lebensmonaten überhaupt nicht der Sonne ausgesetzt werden“, betont Dr. Schaefer. Auch bei älteren Kindern sei auf einen vernünftigen Umgang mit der Sonne und einen konsequenten Sonnenschutz durch Textilien und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor zu achten.
Hautreinigung: Weniger ist mehr!

Auch wenn das Baby ein wenig schwitzt oder beginnt, die Umgebung zu erkunden: „Zur Hautreinigung sind waschaktive Substanzen in der Regel nicht nötig“, sagt Dr. Schaefer. Diese strapazieren die empfindliche Haut und begünstigen ein Austrocknen. Mund und Händchen können mit lauwarmem Wasser und einem weichen Tuch gereinigt werden. Zweimal pro Woche darf es ein kurzes, lauwarmes Bad sein. Studien haben gezeigt, dass dies hautschonender ist als Abrubbeln mit einem Waschlappen, erläutert die Hautärztin. Zudem sei Baden ein schönes Ritual, das Baby und Eltern genießen und das nebenbei den Kleinen die Scheu vor Wasser nimmt. Badezusätze sind in der Regel nicht erforderlich. Duschgel und duftende Schaumbäder aus Mamas Vorrat sind tabu, weil sie die Haut zu sehr austrocknen und reizen können. Allenfalls kann ein wenig rückfettendes Babybadeöl ins Wasser gegeben werden. Nach dem Baden sollte die Haut des Babys sofort sanft abgetrocknet werden. Bleibt Wasser auf der Haut, entzieht es beim Trocknen Feuchtigkeit.

Eincremen: Stärkt die Barrierefunktion der Haut

„Nach dem Baden unbedingt eincremen“, rät Dr. Schaefer. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass frühzeitiges regelmäßiges Eincremen schon ab dem Neugeborenenalter nicht die Hautreifung stört, sondern die Hautbarriere stabilisiert und sogar dazu beiträgt, einer Neurodermitis und Allergien vorzubeugen.

Für die Hautpflege sollten speziell für Säuglinge entwickelte Produkte verwendet werden. „Am besten sollten diese hypoallergen sein und keine Duft- und Farbstoffe enthalten“, empfiehlt die Dermatologin. Neben Fettsubstanzen (Lipiden) in ausreichender Menge sind natürliche Feuchthaltefaktoren, sogenannte Natural Moisturizing Factors (NMF), wie Glycerin günstig.

Problemzone Windelbereich

Der Windelbereich erfordert besondere Sorgfalt. Urin und Stuhl können die Haut sehr strapazieren. „Deshalb hochwertige, saugfähige Windeln verwenden und etwa alle vier Stunden wechseln“, rät die Hautärztin. Nach dem Stuhlgang sollte das Baby möglichst umgehend eine frische Windel bekommen. Po und Genitalbereich werden am besten nur mit lauwarmem Wasser gereinigt und anschließend gut abgetrocknet. Günstig ist es, eine Weile Luft an die Haut zu lassen. Hartnäckiger angetrockneter Stuhl kann mit Babyöl entfernt werden. Hierfür können natürliche Öle verwendet werden, ätherische Öle sollten jedoch nicht enthalten sein. Auch Mineralöle sind gut geeignet – sie haben den Vorteil, keine Allergien hervorzurufen, wie Dr. Schaefer erläutert. Feuchttücher sollten nur ausnahmsweise unterwegs benutzt werden, auch hier sollte darauf geachtet werden, dass sie keine Duftstoffe enthalten.

Ist der Windelbereich gerötet und wund, sollte eine solche beginnende Windeldermatitis mit einer schützenden Zink-haltigen Salbe behandelt werden, die den Heilungsprozess fördert. Saure Nahrungsmittel wie Zitrusfrüchte sollten in der Beikost des Säuglings nicht enthalten sein.

„Entwickelt sich eine ausgeprägte entzündliche, manchmal geschwollene oder nässende Rötung oder kommen gar Bläschen und Pusteln hinzu, sollte das Kind einem Hautarzt vorgestellt werden“, rät Dr. Schaefer. Der Dermatologe wird abklären, ob eine Windeldermatitis vorliegt oder ob es sich um eine andere Ekzemerkrankung handelt.

Eine Windeldermatitis kann sehr schmerzhaft sein. Bei Bedarf wird eine für das Säuglingsalter zugelassene Kortison-haltige Salbe verordnet, die in der Regel zu einer raschen Besserung und einer Abheilung innerhalb von zwei bis drei Tagen führt und bei kurzzeitigem Einsatz sicher und gut verträglich ist. „Die Anwendung sollte genau nach ärztlicher Anleitung erfolgen“, betont Dr. Schaefer. „Kortisonpräparate sind nicht für die Langzeitanwendung geeignet und dürfen keinesfalls als Ersatz für eine geeignete Hautpflege verwendet werden.“

Verschlechtert sich die Windeldermatitis trotz Behandlung und kommt es zu einer starken Rötung, weißlichen Pusteln oder schuppigen Hautveränderungen, kann dies ein Hinweis sein, dass ein Befall mit einem Hefepilz oder eine bakterielle Infektion hinzugekommen ist. Bei entsprechender Diagnose wird der Hautarzt geeignete Medikamente verschreiben.

Quelle: hautinform Ausgabe 04/2019





Seite weiterempfehlen