Hautförderliche Gedanken

26.02.2018

Fotolia AntonioguillemStellen Sie sich vor, Sie sitzen im Wartezimmer Ihres Dermatologen und blättern in ausliegenden Zeitschriften, um sich die Wartezeit zu vertreiben. Neben Kochrezepten, Kreativideen und Horoskopen sehen Sie Modenstrecken und Beautytrends an schönen Menschen. Diese sehen jung, makellos und perfekt aus. Auch die Berichte über die Stars und Sternchen in den Magazinen zeigen Fotos von eben jenen, die ebenso perfekt und fast ewig jung aussehen. Als Hautbetroffener von Rosazea könnten Sie sich nun von diesen Berichten heruntergezogen fühlen; natürlich sollte man hinterfragen, inwieweit Bilder „gephotoshopt“, Stars geliftet oder nur die Schönsten der Schönsten als Models gecastet wurden… Doch was kann man als Hautbetroffener mehr „bei sich“ tun, um sich in der eigenen Haut wohl zu fühlen?

Hautförderliche Gedanken(muster)

In seinem Buch „Geheimnisse schöner Haut – Was Antiaging und Kosmetik leisten“ beschreibt Prof. Dr. Volker Steinkraus im letzten und abschließenden Kapitel neun „Maximen einer hautgesunden Lebensweise“. Innerhalb dieser einzelnen Maximen geht Steinkraus jeweils auf die „Seele“, die im Menschen ein wohliges Gefühl hinterlassen sollte, auf den „Körper“, der uns Leichtigkeit vermitteln sollte, und die „Haut“ ein, die wir uns straff wünschen. Schauen wir gemeinsam auf die seelischen Bausteine, die hautförderliche Gedanken(muster) aufbauen und stärken können:

Die Maximen im Einzelnen

In Maxime Eins legt uns Steinkraus folgende „Erkenntnis“ ans Herz: „Was wir wollen, darf nie größer sein als das, was wir bei realistischer Einschätzung auch wirklich schaffen können.“ Infolge fungiere die eigene Seele als „Hautschmeichler“. Für Betroffene, die an einer chronischen Hauterkrankung leiden, stellt diese Maxime eine wirkliche Herausforderung dar, denn sich damit abzufinden, es zu akzeptieren, es gar anzunehmen, dass die eigene Haut von einer chronischen Hauterkrankung im Leben mal mehr oder minder gekennzeichnet sein wird, fällt verständlicherweise alles andere als leicht. Wenn man als Hautbetroffener jedoch die eigenen Erwartungen an die Haut „herunterschraubt“, lässt auch der Druck nach, welchen die Erwartungen bisher ausgelöst haben. Der Blickwinkel verändert sich mit dem bewusst herbeigeführten Perspektivwechsel. Man fragt sich nicht mehr, warum und wann es der Haut nicht endlich besser geht, sondern kann hervorheben, dass es ihr nicht noch schlechter geht. Umso schöner erlebt man es, wenn eine Therapie Veränderungen an der Haut bewirken sollte.

Im Rahmen der Maxime Zwei geht Steinkraus auf das Zusammenspiel von Stress- und Erholungsphasen ein. Er schildert, dass der Mensch alltäglichen Stress als Herausforderung benötigt, ebenso die dazugehörigen Erholungsphasen, die auf die Stressphasen folgen sollten. Nur so könne Stress nicht „auf Dauer krank“ machen. Steinkraus betont, dass es entscheidend ist, dass jeder für sich individuell herausfinden sollte, was „allzu oft überanstrengt“, um ein seelisches Gleichgewicht aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Für Hautbetroffene stellt auch dies eine herausfordernde Maxime dar. Es bedeutet Aufwand, den eigenen Stressoren auf die Schliche zu kommen, es bedeutet oftmals noch mehr Aufwand, diese zu verändern, wenn man diese denn selbst beeinflussen kann. Und es bedeutet, Kraft aufzubringen, den unguten Gefühlen aktiv entgegenzutreten und diese abzubauen, welche Stressoren mit sich bringen, die man nicht selbst beeinflussen kann. Dennoch ist es ein hautförderlicher Weg.

Steinkraus geht in Maxime Drei darauf ein, wie bedeutsam es ist, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen. Hautbetroffene schildern immer wieder, wie sie sich zurückziehen, wenn sie besonders unter ihrer Haut leiden. Auf diese Weise können sie in die Einsamkeitsfalle tappen. Gleichsam entgehen sie damit der Ablenkung von ihrer eigenen Haut, die sie im Kreise von Freunden erleben könnten.

