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„Praxisgespräch“ Rosazea

25.11.2021

dermatologikum.de

Im Rahmen der Interviewreihe „Praxisgespräche" wird fortlaufend das Gespräch zwischen der Deutschen Rosazea Hilfe e.V. und Dermatologinnen und Dermatologen aus Klinik und Praxis sowie Fachkräften anderer Fachgebiete gesucht, um Rosazea-Betroffene grundlegend über ihr berufliches Umfeld, ihr Rosazea-Verständnis, ihre Behandlungsschwerpunkte etc. zu informieren. Ferner wird in dieser Interviewreihe darauf Wert gelegt, dass Fachbegriffe erläutert werden, um auf diese Weise Mitglieder der Selbsthilfeorganisation zu aktiven, selbstfürsorglichen Gesundheitsmanagern und -managerinnen zu machen.

Dr. med. Michaela Schmidt-Lauber, Dermatologin im Dermatologikum Hamburg, im Interview mit Dipl.- Psychologin Sonja Dargatz

Sehr geehrte Frau Dr. Schmidt-Lauber, ich freue mich, Ihnen heute Fragen zu dermakosmetischen Behandlungsansätzen bei Rosazea stellen zu können.
Dr. med. Michaela Schmidt-Lauber: Hallo, liebe Frau Dargatz! Ich freue mich, dass wir heute über dieses wichtige Thema sprechen können.

Sie arbeiten als Dermatologin im Dermatologikum Hamburg. Mit welchen Haut-Anliegen kommen Menschen zu Ihnen? Welche Rolle spielen dabei Hauterkrankungen wie Rosazea?
In der Praxis betreue ich ein breites Spektrum an Patienten mit verschiedenen Erkrankungen. Häufig wenden sich Patienten mit chronischen Hauterkrankungen an mich, die bereits eine längere Krankheitsgeschichte miterlebt und noch nicht die für sie passende Therapie erhalten haben. Dies trifft auch auf Patienten mit Rosazea zu, insbesondere wenn die Erkrankung nicht in ihrer klassischen Ausprägung auftritt oder zusätzlich eine weitere Dermatose (Hauterkrankung) vorliegt. Zudem sind Patienten durch die Fülle des Angebotes oft überfordert, die richtige Pflege für Ihre Erkrankung zu finden. Hauptanliegen sind somit die Diagnosesicherung der Erkrankung und Beratung hinsichtlich möglicher Therapien.

Dr. med. Michaela Schmidt-Lauber, Dermatologikum Hamburg

Wie kam es in Ihrem beruflichen Werdegang dazu, dass Sie sich gerade auf die dermakosmetische Behandlungen und deren potentielle Wirkung auf die Gesundheit der Haut spezialisiert haben?
Jede Haut, insbesondere erkrankte Haut, benötigt ihre spezielle Pflege. Oft kommt es durch falsche Pflege zu einer unzureichenden Abheilung oder sogar Verschlechterung einer Hauterkrankung. Daher ist es im Praxisalltag sehr wichtig, neben der Erläuterung der Erkrankung und Aufklärung über die Therapieoptionen die begleitende Basispflege zu besprechen. Insbesondere bei chronischen Erkrankungen sollte diese häufig auch nach Absetzen anderweitiger Therapien als Präventionsmaßnahme weiter fortgesetzt werden.

Mit welchen dermalen Herausforderungen haben Menschen zu tun, die an Rosazea leiden und bei Ihnen Rat suchen?
Die Haut von Betroffenen ist sehr anspruchsvoll und lässt sich im Alltag schnell irritieren. Besonders Hitze und UV-Licht stellen Triggerfaktoren dar. Zudem können der Genuss von Alkohol und scharfen Speisen sowie sportliche Betätigung zu einer Hautverschlechterung führen. Im Rahmen der Pandemie kommt hinzu, dass der in dieser Zeit so wichtige Mund-Nasen-Schutz zu einer Okklusion der darunter liegenden Hautpartie führen und Schübe oder eine verlängerte Abheilung und Therapiedauer verursachen kann. Hauptanliegen in der Sprechstunde sind dann Gesichtsröte, Schwellung und Gefäßerweiterungen (Teleangiektasien). Zudem treten oft Missempfindungen wie Brennen und Juckreiz auf. Bei der selteneren Augenbeteiligung kann es zu Lidrandentzündung, Schwellung oder geröteten und brennenden Augen kommen.

Welche Unterschiede treten dabei bei betroffenen Männern und Frauen auf?
Bei Männern stellt die Bartpflege und Rasur einen zusätzlichen Triggerfaktor dar, der die Rosazea-Haut irritieren kann. Zudem leiden fast nur Männer an der seltenen Form des Rhinophyms, eine Formveränderung der Nase aufgrund von starkem Wachstum der Talgdrüsen (Talgdrüsenhyperplasie). Diese kann sehr ausgeprägt in Erscheinung treten und somit stark belasten. Bei Frauen kann die Verwendung von Make-up ebenfalls Probleme verursachen, wenn dieses auf Öl basiert und durch die Okklusion der Talgdrüsen eine Verschlechterung hervorruft.

