Babys besonderer Hautschutz

07.05.2012Die meisten Säuglinge kommen zum Glück mit einer gesunden Haut zur Welt. Doch die Haut ist bei der Geburt noch nicht mit allen Schutzfunktionen ausgestattet und so braucht die Babyhaut einen besonderen Schutz. Über die Haut erspürt der kleine Erdenbürger direkt die Umwelt. Temperaturschwankungen, Sonnenlicht und chemische Einflüsse aus Pflegeprodukten wirken sehr viel stärker bei Neugeborenen als bei Kleinkindern.

Jedes Baby kommt mit einer sensiblen Haut auf die Welt.
Während der 9 Monate im Mutterleib verändert sich die Haut ständig. Ab dem 6. Schwangerschaftsmonat beginnt sich das Unterhautfettgewebe zu vermehren. Die Käseschmiere bildet sich als schützende Fettschicht auf der Haut. Die Haut zeigt sich noch rötlich schimmernd. Manche Säuglinge haben bei der Geburt noch Reste der weißlichen Fettschmiere auf der Haut. Mit der Geburt ist die Hautreifung noch nicht abgeschlossen. Babyhaut ist sehr viel dünner und durchlässiger für Feuchtigkeit und äußere Reize. Es kann zu Infektionen über die Haut kommen, da auch Krankheitserreger noch leicht eindringen können. Die Hornhaut und die schützende Pigmentierung sind noch nicht ausgebildet. Flüssigkeitsverluste durch die noch unzureichende Schutzschicht sind gefährlich für die Neugeborenen. Ebenso kann eine kühle Raumtemperatur schneller zu Unterkühlungen führen. Die fehlende Pigmentierung bietet keinen Eigenschutz vor Sonneneinstrahlung. Die Entwicklung der Hautschutzbarriere braucht Monate. Mit jedem Tag bietet die Haut dann mehr Schutz vor äußeren Einflüssen. In den ersten Monaten kann für den späteren gesunden Hautzustand der Grundstein gelegt werden.

Was braucht Babyhaut in den ersten Monaten?
Am meisten viel körperliche Berührungen. Bekannt ist, dass Hautkontakt für Babys überlebenswichtig ist. Streicheln und massieren sind Formen wohltuende Berührungen für Groß und Klein. Die Anregung der Nervenenden in der Haut sendet positive Informationen an das Gehirn und trägt zur gesunden körperlichen und geistigen Entwicklung der Kleinen bei.
Für die „richtige“ Hautpflege gibt es viele sich widersprechende Empfehlungen. Hebammen, Ärzte und Ratgeberbücher sind sich uneins. Einige sind sich alle, dass das Baden oder Waschen mit Mutter- oder Vaterhänden als wohltuend empfunden wird. Statt Waschlappen lieber direkt den Körperkontakt ermöglichen. Immer wieder stellt sich die Frage, ob und wie viel gebadet werden soll. In den ersten 2-3 Wochen sind die Haut und der Nabel noch sehr empfindlich und können sich leicht entzünden. Deshalb ist in dieser Zeit auf ein Bad noch zu verzichten. Eine Studie der Charité Berlin (s. Literaturempfehlung am Ende des Artikels) vermerkt, dass nach dieser Zeit bei zweimal wöchentlich gebadeten Babys eine positive Wirkung auf den Feuchtigkeitsgehalt und die Barrierefunktion der Haut festzustellen war. Die Wirkung vom Baden war besser als das Waschen mit einem Waschlappen. Wichtig ist, dass die Badezeit in dem körperwarmen Wasser nur 5-10 Minuten beträgt. Es reicht pures Wasser. Spezielle Babyzusätze haben eine positive Wirkung auf die Hautbarriere meint die Leiterin der Studie, Frau Prof. Blume-Peytavi, Charité Berlin. Es ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass der Badezusatz oder auch die Creme speziell für Babys empfohlen wird. Das vorsichtige Abtrocknen ist wichtig, damit die Haut nicht auskühlt und kein feuchter Nährboden für Infektionen auf der Haut entsteht.
Diese Empfehlungen gelten für Säuglinge mit gesunder Haut. Bei Babys mit empfindlicher trockener Haut ist die Auswahl der Pflegeprodukte auf jeden Fall mit dem Kinderarzt abzusprechen.

