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06.10.2008

Allergiegerechte Wohnräume

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Wenn zwar das Bett saniert ist, aber im Raum noch optimale Lebensbedingungen für Milben herrschen, dann kommt es, wie bereits erwähnt, zu einer schnellen erneuten Kontamination des sanierten Bettes. Um dies zu verhindern, sollte, wenn möglich, auch der Schlafraum umgestaltet werden.
Wichtig ist es, die Luftfeuchtigkeit des Raums gering zu halten, denn kontinuierlich trockene Luft stört Milben empfindlich.
Wenn der Schlafraum so wenig Möbel wie möglich und zusätzlich wenige „Staubfänger“ enthält, kann das tägliche Staubwischen erleichtert werden. Außerdem wird der Lebensraum der Milben eingeengt.

Ventilatoren haben keinen Effekt. Sie reduzieren die Luftfeuchtigkeit nicht ausreichend, um Milben und Milbenallergene zu reduzieren.
Ein weiteres wichtiges Milbenreservoir sind Teppichböden. Es konnte eindeutig in Untersuchungen gezeigt werden, dass Teppichböden eine höhere Allergenmenge aufweisen als wischbare Böden. Diese müssen dann allerdings auch regelmäßig abgesaugt und gewischt werden, da sonst von glatten Böden erhebliche Mengen an Staub aufgewirbelt werden können. Milben können sich in den Teppichfasern sehr gut fixieren und lassen sich durch Staubsaugen nicht in ausreichendem Maße und dauerhaft entfernen.
Daran können auch synthetische Teppichfasern, Hightech-Staubsauger, Dampfstrahlreiniger und akarizide Zusätze nichts ändern, da sie meist nur kurzfristige Effekte erzielen. Nur wenn die Entfernung von Teppichböden überhaupt nicht zumutbar erscheint, sollte über solche Alternativen nachgedacht werden (s.u.).

Welche wischbaren Materialien für den Fußbodenbelag verwendet werden, hängt vom Geschmack und auch den finanziellen Möglichkeiten ab. Fliesen sind in der Pflege und Haltbarkeit am günstigsten. Es können aber auch Parkett, Laminat, versiegelter Kork oder Kunststoffbodenbeläge verwendet werden. Je nach Qualität, Herkunft und Preis haben diese Bodenbeläge ihre Vor- und Nachteile, insbesondere was die Haltbarkeit und mögliche Schadstofffreisetzung der Beläge selbst oder der verwendeten Kleber betrifft.
Möchte man auf diesen Böden nicht auf Teppiche verzichten, sollten zumindest kleine, leicht waschbare Teppiche gewählt werden.
Herkömmliche Staubsauger geben die angesaugte Luft über einen Filter direkt wieder ab. Je nach Qualität der Filter gelangen auf diese Weise kleine Staubpartikel, die Allergene enthalten, wieder in die Raumluft.
Gute Filter sollen eine Filterleistung von mindestens 99,97% aufweisen und ein Staubrückhaltevermögen von mehr als 0,05 mg/m3 haben. Diese Werte werden von den Staubsaugern trotz der Filter im normalen Haushaltsbetrieb nicht erreicht.

Die beste Lösung, um das Verteilen von Staub und Allergenen in die Luft zu vermeiden, sind Staubsauger, bei denen außerhalb der Wohnung der Unterdruck erzeugt und die Abluft nach draußen geleitet wird. Über ein Rohrsystem in den Wänden kann in den verschiedenen Räumen ein Schlauch mit Saugrohr angeschlossen werden. Dieses System kann nachträglich in Wohnungen eingebaut werden. Die Maßnahme ist aber teuer. Die Berücksichtigung einer entsprechenden Anlage wäre bei der Planung eines Neubaus allerdings sinnvoll und günstig.
Die relevante Saugleistung der Staubsauger stellt nicht die Nennleistung der Geräte, die meist wesentlich höher liegt, dar, sondern die Luftleistung. Sie besagt, mit welcher Leistung Staub und Fremdstoffe vom Boden abgesaugt werden. Die maximale Luftleistung liegt bei Qualitätsstaubsaugern zwischen 140 und 300 Watt.

