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Familienplanung

01.07.2010
Immer mal wieder fragen Frauen mit Neurodermitis: Kann ich die Pille nehmen?
Was passiert dann mit meiner Haut? Wir haben nachgefragt und uns auch nach anderen Verhütungsmethoden erkundigt, besonders, ob sie bei Neurodermitis verträglich sind.

Pille
Die Pille gilt als das sicherste Verhütungsmittel. Sie enthält Östrogen und Gestagen, die Minipille nur Gestagen. Die Minipille muss jedoch täglich zur selben Stunde eingenommen werden, um sicher zu verhüten. Mikropillen mit Desogestrel oder Gestoden werden wegen vermuteter Nebenwirkungen (Thrombosen und Embolien) inzwischen nur in Ausnahmefällen verschrieben.
Östrogen senkt den Talgfluss der Haut und macht sie dadurch trockener. Eine zusätzliche Zufuhr durch die Pille kann daher bei Neurodermitis die Haut verschlechtern, wie einige Autoren von Ratgebern für Neurodermitis-Patienten berichten (siehe Kasten). Sie sollten zusammen mit Ihrem Frauenarzt ein Präparat wählen, das möglichst wenig Östrogen hat, auf keinen Fall eine Pille, die auch gegen Akne verordnet wird.

Hormone und Haut
Androgene, männliche Hormone, verstärken die Aktivität der Talgdrüsen und machen die Haut „fetter“.
Jungen haben daher während der Pubertät leicht einmal Akne, dadurch kann sich beim Neurodermitiker aber auch die Haut bessern.
Östrogene, weibliche Hormone, führen zu vermehrter Hauttrockenheit.
Bei Mädchen ist daher eher eine Verschlechterung der Neurodermitis zu beobachten.
Allerdings wird ein Teil der Wirkung von Östrogenen dadurch ausgeglichen, dass auch Frauen ab der Pubertät Androgene produzieren.
Auch in der Schwangerschaft steigt nochmals die Abgabe von Östrogenen, daher ist verstärkte Hautpflege notwendig. Männliche Babys stehen während der Schwangerschaft unter dem Einfluss der mütterlichen Hormone, erst einige Wochen nach der Geburt stellt sich ihr Körper um, was ebenfalls von Pickeln auf der Haut begleitet sein kann.

Literatur: Stefan Lange und Sabine Weiden: Zeitkrankheit Neurodermitis,
Heyne, München 1994, S. 24
Reinhard K. Achenbach: Neurodermitis behandeln und positiv beeinflussen.
Trias, Stuttgart 1995, S. 114
Siegfried Borelli und Jürgen Rakoski: Neurodermitis-Ursachen, Behandlung,
Selbsthilfe, Falken Verlag, Niedernhausen 1992, S. 124

Spirale
Ein T-förmiges Stück Kunststoff ist mit feinem Kupferdraht umwickelt. Sie muss von der Frauenärztin in die Gebärmutter eingesetzt werden. Weil sie unter Umständen durch verstärkte Regelblutungen, Entzündungen und Auslösung von Eileiterschwangerschaften unfruchtbar machen kann, wird sie nicht bei jungen Frauen verwendet, die noch Kinder haben wollen. Die Spirale ist etwas weniger sicher als die Pille, jedoch muss frau sich nach dem richtigen Einsetzen etwa fünf Jahre lang nicht mehr um die Verhütung kümmern.
In seltenen Fällen können Kontaktallergien auf das Kupfer auftreten. Im Normalfall ist jedoch Neurodermitis kein Grund, auf die Spirale zu verzichten.

Kondom
Kondome dienen nicht nur der Verhütung, sondern schützen auch vor Ansteckung mit AIDS und anderen Erkrankungen.
Allerdings bestehen Kondome aus Latex und sollten von einem Paar, wo einer allergisch gegen Latex ist, nicht verwendet werden. Latexallergien sind besonders häufig bei Personen aus Heil- oder Laborberufen, vor allem wegen der gepuderten Handschuhe. Aber auch wer häufig Kondome verwendet, kann dadurch eine Latexallergie erwerben. Besonders für Neurodermitiker und andere Atopiker besteht ein erhöhtes Risiko.

Diaphragma
Das Diaphragma ist eine mit Gummi überzogene Spiral- oder Flachfeder, die vor dem Muttermund eingesetzt wird.
Ähnlich wirkt eine Portiokappe, die etwas enger am Muttermund sitzt. Beide müssen vom Arzt individuell angepasst werden. Pro Familia empfiehlt, auch das Einsetzen beim Arzt zu üben und sie sind nur zusammen mit chemischen Mitteln anzuwenden (zur Verträglichkeit siehe dort). Einige Portiokappen und Diaphragmas könnten Latex enthalten. Gerade im Schleimhautbereich besteht eine erhöhte Gefahr, sich zu sensibilisieren.
Hier empfiehlt sich ein genaues Studium des Beipackzettels oder aber schon bei der Auswahl die gezielte Suche nach latexfreien Produkten.

Chemische Mittel
Schaumzäpfchen, Cremes und Gels sind allein als Verhütungsmittel nicht zuverlässig genug, können jedoch mit dem Diaphragma oder Kondomen (jeweilige Packungsbeilage der Kondome beachten) kombiniert werden. 

Symptothermale Methode
Die Kombination aus der Messung von morgendlicher Aufwachtemperatur und Beobachtung der Beschaffenheit des Zervixschleims gilt als sichere Methode sofern in der als fruchtbar ermittelten
Phase Enthaltsamkeit geübt oder andere Verhütungsmittel verwendet werden.
Die Methode greift nicht in den Körper ein, löst daher mit Sicherheit keine Allergien aus und ist für Neurodermitiker geeignet, braucht jedoch viel Disziplin und Selbstbeobachtung und ist während der Stillzeit, der Pubertät und in den Wechseljahren nur bedingt geeignet.

Auch Krankheiten, Stress oder Klimawechsel können den Zyklus verändern.
Ein weiterer Vorteil ist, dass nicht nur verhütet, sondern auch umgekehrt die Empfängnis gefördert werden kann. Babycomputer und Minimikroskope vereinfachen etwas die Durchführung, machen jedoch nicht die Kenntnis des eigenen Körpers überflüssig. In Beratungsstellen werden Infomaterial und teilweise auch Kurse angeboten, in den frau die Durchführung lernen kann. Die reine Kalendermethode, bei der nur ausgehend vom letzten Zyklus ausgerechnet wird, wann der nächste Eisprung stattfinden könnte, ist dagegen sehr unsicher.

Sterilisation
Wer endgültig keine Kinder (mehr) haben will, kann sich auch sterilisieren lassen.
In Deutschland geht diesem Schritt eine ärztliche, teilweise auch psychologische Beratung vorweg, da die Durchtrennung der Samen- bzw. Eileiter nicht immer rückgängig zu machen und mit großem Aufwand verbunden ist. Frau hat nach der Sterilisation weiterhin die Periode, Mann bleibt nach der Sterilisation potent. Der Eingriff wird bei der Frau stationär unter Vollnarkose durchgeführt, beim Mann ambulant mit örtlicher Betäubung.

Tipp: Kostenlose Informationen zu Verhütungsmethoden, ihrer Sicherheit und ihren Nebenwirkungen gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln oder bei Gesundheitsämtern, Familienberatungsstellen usw.

Dr. rer. nat. Susanne Kiewisch




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