Häufige Hautreaktionen bei Babys
Die Schutzfunktionen der Haut sind noch nicht voll ausgebildet. Die dünne durchlässige Haut neigt noch häufiger zu Entzündungen. Rötungen, Pickelchen oder Schuppen können die Babyhaut bedecken. Juckreiz und Neurodermitissymptome treten auf und wie die anderen Hautreaktionen verschwinden sie zum Glück bei den meisten Säuglingen nach einigen Monaten wieder. Oft sind die Hauterscheinungen harmlos, doch manchmal können sie auch ein Hinweis auf innere Erkrankungen sein. Im Zweifel immer den Kinderarzt befragen. Welche Hautreaktionen sind bekannt?
Milchschorf kann ein erstes Anzeichen für eine Veranlagung zu Neurodermitis sein. Es ist ein weißlicher manchmal nässender Ausschlag, der stark juckt. Er beginnt am Kopf und kann auch die Arme und das Gesicht befallen. Der Juckreiz kann mit der richtigen Hautpflege reduziert werden. Die Veranlagung für Neurodermitis sollte mit dem Kinderarzt geklärt werden. Als Sofortmaßnahmen hilft es der Hautgesundheit, wenn rückfettende Creme/Salbe für empfindliche Haut nach dem Baden genutzt wird. Möglichst Schwitzen und enge Kleidung mit Kunstfasern oder Wolle vermeiden. Bei starkem Jucken am besten kleine Baumwollfäustlinge über Hände und Füße ziehen, um das ständige Aufkratzen der Haut zu reduzieren. Ähnlich der Milchschorf ist der Kopfgneis. Auf der Kopfhaut ist ebenso eine weißliche Schuppenschicht. Doch im Unterschied zum Milchschorf zeigt sich keine Rötung oder Entzündung. Dieser Hautausschlag verschwindet im ersten Lebensjahr. Auf keinen Fall Schuppen abkratzen oder medikamentös behandeln. Zur Abgrenzung vom Milchschorf am besten den Arzt befragen. Ein fettendes Babyöl hilft bei der Abheilung.
Im Gegensatz zum Milchschorf ist die Babyakne meist harmlos. Die kleinen Pickelchen verschwinden nach 4-6 Wochen nach der Geburt. Wahrscheinlich hängen sie mit der Hormonumstellung und einem überaktiven Immunsystem zusammen. Die Talgdrüsen der Säuglingshaut produzieren zu viel Talg. Als einzige Empfehlung gilt, in Ruhe ausheilen lassen. Kein Aufkratzen, ausdrücken oder gar Antipickelprodukte benutzen. Kein Kosmetikmittel ausprobieren, da Babyhaut zu durchlässig ist.
Beim starken Schwitzen können Hitzepickel oder Schweißfriesel entstehen. Wenn der Schweiß in den Ausführungsgängen der Schweißdrüsen verstopft und die Haut stark aneinander reibt, können die kleinen Pickel oder Bläschen entstehen. Am besten luftdurchlässige weite Kleidung tragen, mit Hautpuder und Zinkpflegeprodukten die Hautheilung unterstützen.
Ähnlich sehen Milien aus. Dies sind kleine weißliche Punkte oder Grießkörner an den Ausgängen der Schweißdrüsen oder Haarwurzeln. Meist sind sie im Gesicht und am Kopf. Diese kleinen Zysten entstehen ebenso wie die Akne durch die Hormonumstellung. Sie verschwinden am besten, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Ein Ausdrücken oder gar Aufstechen kann schlimme Narben hinterlassen.
Der Fantasiename „Storchenbiss“ bezeichnet Hautrötungen im Kopfbereich. Die kleinen erweiterten Äderchen vermehren sich bei Anstrengungen wie z. B. Schreien. Die dünne Haut und die starke Durchblutung führen zu roten Flecken. Mit dem Ausreifen der Haut werden sie immer weniger. Sie sind zum Glück völlig harmlos. Anders als bleibende Feuermale müssen sie nicht behandelt werden.
Sehr trockene Haut kann auf eine Veranlagung für Neurodermitis hindeuten. Es kann aber auch an der unreifen Haut des Babys liegen. Die fehlenden Hornzellen, die wenigen Hautlipide machen die Haut durchlässiger, sie kann weniger Wasser binden. Der hohe Feuchtigkeitsverlust führt zu trockener und manchmal juckender Haut. Bei Unsicherheit und vermehrt auftretenden Ekzemen ist der Kinderarzt gefragt. Die früh einsetzende richtige Hautpflege und gegebenenfalls begleitende Therapie kann die Symptome lindern. Zum Glück verschwinden mit den Jahren bei den meisten die Symptome. Zu beachten ist, dass die Veranlagung bleibt. Damit ist lebenslang auf die richtige Hautpflege zu achten. Generell haben rückfettende Pflegeprodukte einen festen Platz bei trockener Haut. Weitere Informationen zur richtigen Hautpflege bei Neurodermitis bei Babys lesen Sie im Hautfreund 2/2008.