Für den Erhalt einer optimalen Saugleistung ist es wichtig, den Staubsaugerbeutel häufig zu wechseln (25). Es werden nun spezielle Saugsysteme angeboten, die keinen Festfilter haben. Ihr Funktionsprinzip ist, dass die angesaugte Luft mit einer Zentrifuge durch ein Wasserbad geleitet wird. Die ausgeblasene Luft soll dadurch von Staubpartikeln gereinigt und gleichzeitig auch von chemischen Stoffen befreit werden; zusätzlich wird sie dabei angefeuchtet. Die Preise für das Gerät und Zubehör belaufen sich auf über 1500 €.
Wenn angesaugte Luft durch Wasser geleitet wird, dann kann das zu einer Reduktion von Partikeln und auch von chemischen Substanzen führen. Ehrnsberger (25) berichtet von Untersuchungen zu entsprechenden Saugsystemen: Auch bei diesen Saugern werden noch Teilchen in einer Größe von 0,7–15 ?m emittiert; größere Partikel wie Pollenkörner, Pilz sporen und Hausstaubmilben können zurückgehalten werden, ebenso Formaldehyd und andere wasserlösliche oder sehr reaktive chemische Substanzen. Inwieweit durch solche Staubsauger allerdings die Allergenbelastung von Wohnungen wirklich reduziert werden kann, ist nach den vorliegenden Ergebnissen nicht eindeutig abzuschätzen und fraglich, da Hausstaubmilbenallergene an Teilchen zwischen 2 und 10 ?m binden und somit nicht genügend entfernt werden. Ein Vergleich von drei Saugsystemen zur Reduktion von Milbenallergenen aus Matratzen (herkömmlicher Sauger, Staubsauger mit Wasserfalle und zentrale Sauganlage) ergab keine Leistungsunterschiede.

Dass von den Firmen zusätzlich zum Gerät akarizide Präparate vertrieben und empfohlen werden, läßt darauf schließen, dass nur in dieser Kombination eine ausreichende Allergenreduktion erreicht werden kann. Unklar bleibt auch, inwieweit die regelmäßige Anwendung des Gerätes und insbesondere die Anwendung als Feuchtreiniger oder Luftreinigungsgerät über eine längere Zeit zu einer Erhöhung der Luftfeuchtigkeit führt und so möglicherweise die Wachstumsbedingungen für Milben und Schimmelpilze noch verbessern kann. Außerdem besteht wegen des stehenden Wasserreservoirs die Gefahr der Schimmelpilzbesiedlung des Gerätes selbst.
Eine etwas bessere milbenabtötende Wirkung scheinen Dampfstrahlreiniger zu besitzen (19), möglicherweise durch die zusätzliche Hitzewirkung. Untersuchungen an Teppichstücken, die nur feucht gereinigt wurden, zeigten allerdings nach drei Monaten wieder eine so starke Besiedlung wie vor der Reinigung. Waschen von Teppichen bei niedrige Temperaturen erfordert akarizide Zusätze, um eine ausreichende Milbenreduktion zu erreichen.
In einer aktuellen Untersuchung der Effektivität von Luftreinigungsgeräten von van der Heide et al. (35) konnte gezeigt werden, dass Luftreinigungsgeräte trotz ihrer gesicherten Fähigkeit, Staubpartikel und Allergene abzufangen, an der Symptomatik der Patienten nur minimal, wenn überhaupt, etwas ändern. Obwohl deren Vermeidung zu den allgemein akzeptierten Hausstaubsanierungsmaßnahmen gehört, hatte ein Drittel der untersuchten Patienten noch Tiere in der Wohnung. In einem Drittel der Wohnungen wurde noch geraucht, circa zwei Drittel hatten noch Teppichböden – auch in den Schlafzimmern.
Führt der Einsatz von Luftfiltergeräten dazu, dass die Patienten auf weitergehende Allergenreduktionsmaßnahmen in den Wohnungen verzichten, wird dies mit einer unveränderten oder sogar verschlechterten bronchialen Hyperreagibilität und Asthma- symptomatik erkauft.

