Umwelteinflüsse

16.12.2018

Fotolia  elcovalanaGanz gleich, ob unsere Haut gesund oder von einer chronischen Hauterkrankung wie Rosazea betroffen ist, wir alle sind mit unserer Haut tagtäglich unterschiedlichsten Umwelteinflüssen ausgesetzt. Doch welche Folgen kann das für unsere Haut haben? Wie können wir sie schützen? Und inwieweit brauchen wie unterschiedliche Produkte, sog. Anti-Pollution-Produkte, wenn wir uns in Lebensräumen wie in der Stadt, auf dem Land, am Fluss oder Meer oder in den Bergen aufhalten?

Unsere Luft zum Atmen

Dr. Stefan Goers (Regionalleiter Nord, TÜV NORD Umweltschutz GmbH & Co. KG) berichtete über Schadstoffe in der Außen- und Innenluft. Die natürliche Luft besteht näherungsweise zu 78 % aus Stickstoff, zu 21 % aus Sauerstoff, zu 0,03 % aus Kohlendioxid und zu 1 % aus Edelgasen. In der Regel wird diese Außenluft auch in die Innenräume transportiert. Verbrauchte Luft zeigt sich dort bei einer Messung durch den Anstieg des Kohlendioxidgehalts. Ähnliche Vorgänge laufen ab, wenn in Notfallsituationen ein Lebensretter mittels Mund-zu-Mund-Beatmung verbrauchte Luft in den zu reanimierenden Menschen hineinatmet.

Luftschadstoffe in Außenräumen und ihre Folgen

Zu Abweichung in der ursprünglichen chemischen Zusammensetzung der natürlichen Luft kommt es infolge von Luftverschmutzungen, die durch menschliches Wirken hervorgerufen werden können, was kurz- und langfristige negative Folgen mit sich bringt. Zu diesen Luftschadstoffen gehören Stickstoffoxide, Feinstaub, Ozon, Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid.
So ist die Belastung durch die Stickstoffoxide für die menschlichen Atemwege vor allem auf Verbrennungsprozesse zurückzuführen, die sich in den großen Städten durch den Autoverkehr ballen, und auch allgemein durch Feuerungsprozesse entstehen. Hier wird im Belastungsgrad deutlich, dass dieser vom ländlichen Hintergrund über den städtischen Hintergrund zu städtischen Zentren ansteigt, weshalb in Ballungszentren festgelegte Grenzwerte nicht überschritten werden sollen.
Unter Feinstaub sind Teilchen in der Luft zu verstehen, die nicht zu Boden sinken können und deshalb schweben. Als problematisch erweist sich hier, wenn Feinstaub durch die Atmung in die Lunge gerät. Hauptquellen für Feinstaub stellen industrielle Abgase dar, ebenso Abgase und Abrieb im Verkehr, staubende Umschlagsgüter, Gase aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung sowie aus Feuerungsanlagen in Wohnräumen. Auch hier zeigt sich, dass sich die Belastung durch Feinstaub in Städten als höher erweist als in ländlichen Regionen. Für Städte sind entsprechend Grenzwerte definiert.
Ozon stellt einen Luftschadstoff dar, der infolge photochemischer Prozesse unter starker Sonneneinstrahlung entsteht. Für den Menschen kann dieser zu Atemwegsproblemen oder Kopfweh führen. Auch hier existieren Grenzwerte.
Zwar wurden für Städte, Kreise und Kommunen Lufteinhaltungspläne entwickelt, jedoch beklagen Interessenverbände, dass Fristen und Grenzwerte immer wieder überschritten werden. Werfen wir dabei einen zeitlichen Blick zurück, so wird deutlich, dass die Wurzeln der Luftverschmutzung in der Industrialisierung im 19. Jahrhundert zu finden sind. Der erste Smogalarm wurde beispielsweise 1979 im Ruhrgebiet ausgerufen.