Schönheitsansprüche an sich selbst treten immer mehr zutage, seitdem die sozialen Medien die digitale Welt erobert haben. Welche Einstellung vermitteln Sie Betroffenen, die diesen Idealen gleich kommen wollen und bei Ihnen Behandlungen anstreben?
Leider unterliegen besonders junge Menschen einem starken Einfluss dieser Medien. Wichtig ist, sich klarzumachen, dass diese vermittelten Ideale nichts mit der Realität zu tun haben und daher nicht erstrebenswert sein können. Andererseits möchten wir dennoch unseren Patienten helfen, Ihr Erscheinungsbild zu verbessern, da gerade bei der Rosazea sehr gute kosmetische und therapeutische Methoden bestehen und somit sehr gute Ergebnisse für die Patienten erzielt werden können.

Welche dermakosmetischen Behandlungen wenden Sie bei Rosazea Betroffenen im Gesicht an und warum?
Da bei der Rosazea eine Barrierestörung und Entzündung der Haut sowie eine Hyperreagibilität der Gefäße vorliegen, sollte die Behandlung genau hier ansetzen. Hierzu verwenden wir eine Wirkstoff-Impuls-Maske mit antientzündlicher Wirkung und kombinieren diese mit einer Bindegewebsmassage zum Gefäßtraining. Alternativ kann je nach Hautzustand eine Ultraschall-Behandlung oder eine manuelle Lymphdrainage zur Reduktion der Schwellungen erfolgen. Weitere Therapiemöglichkeiten umfassen eine abgewandelte Lichttherapie (Kleresca Behandlung), bei der ein Foto-konvertierendes Gel auf die Haut aufgetragen und für wenige Minuten mit einem speziellen Licht bestrahlt wird. Dieser Vorgang regt die hauteigenen Reparaturmechanismen an, unterstützt die Hautbarriere und hat eine antientzündliche Wirkung.

Welche dermakosmetischen Behandlungen würden Sie Rosazea Betroffenen nicht empfehlen?
Alle Behandlungen, die Wärme auf und in die Haut bringen, sollten gemieden werden. Dazu zählen z.B. klassische Massagen, Thermomasken und Dampfbäder. Hierdurch kommt es zu einem Gefäßstau und somit zu verstärkten Rötungen. Generell sollte man auch auf intensive mechanische Peelings verzichten, wie z.B. die Mikrodermabrasion. Besser geeignet sind sanfte Methoden wie ein Enzympeeling. Dabei werden die abgestorbenen Hautzellen mittels eiweißspaltender Enzyme gelöst, ohne die Haut zu reizen. Ein intensives Peeling, welches sehr schonend ist, ist die Hydroporation. Hier wird mittels steriler Kochsalzlösung sanft gepeelt und die Haut tiefengereinigt. Bei reizenden Behandlungen mit Fruchtsäuren muss mit großem Fingerspitzengefühl gearbeitet werden. Hier bieten Polyhydroxysäuren durch ihr langsameres und schonenderes Eindringen in die Haut einen Vorteil gegenüber Alphahydroxysäuren, welche gemieden werden sollten.

Welche Pflegerituale empfehlen Sie den Rosazea Betroffenen?
Die Haut von Rosazea-Betroffenen ist sehr empfindlich und lässt sich schnell irritieren. Somit wird nicht jede Kosmetik vertragen und kann unter Umständen zu Trockenheit, Schuppung und einer Befundverschlechterung führen. Eine ölfreie leichte Textur mit einem LSF am Morgen ist zu empfehlen. Die Reinigung der Haut sollte mit einem nicht austrocknenden seifenfreien Syndet erfolgen, bestenfalls mit einem leicht sauren pH-Wert (4.0 bis 6.5), der dem unserer Haut ähnelt. Oft reicht es, das Gesicht hiermit nur einmal am Tag (abends) zu reinigen, wobei das Wasser lauwarm und nicht warm/heiß sein sollte. Eventuell kann eine Mizellenlösung zur Gesichtsreinigung ergänzt werden. Die Anwendung von ölfreiem Make-up oder Puder ist ebenfalls möglich, wobei sich Produkte mit grünen Pigmenten zum Kaschieren der Rötungen besonders eignen.

Und welche No Gos in der Hautpflege geben Sie Rosazea Betroffenen mit auf den Weg?
Es sollten keine Pflegeprodukte auf Alkoholbasis verwendet werden, da sie die Haut reizen. Auf Reinigungsbürsten sollte aufgrund des mechanischen Reizes ebenfalls verzichtet werden. Auch Duft- und Konservierungsstoffe können eine empfindliche Rosazea-Haut reizen, müssen aber nicht zwangsläufig ein No Go sein. Es gibt mittlerweile Inhaltsstoffe mit sehr guter Verträglichkeit (hypoallergen), hier heißt es ausprobieren. Zu fettige Produkte oder Produkte auf Ölbasis sollten gemieden werden, da sie durch einen Okklusionseffekt der Talgdrüsen und einen Wärmestau zu Hautverschlechterungen führen können.

Welche Möglichkeiten bietet Permanent Make-up Rosazea Betroffenen?
Da man Rötungen und große hervortretende Talgdrüsen (hypertrophe Talgdrüsen) nicht durch Permanent Make-up wegretuschieren kann, eignet sich Permanent Make-up nicht für Rosazea Patienten. Zudem könnte die Anwendung auch aufgrund der starken Reizung durch das Einbringen von Farbpigmenten in die Haut zu Reizungen und einer Verschlechterung des Hautbefundes führen.

Frau Dr. Schmidt-Lauber, wir danken Ihnen für dieses Interview und für Ihre Zeit, die Sie sich genommen haben, um den Mitgliedern der DRH diese interessanten Informationen und Zusammenhänge zu erläutern.





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