Sonne, Wind und Kälte auf der Babyhaut
Die Haut ist nicht nur durchlässiger für Pflegeprodukte und Wasser, sondern Babys sind auch viel hitze- und kälteempfindlicher als Kinder. Die dünne Haut kann Feuchtigkeit ebenso schlecht binden, wie Wärme speichern. Das fehlende Unterhautfettgewebe verhindert eine passende Wärmeregulation. Babys kühlen selbst bei Zimmertemperatur schnell aus. Da Babyhaut auch sehr viel dünner ist, ist sie reizempfindlicher. Starker Wind kann die Haut austrocknen und Rötungen verursachen. Die fehlende Pigmentierung ist sehr gefährlich bei den ersten Sonnenstrahlen auf nackter ungeschützter Haut. Mit der Zeit bildet sich ein Eigenschutz durch Melanin in der Haut auf. Doch in den ersten Monaten und Jahren braucht die junge Haut sehr viel mehr Schutz von Außen. Bei empfindlicher Babyhaut sollte in den ersten Wochen die Haut mit Kleidung bedeckt sein. Um auch die lebenswichtige Vitamin D Bildung durch Sonnenlicht zu ermöglichen, sind begrenzte Aufenthalte im Freien in der Sonne sinnvoll. Alle unbedeckten Hautbereiche auf jeden Fall mit einer speziellen Sonnencreme für Kleinkinder oder Babys eincremen. In den ersten Lebensmonaten sollte verstärkt auf den Hautschutz durch Kleidung statt durch Sonnencreme geachtet werden, da Sonnencreme auch die Hautporen leichter verstopfen kann. Damit entstehen wieder leichter Hautentzündungen. Im Sommer ist auch bei dünner Kleidung auf den UV-Schutz zu achten. Die unterschiedliche Schutzwirkung von Creme, Kleidung oder Schatten zeigt die Tabelle.

Beispiele für UV-Schutzmaßnahmen und deren UV-Schutzfaktoren
 
UV-Schutzmaßnahmen                                                                  UV-Schutzfaktor

UV-Schutzkleidung                                                                             20-80
Dichte Baumwollbekleidung                                                           ca. 20
Sonnenschutzcreme bei richtiger Anwendung                            0-30
Leichte Baumwollkleidung                                                               ca. 10
Schatten unter einem Baum                                                            ca. 5-15
Sonnenhut mit breitem Rand                                                          ca. 10
Schatten unter einem Sonnenschutzschirm                                ca. 5
 
Textilforschungszentrum Hohenstein, 2003,
Quelle: www.uvstandard801.de

Mehr Informationen zu Kleidung mit Sonnenschutz lesen Sie im Hautfreund 2/2008.

Babyhautpflege im Überblick

- Die ersten Wochen nur waschen mit purem Wasser.
- Nach ca. 3-4 Wochen beginnen mit max. 2 wöchentlich baden. Weniger ist mehr: wenn Badezusätze, dann nur spezielle Babyprodukte möglichst ohne Duft und Konservierungsstoffe.
- Max. 5-10 Minuten im Wasser baden und Wasser in Körpertemperatur aufwärmen.
- Nach dem Baden oder Waschen sanft und gründlich abtrocknen.
- Nur mit rückfettenden Babypflegeprodukten eincremen. Lieber häufiger und dünn eincremen.
- Regelmäßige sanfte Ganzkörpermassagen fördern Haut- und Seelengesundheit.
- Lieber einmal mehr Windeln wechseln. Moderne Windeln dichten die Haut ab und so entstehen in der Wärme und Feuchtigkeit leicht Entzündungen.
- Möglichst häufig Haut im Windelbereich ohne Windeln trocknen lassen.
- Bei Hautreaktionen keine Kosmetikprodukte verwenden.
- Bei Hautentzündungen keine Behandlung ohne Rücksprache mit dem Kinderarzt.
- Der Hautheilung Zeit lassen.


Literatur:
- Studie 2009 von der Charité: http://www.medical-tribune.de
- Pädiatrie und Pädologie  Volume 44, Number 4, S. 44-45: Interview: Baden oder Waschen? Was kann der Kinderarzt empfehlen?
- Hautfreund 2/2008


von Dipl.-oec.-troph. Susanne Miesera




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