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19.04.2022

Wieso es so unerlässlich ist, sich selbst in seiner Haut zu umarmen

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In Gesprächen berichten Menschen, die von einer chronischen Hauterkrankung wie z.B. Vitiligo betroffen sind, immer wieder von Situationen, in denen sie ungerechtfertigte Vorurteile ihrer Haut gegenüber erfahren haben; auch wird dabei oft fälschlicherweise weiter auf die Person an sich generalisiert und diese damit abgewertet; so erleben chronisch Hautbetroffene leider, gesellschaftlich stigmatisiert und diskriminiert zu werden: „Diese Krankheit ist ja eklig…iiihhh, ist das nicht ansteckend?... Und müssen Sie Ihre Haut so frei zur Schau stellen? Das will doch keiner sehen…“ „Ist das Lepra…?“ Diese Äußerungen zeigen zwar nur beispielhaft, aber dafür eindringlich, wie sehr Fremdstigmatisierungen Hautbetroffenen im Alltag zusetzen können. Das geschieht zumeist umso mehr, je unwohler sich Hautbetroffene in ihrer eigenen Haut fühlen. Dabei kann es generell ein Thema sein, dass es einem selbst schwer fällt, sich mit seiner eigenen Hauterkrankung im Gepäck anzunehmen, es kann ebenso aber tagesformbedingten Schwankungen unterliegen. 

Fremd- und Selbststigmatisierung gehen oft Hand in Hand!

Wer „einfach nur“ einen schlechten Tag oder eine schwierige Woche erlebt, wird sich abwertenden Äußerungen aus dem sozialen Umfeld gegenüber in der Regel besser abgrenzen können als jemand, der sich generell damit schwer tut, mit einer chronischen Hauterkrankung leben zu müssen. 
Letzteres kann zur Folge haben, dass „fremd-abwertende“ Äußerungen, also Fremdstigmatisierung, zu „selbst-abwertenden“ Äußerungen führen. Dabei identifizieren sich Hautbetroffene zusehends mit den fälschlich abwertenden Äußerungen aus Teilen der Gesellschaft, sodass sie selbst mehr und mehr beginnen, an sich zu zweifeln. In Selbstgesprächen und in eigenen Gedanken kreist man auf diese Weise mehr und mehr um Selbstabwertung und Wertlosigkeit. In Vergleichen mit anderen Menschen erlebt man sich selbst in einer minderwertigen und unterliegenden Position.  
Damit befindet man sich bereits in einem Teufelskreislauf dysfunktionaler Annahmen über sich selbst und seine Haut. Infolge erscheint die eigene Zukunft immer weniger hoffnungsvoll, das eigene Wohlbefinden lässt immer mehr nach, und positive Erfahrungen, die fremd- wie selbststigmatisierenden Prozessen entgegen wirken könnten, werden immer seltener, da sich Betroffene oftmals aus dem sozialen Leben zurückziehen. 
Letztlich können also sowohl fremd-stigmatisierende als auch selbst-stigmatisierende Äußerungen dazu führen, dass Hautbetroffene soziale Ausgrenzung erleben. Betroffene schämen sich ihrer Haut wegen und schaffen es immer seltener, sich zu Verabredungen aufzuraffen, zum Sport zu gehen oder an kulturellen Aktivitäten teilzunehmen. Gleichzeitig wird die eigene Hauterkrankung subjektiv immer größer erlebt, als sie eigentlich ist und sein sollte.

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Hautbetroffene stehen sich oft selbst im Weg

Wenn sich Hautbetroffene also selbst-stigmatisieren, tragen sie leider selbst - wenn auch zunächst unwissentlich - dazu bei, ihre eigenen und essentiellen Ressourcen abzubauen. Denn gerade in fremd-stigmatisierenden Situationen braucht es ein gesundes Selbstwertgefühl, um unfaire und diskriminierende Äußerungen an sich abprallen zu lassen, diese von sich weisen zu können oder mit einem coolen Spruch reagieren zu können. Umso wichtiger ist es also, sich immer und immer wieder vor Augen zu führen, dass fremd-stigmatisierende Äußerungen zur eigenen Psychohygiene möglichst zeitnah gedanklich entsorgt werden sollten, dem eigenen Selbstwert zum Schutz. 

Mehr als nachvollziehbar ist der Wunsch von Hautbetroffenen, erst gar nicht mehr fremd-stigmatisierenden Äußerungen begegnen zu müssen. Aufklärungskampagnen sollten doch endlich die Früchte tragen, in den „Köpfen“ aller Nicht-Hautbetroffenen sollte doch endlich angekommen sein, dass Krankheiten wie Vitiligo eben chronisch, aber keinesfalls ansteckend sind. Albert Einstein sagte einst: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Und so ist es noch immer eine der Herausforderungen von chronisch Hauterkrankten annehmen zu lernen, dass nicht in allen „Köpfen“ von Nicht-Hautbetroffenen die erwünschten und aufklärenden Botschaften angekommen sind. Um dysfunktionalen und selbst-stigmatisierenden Annahmen vorzubeugen und zum eigenen Wohlbefinden beizutragen, ist es also unerlässlich, bei sich selbst zu bleiben und für sich selbst einzustehen, sich Menschen gegenüber zu distanzieren, die trotz sensibilisierender und aufklärender Botschaften an ihren fremd-stigmatisierenden Äußerungen festzuhalten gedenken. 

Es gehört ebenso dazu, sich immer wieder bewusst zu machen, anderen Menschen nicht den ungesunden Einfluss auf das eigene Selbstwertfühl zu ermöglichen. Bruce Lee umschrieb dies mit den Worten: „Wenn du dich selbst zum Esel machst, dann ist immer jemand bereit, auf dir herumzureiten.“ Und genau darum geht es, sich selbst anzunehmen, sich selbst-wirksam zu verhalten und für sich selbst einzustehen, gerade in solch herausfordernden Situationen, in denen man sich eigentlich wünschte, dass Personen, die einen stigmatisieren, endlich zur „Haut-Einsicht“ kämen. Das eigene Wohlbefinden ist in diesen Situationen mehr als schwer erkämpft, doch mit jeder selbst-schätzenden Reaktion wird es leichter. Und genau dies brachte Oscar Wilde treffend auf den Punkt: „Sich selbst zu lieben, ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.“

Autor: Dipl.-Psych. Sonja Dargatz

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