Luftschadstoffe in Innenräumen und ihre Folgen

Auch in Innenräumen, also Wohn- und Büroräumen, aber auch öffentlichen Gebäuden, Veranstaltungsräumen, Garagen, im Inneren von Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln kann es zu Luftverschmutzungen kommen. Diese können biologisch oder chemisch verursacht werden. Oftmals erweist sich hier die Belastung als höher als in Außenräumen, beispielsweise infolge unzureichender Lüftung oder durch die Freisetzung flüchtiger Verbindungen von Produkten. Durch zu hohe Feuchtigkeit kann es zu Schimmelbildung kommen, der Bodenbelag kann Formaldehyd enthalten, der Teppich kann mit bedenklichem Kleber fixiert sein, Holz- und Wandfarben können belastet sein, weitere Luftschadstoffe stellen Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und Asbest dar. In diesem Zusammenhang wird auch vom „sick-building-symptome“ gesprochen, d.h. dass belastete Räume Krankheitssymptome hervorrufen können. Auch eine verunreinigte Klimaanlage kann dazu beitragen. Entsprechend wurden Gefährdungsbeurteilungen entwickelt, um an Arbeitsplätzen Gefahren präventiv entgegenwirken zu können.
Deutlich wird an dieser Stelle, dass für Arbeitsräume Vorgaben existieren, während man in privaten Innenräumen für sich selbst sorgen muss.

Der Mensch und seine Haut im Fokus

Wenn es darum geht, die Folgen der Luftverschmutzung auf die Haut des Menschen zu verstehen, gilt es diese systemisch zu erfassen. Darüber berichtete Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann (Chefärztin der Ambulanz für Umweltmedizin am Klinikum Augsburg und Lehrstuhl am Institut für Umweltmedizin an der Technischen Universität und am Helmholtzzentrum München). Die Haut des Menschen stellt das größte, schwerste und funktionell vielseitigste Organ dar. Sie selbst verfügt über ein eigenes Immunsystem. In die Hautalterung und zu chronischen Entzündungen führen dabei vielfältige Wege. Umwelt-induzierte Effekte werden dabei durch Luftverschmutzung ausgelöst, aber eben auch durch Sonneneinstrahlung, Tabakkonsum, Schlafdefizite, Stress, problematische Temperaturen oder fehlerhafte Ernährung.
Unterschiedliche Studien zeigen (hier ESCAPE 2014) bestätigen, dass schädliche Partikel in der Atemluft entzündungsfördernd wirken. Ebenso konnte bestätigt werden (hier Chest 2016), dass Kinder im städtischen Lebensraum häufiger an Asthma erkrankten als Kinder, die im ländlichen Lebensraum aufwuchsen. Eine andere Studie verdeutlichte, dass das Aufwachsen nahe befahrener Straßen als Risikofaktor gilt, um Allergien zu entwickeln oder an Neurodermitis zu erkranken.
Die Effekte der Luftverschmutzung zeigen sich also deutlich. Auch die umweltbedingte Pigmentierung der Gesichtshaut ist neben der Faltenbildung als Ergebnis der Hautalterung zu verstehen.

Sich und seine Haut vor Luftschadstoffen zu schützen, erweist sich also als höchst sinnvoll, auch wenn die Entzündungsprozesse der Haut oftmals schwer zu messen sind. Studienergebnisse zeigen weiter, dass Umweltpartikel nach dem Tode auch im Gehirn nachzuweisen waren, wobei die Haut als Eintrittsorgan fungierte.
Der Lebensstil des Einzelnen hat großen Einfluss. So kann mit dem Rauchen in der Schwangerschaft das Allergierisiko des noch ungeborenen Kindes steigen. Die Umwelt kann auf diese Weise zu epigenetischen Veränderungen führen, weshalb man von der sog. genetischen Empfänglichkeit spricht. D.h. unsere Umwelt kann die Gene unserer eigenen Kinder verändern und somit Entzündungen der Haut und Barrierestörungen mitbeeinflussen.
Das Mikrobiom auf der Haut des Menschen dient als Schutzmantel, diese vielfältigen Mikroben besiedeln unsere Haut auf natürliche und gesunde Weise. Geht die Vielfältigkeit verloren, z.B. in Folge von Umwelteinwirkungen, lassen sich Zusammenhänge zu entzündlichen Hautprozessen feststellen. Denn diese Vielfältigkeit geht mit der menschlichen Gesundheit einher, auch so im menschlichen Darm.

Individuelles Haut-Bewusstsein

Wir alle – jeder von uns – ob hautgesund oder chronisch hautbelastet – stecken in unserer eigenen Haut und können nicht aus ihr. Doch dahinter verbirgt sich eine große Chance, die eigene Haut und ihre Bedürfnisse zu verstehen und entsprechend zu pflegen, Sorge zu tragen je nach Lebensumwelt (ob im Alltag oder im Urlaub) oder Jahreszeit und auf diese Weise mittels eines gesunden Lebensstils auf die eigene Gesundheit an sich Einfluss zu nehmen.


Zusammenfassung von von Dipl.-Psych. Sonja Dargatz über eine Veranstaltung
des „Sebamed Arbeitskreises Gesunde Haut“, der in Hamburg tagte.





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