Nur das Zusammenwirken umfassender Sanierungsmaßnahmen führt zu einer klinischen Besserung; zu diesem Schluss kommen auch die Autoren. Der Einsatz von Luftfiltergeräten gehört sicher nicht zu den entscheidenden und ersten Schritten einer Hausstaubsanierung. Benzylbenzoathaltige akarizide Präparate haben eine milbenabtötende Wirkung. Durch die Anwendung dieser Produkte in Kombination mit den damit verbundenen Reinigungsmaßnahmen ist eine Reduktion der Allergenmenge zu erreichen. Widersprüchlich sind Studien zur Wirksamkeit in der praktischen Anwendung im Vergleich zu Plazebo. Für Matratzen ist die Wirksamkeit nicht belegt, so dass die Hersteller vor der Anwendung der Akarizide zu einer neuen Matratze raten. Benzylbenzoat war nicht wirksamer als Plazebo.
Benzylbenzoat hat bei sachgemäßer Anwendung keine akut toxischen Wirkungen auf den Menschen. Es sind haut- und schleimhautreizende Wirkungen des Benzylbenzoats bekannt. In den Konzentrationen, in denen es als Akarizid verwendet wird, ist diese Reizwirkung aber deutlich geringer als in der Anwendung als Antiscabioid oder des reinen Stoffs (3–5% gegenüber 10–25% oder 100 %) (33, 51, 56). Kontaktallergische Reaktionen sind aus der Literatur bekannt, wenn auch sehr selten. Im Informationsverbund dermatologischer Kliniken (IVDK) wurden zwischen 1993 und 1995 bei einer Gesamtfallzahl von 28.572 lediglich sechs Patienten auf Benzylbenzoat getestet, mit negativem Ergebnis (mündliche Mitteilung Dr. A. Schnuch, IVDK, 1996). Ein Sensibilisierungsrisiko ist somit als gering anzusehen.
Da die Anwendung für Haushalte von Hausstaubmilbenallergikern vorgesehen ist, ist eine Gruppe von besonders disponierten, empfindlichen Personen betroffen.

Das Risiko der bronchialen Reizung oder einer Hautreizung nach Exposition auf ekzematöser Haut ist größer.
Unter diesem Aspekt sind die Empfehlungen der Hersteller zu sehen, die die Anwendung durch die allergischen Personen nicht empfehlen und zum Tragen von Handschuhen beim Auftragen bzw. zum anschließenden Waschen der Hände raten. Allerdings ist ein Fallbericht, bei dem nach Verwendung von benzylbenzoathaltigem Teppichreinigungspulver stark unangenehmer Geruch aufgetreten ist und auch Asthmasymptome bei einem Patienten ausgelöst wurden (98), ein Einzelfall; auch konnten die ursächlichen Zusammenhänge nicht eindeutig geklärt werden. Somit ist von einer sehr guten Verträglichkeit auszugehen, auch nach Anwendung durch empfindliche Personen.
In der Bewertung der auf dem Markt befindlichen benzylbenzoathaltigen akariziden Substanzen müssen die weiteren Inhaltsstoffe der Präparate ebenfalls berücksichtigt werden. Im Falle der Tanninsäure ist eine Reizwirkung an nicht intakter Haut auch in Anwendungskonzentrationen vorhanden.

Wenn die Entfernung von Teppichböden nicht möglich ist, könnte die Anwendung von Akariziden eine Alternative darstellen. Die Präparate haben allerdings nur eine begrenzte Wirkung, es wandern neue Milbenpopulationen ein, von einer 2 bis 4maligen Anwendung pro Jahr ist deshalb auszugehen.
Luftbefeuchtergeräte können sinnvoll sein, wenn die Luftfeuchtigkeit in einem Raum tatsächlich längerfristig 30 % oder weniger beträgt. In der Heizperiode könnte dies der Fall sein (88). In unseren Breiten ist es ansonsten eher schwierig, die Luftfeuchtigkeit in den Wohnungen gering genug zu halten, damit dem Wachstum von Schimmelpilzen und Hausstaubmilben kein Vorschub geleistet wird.
Durch das stehende Wasser in den Befeuchtern besteht zusätzlich das Risiko einer Schimmelpilzbesiedlung und einer Verteilung der Sporen bei der Feuchtigkeitsabgabe.
Dies ist, wenn überhaupt, nur bei ganz regelmäßiger Reinigung zu vermeiden.

