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07.08.2011

Vitiligo – was gib’s Neues?

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Zuckermelone bei Vitiligo?

Pflanzliche Produkte werden seit vielen Jahren für die Behandlung der Vitiligo beworben. Sie gelten als natürlich, vitaminreich und voller vielversprechender Inhaltsstoffe. Speziell in Zuckermelone (Cucumis melo) scheint es Inhaltsstoffe zu geben, die reaktive Sauerstoffradikale abfangen und die Menge von Wasserstoffperoxid reduzieren, da sie Pseudokatalse- und Superoxid-Dismutase-Aktivität zu haben scheinen. Da heute eine erhöhte Anreicherung von Wasserstoffperoxid in der Haut von Patienten mit Vitiligo als gesichert gilt, könnte demnach die topische Applikation von Inhaltstoffen aus Zuckermelone (z. B. in Vitix® und Vitises®) Heilung versprechen. In einer schon vor mehr als 5 Jahren publizierten Untersuchung (1) konnte mittels physikalischer Methoden (FT-Raman-Spektroskopie) allerdings keine Pseudokatalase-Aktivität in dem kommerziell erhältlichen Produkt Vitix® festgestellt werden. Die gleiche Autorengruppe hat nun retrospektiv 53 Patienten mit Vitiligo vulgaris ausgewertet, die das Produkt Vitix® für 1-24 Monate 1-2 mal pro Tag aufgetragen hatten (2). Der überwiegende Teil dieser Patienten applizierte Vitix® als Monotherapie, 9 Patienten nahmen es in Verbindung mit einer UVB-311-Bestrahlung. Keiner der Patienten, die Vitix® als Monotherapie auftrugen, zeigte eine validierbare Repigmentierung. Bei 3 von 9 Patienten, die Vitix® mit UVB-311-Phototherapie kombinierten, kam es zwar subjektiv zu Verbesserungen, die sich jedoch durch eine unabhängige klinische bzw. Wood-Licht-Untersuchung nicht validieren ließen. Fazit: Obwohl es sich bei der obigen Untersuchung um eine relativ kleine retrospektive Analyse mit großer Variabilität handelt, ist das klinische Ansprechen auf Vitix® enttäuschend und deshalb eine Wirkung nicht belegbar. Es sollte grundsätzlich Vorsicht geboten sein mit pflanzlichen Produkten, deren Wirkung nicht einmal in kleineren Studien validierbar ist.

Repigmentierung nach glutenfreier Diät bei Vitiligo und Zöliakie
Der Zusammenhang von bestimmten Autoimmunerkrankungen und Vitiligo gilt heute als erwiesen. Eine bekannte Autoimmunerkrankung stellt auch die einheimische Sprue (Zöliakie, glutensensitive Enteropathie) dar, bei der es klinisch zu Blähungen und Durchfällen kommt. Ursache dieser Erkrankung ist die Bildung von spezifischen Antikörpern gegen Transglutaminase, die auch mit Klebereiweißen (Gluten, Gliadin) bestimmter Getreidesorten kreuzreagieren. Die Zöliakie ist zudem nicht selten assoziiert mit einer weiteren Hauterkrankung, dem M. Duhring. Ein wichtiger Behandlungsbaustein bei der Zöliakie ist eine glutenfreie Diät, die bei konsequenter Einhaltung oft alleine die Beschwerdesymptomatik der Betroffenen deutlich bessert. In einer interessanten Kasuistik berichteten kürzlich Rodriguez-Garcia et al. (3) über ein 9-jähriges Kind mit Vitiligo vulgaris seit 3 Jahren. Verschiedene Vortherapien (Photochemotherapie mit 8-Methoxypsoralen, lokale Steroide, Tacrolimus und Piemecrolimus) hatten keinen Effekt auf den Ausbreitungsgrad der Vitiligo. Nachdem wegen neu aufgetretener gastrointestinaler Beschwerden des Mädchens eine Zöliakie diagnostiziert wurde, folgte die Einleitung einer glutenfreien Diät. Nach einem Jahr kam es zu einer progressiven Repigmentierung der Haut, welche bis zum 3. Jahr nach der Diäteinleitung anhält. Fazit: Diese Beobachtung unterstreicht den Zusammenhang von Vitiligo mit Autoimmunphänomenen. Allerdings ist eine glutenfreie Diät bei Patienten mit Vitiligo nur bei gesicherter Zöliakie sinnvoll.