In folgenden Maxime Vier schildert Steinkraus weiter, dass sich unter unseren Freunden Menschen unterschiedlichen Alters „tummeln“ sollten. Er betont dabei die „Zuversicht der Jugend“ und die „Einsichten des Alters“. Vergleichen wir einmal eine Selbsthilfegruppe mit einem Freundeskreis. In einer Selbsthilfegruppe mit gleichaltrigen Hautbetroffenen fühlen sich die meisten verstanden, eben weil man die Sorgen und die Nöte des anderen gut nachvollziehen kann und zumeist vor ähnlichen Herausforderungen im Alltag steht. Dennoch kann es schwer fallen, ein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen. Hautbetroffene anderer Altersstufen stehen nicht als Gesprächspartner zur Verfügung, von denen man möglicherweise ganz andere Lösungen erfahren könnte. So verhält es sich auch im empfohlenen Freundeskreis, Menschen unterschiedlichen Alters lernen und profitieren voneinander, eben weil unterschiedliche Ressourcen und Strategien „zusammen kommen“ können.

Im Weiteren geht Steinkraus in Maxime Fünf darauf ein, dass zum Leben des Menschen Freud und Leid gehören. Für das Seelenwohl empfiehlt er deshalb „ausreichend Schlaf“ und alltägliche Ruhezeiten, in denen der Mensch fernab der „Reizüberflutung“ zur Ruhe kommen und Kraft tanken kann. Auch dies stellt eine wirkliche Herausforderung dar, denn der Schlaf erweist sich bei Hautbetroffenen oftmals dann als unruhig, wenn die Haut gerade besonders belastet. Hier können ganz unterschiedliche Dinge helfen, z. B. die konsequente Anwendung von Strategien der Schlafhygiene. Und auch das Abschalten, das Nichtstun und Ruhen will gelernt sein; denn erst mit der Zeit kehrt mehr innere Ruhe ein. Würde man die Seele mit einem Muskel vergleichen, so müsste auch diese trainiert werden, Ruhephasen genießen zu können. Aber dann irgendwann ruht der Mensch gern in sich und verlangt auch danach, wenn die Ruhe vernachlässigt wird.

In Maxime Sechs bezieht sich Steinkraus auf die Natur in der Umgebung des Menschen. Er erläutert, dass es Menschen nicht bewusst sein könnte, dass gerade die Natur ihnen fehle. Und gerade das Verweilen in der Natur bezeichnet er als „die einfachste Form der Seelenmassage“. Schauen wir einmal auf den Menschen, der in einer kleineren oder größeren Stadt lebt und arbeitet. Wie oft schafft er es in der Woche, eine grüne Oase in seiner Nähe aufzusuchen? Wie oft erlebt er das tiefe Durchatmen in Wald- oder Parkluft? Erinnert er sich, wie gut ihm dies bisher tat? Hautbetroffene, die auch an Allergien leiden, könnten beispielsweise bei einem Ausflug ans Meer an einem Wochenende oder im Rahmen eines Urlaubs für ihr eigenes Durchatmen sorgen; und auch wenn es seltener vorkäme, könnte es seine Wirkung zeigen und der Betroffene noch länger zurück im Alltag davon zehren.

Im Rahmen der vorletzten Maxime kommt Steinkraus auf die seelische „Nahrung“ zu sprechen, die sich aus „Musik, Kunst, Literatur“ speist. Hier kann der Mensch erleben, sich in etwas Schönem, das er hört, sieht oder liest, zu „vertiefen“. So werden zeitvergessene Momente erst möglich, aus denen der Mensch Kraft schöpfen kann. Steinkraus beschreibt es als „Training für die Empfindsamkeit der Seele“.

Die letzte Maxime handelt vom für den Menschen unerlässlichen „Lachen“. Es kann als „Ventil“ fungieren, „Ärger loszuwerden“, und das eben auch gerade dann, „wenn man lernt, auch über die eigenen Fehler zu lachen“. Hier betont Steinkraus, wie wichtig es ist, optimistisch zu sein, um Freude im Leben verspüren zu können: „Es heißt, wer optimistisch sei, freue sich im Dunkeln auch über das magere Licht einer einzelnen Kerze; der Pessimist blase sie aus.“

Wege aus der Hilflosigkeit

Was Steinkraus mithilfe seiner Maximen einer hautgesunden Lebensweise beschreibt, sind gleichsam Strategien eines Hautbetroffenen aus der Hilflosigkeit im Umgang mit seiner Hauterkrankung heraus. Der Betroffene kann auf sich und sein Leben fokussieren und lernen, mehr auf sein Leben Einfluss zu nehmen, wenn er schon die Haut an sich nicht so beeinflussen kann, wie er möchte. Der Hautbetroffene ist eben mehr als nur seine Haut, er besteht aus Körper, Seele und Geist; und wenn der Körper, hier die Haut, nicht so zu beeinflussen ist wie völlig nachvollziehbar gewünscht, dann kann man doch Seele und Geist beeinflussen lernen und hautförderliche Gedanken und Aktivitäten pflegen. Und gerade das beeinflusst das körperliche Wohlempfinden, auch wenn eine chronische Hauterkrankung vorliegt.

Dipl.-Psych. Sonja Dargatz





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