Für Ekzematiker, die unter trockener Luft stärker als Asthmatiker leiden und mit einer Exazerbation ihres atopischen Ekzems reagieren könnten, sollte versucht werden, die Luftfeuchtigkeit im Bereich von 45–55% zu halten (69). Eine generelle Empfehlung von Luftbefeuchtern ergibt sich daraus allerdings nicht. Zuvor wäre zu prüfen, ob nicht gezieltes Lüften als Stosslüften zu ausreichenden Feuchtigkeitswerten führt.
Auch wenn Rauchen keinen direkten Einfluß auf die Hausstaubmilbenallergenmenge hat, führt es in Wohnungen zu einer sehr hohen Schadstoffbelastung, schädigt die Atemwege und kann bei Passivrauchexponierten Sensibilisierungen Vorschub leisten; deshalb sollte in der Wohnung und insbesondere in den Schlafräumen nicht geraucht werden.

3. Wohnung

Muss bei hochgradiger allergischer Symptomatik auch eine Sanierung der gesamten Wohnung in Betracht gezogen werden, dann wäre eine Ausweitung der für den Schlafraum ausgesprochenen Empfehlungen auf die Wohnung sinnvoll.
Die Sitzmöbel in den Wohnräumen sollten abwischbar, die Polstermöbel am besten mit Leder oder entsprechend abwischbaren Bezügen versehen sein.
Neben den genannten Maßnahmen rückt die Bedeutung der verwendeten Heizungsart, Tapete und der weiteren Möbel in den Hintergrund. Wenn auch dies berücksichtigt werden soll und kann, wäre die Verwendung von Strahlungsheizungen, wie sie Fußbodenheizungen, Wand- und Fußleistenheizungen darstellen, empfehlenswert. Bei den Fußbodenheizungen kann es allerdings auch durch die manchmal notwendige Aufheizung der Fußbodenoberfläche auf über 23 °C zu stärkeren Luft- und damit auch Allergenaufwirbelungen kommen. Nachtspeicheröfen sollten nicht eingesetzt werden, da sie mit ihrem Gebläse ebenfalls große Allergenmengen aufwirbeln und verteilen konnen.
Bei Tapeten ist die Verwendung von glatten, strukturlosen Papiertapeten sinnvoll.
Beim Kauf neuer Möbel sollte auf die Formaldehydemissionsklassen geachtet werden (E1). Daneben sollte beim Kauf von neuen Massivholzmöbeln bedacht werden, dass Kiefern- und Fichtenholzmöbel starke Emissionen von Terpenen aufweisen können, die bei sehr Empfindlichen zu Reizungen der Schleimhäute führen können.

Stellungnahme der Dokumentations- und Informationsstelle für Allergiefragen im Kindes- und Jugendalter (DISA). S. Schmidt; Schriftleitung der DISA in Zusammenarbeit und Abstimmung mit Experten aus dem wissenschaftlichen Forum der DISA: C.P. Bauer, Gaißach; K.-Ch. Bergmann, Bad Lippspringe; J. Forster, Freiburg; Th. Lob-Corzilius, Osnabrück; K.E. von Mühlendahl, Osnabrück; B. Niggemann, Berlin; W. Rebien, Hamburg; J. Ring, München; E. Rietschel, Köln; G. Schultze-Werninghaus, Bochum; J. Seidenberg, Oldenburg; R. Szczepanski, Osnabrück
Quelle: Allergo Journal Nr.3, 1998, S. 156 bis 163.
Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von MMV Medien & Medizin Verlagsgesellschaft GmbH München.

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