Interleukin-17 – ein weiterer Autoimmun-Botenstoff bei der Vitiligo
Zytokine, d. h. Peptid-Botenstoffe, die v. a. von Zellen des Immunsystems (z. B. Lymphozyten) gebildet werden, spielen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von entzündlichen Erkrankungen der Haut sowie bei zahlreichen Autoimmunerkrankungen. Bei einer Reihe von entzündlichen Erkrankung der Haut, z. B. Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) gibt es hier bereits vielversprechende Therapieansätze und sogar schon zugelassene Medikamente in der Routineversorgung, die solche Zytokine mit krankheitsauslösender Wirkung zu neutralisieren vermögen. Ein prominentes Beispiel ist hier die Antikörper-Therapie gegen das Zytokin Tumor-Nekrose-Faktor-alpha bei der Schuppenflechte. Analoge Ansätze haben bei der Vitiligo bislang allerdings noch nicht zum Erfolg geführt, vermutlich auch deshalb, da Unterdrückung von Entzündung und Induktion von Pigmentierung unterschiedliche Wirkmechanismen darstellen. In einer rezenten Arbeit (4) wurde ein Schlüsselzytokin der Entstehung von Autoimmunerkrankungen, Interleukin-17 (IL-17), im Serum sowie in der läsionalen Haut von 30 Patienten mit Vitiligo vulgaris untersucht. Gegenüber gesunden Kontrollpersonen fanden sich signifikant erhöhte Mengen von IL-17 im Blut. Die Gewebespiegel von IL-17 korrelierten dabei mit den Serumspiegeln der Patienten. Es fand sich eine signifikante positive Korrelation zwischen Erkrankungsdauer und Blut- und Gewebespiegel des Zytokins, ebenso zwischen dem Serumspiegel und dem Ausprägungsgrad der Vitiligo. Auch bestand ein signifikanter Unterschied im Blut- und Gewebespiegel zwischen Vitiligopatienten mit assoziierten Autoimmunerkrankungen und denen ohne solche Komorbiditäten. Fazit: Erhöhte Interleukin-17-Spiegel bei Patienten mit Vitiligo vulgaris unterstreichen die Autoimmunpathogenese dieser Krankheitsunterform von Vitiligo. Interleukin-17 könnte zudem ein Aktivitätsmarker bei Vitiligo vulgaris darstellen, der jedoch stets im Kontext mit noch anderen gleichzeitig bestehenden Autoimmunerkrankungen gesehen werden muss.

Prof. Dr. med. Markus Böhm
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie
Universitätsklinikum Münster


Literatur
1. Schallreuter KU, Rokos H. Vitix® - a new treatment for vitiligo? Int J Dermatol 2005;
44: 969-70.
2. Schallreuter KU, Panske A, Chiuchiarelli G. Ineffective topical treatment of vitiligo
with Cucumis melo extracts. Int J Dermatol 2011; 50: 374-5.
3. Rodríguez-García C, González-Hernández S, Pérez-Robayna N, Guimerá F, Fagundo
E, Sánchez R. Repigmentation of vitiligo lesions in a child with celiac disease after a
gluten-free diet. Pediatr Dermatol 2011; 28: 209-10.
4. Bassiouny DA, Shaker O. Role of interleukin-17 in the pathogenesis of vitiligo. Role of interleukin-17 in the pathogenesis of vitiligo. Clin Exp Dermatol 2011; 36: 292-7.

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