Frühjahrsputz

29.05.2008Alle Jahre wieder – im Frühling wird der Winter aus dem Haus geputzt. Spinnweben, Tannennadeln und Kerzenwachsreste möchten wir nicht mehr sehen. Und jedes Jahr die gleiche Frage: welches Putzmittel schont die sensible Haut? Wie sauber soll es  sein, welche Reinigungsmittel sind sinnvoll oder kann zuviel putzen der Gesundheit schaden? Haben Sie schon Ihren Favoriten gefunden? Herzlichen Glückwunsch, lesen Sie trotzdem weiter und erfahren Sie Neuigkeiten. Suchen Sie noch ein gutes Produkt, dann empfehle ich Ihnen den Artikel vor dem nächsten Einkauf.
Putz- und Reinigungsmittel sollen hartnäckigen Schmutz entfernen, die Haut schonen und die Umwelt wenig belasten. Dies sind hohe Ansprüche an chemische Mischungen. Letztendlich sind (fast) alle Reinigungsmittel chemische Mischungen, die bestimmten Gesetzen unterliegen.

Siehe auch Gesetze

Putz- und Reinigungsmittel lösen nicht nur Fettreste auf Oberflächen, sondern greifen auch den natürlichen schützenden Fettfilm der Haut an. Bei hautsensiblen Menschen ist die häufig trockene Haut durch eine gestörte Barrierefunktion und einen geschwächten Säureschutz gekennzeichnet. Diese vorgeschädigte Haut ist für giftige oder allergieauslösende Stoffe leichter durchgänglich. Kurz danach treten meist die ersten Reizungen auf, die weiter zu Ekzemen führen können. Reizend oder allergen können Duftstoffe, Enzyme, Farbstoffe, Konservierungsmittel, Tenside, Lösungsmittel und optische Aufheller wirken.

· Duftstoffe: Auch natürliche Duftstoffe lösen allergische Reaktionen aus, z.B. Perubalsam wird aus dem geschwefelten Holz einer Baumart gewonnen. Er gilt als häufiger Auslöser von Allergien.

· Enzyme werden Waschmitteln zugesetzt. Sie können die Haut angreifen und den Säureschutzmantel schädigen

· Farbstoffe wirken stark allergen. Farbstoffe befinden sich in nahezu allen Haushaltschemikalien.

· Formaldehyd wird als Konservierungsmittel eingesetzt. Es ist ein hochpotentes Allergen und reizt Atemwege und
Augen.

Reinigungsmittel und Allergien
Allergologen warnen vor Allergien durch zuviel Hygiene, Kinderärzte warnen vor Hausputz mit Desinfektionsmitteln und das Bundesamt für Verbraucherschutz empfiehlt einfache Reinigungsmittel, die die Umwelt nicht belasten. Allgemein gilt: weniger ist mehr. Inhaltsstoffe können Allergien und Hautreizungen auslösen. Einige Wirkstoffe schwächen das Immunsystem und können Resistenzen gegen Antibiotika hervorrufen. 

Antibakteriell
Früher hieß: Nicht nur sauber, sondern rein soll es sein. Heute haben Reinigungsmittel mit antibakteriellen Wirkstoffen Hochkonjunktur. Ärzte warnen mittlerweile vor übertriebener Hygiene im Haushalt, besonders für Allergiker gilt dieser Trend als gefährlich. Die „Saubermacher“ schwächen das Immunsystem und fördern die Entstehung von Allergien. Die Risikomittel erkennen Sie an Bezeichnungen wie antibakteriell oder Bakterienstopp. Bakterien entwickeln Resistenzen gegen Bakterienkiller und so können Reinigungsmittel in Krankenhäusern ihre Wirkung gegen Bakterien verlieren. Besonders gefährlich ist Triclosan. Es ist ein Desinfektions- und Konservierungsmittel; soll das Bakterienwachstum hemmen und die Haltbarkeit bestimmter Produkte verlängern. Die Chemikalie gilt als Kontaktallergen. Es wird durch die Haut und die Schleimhäute aufgenommen, schädigt die Hautflora und kann sich im Fettgewebe des Körpers anreichern. Nach Ansicht des Umweltbundesamtes (UBA), des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) und des Robert-Koch-Institutes (RKI) sind antibakterielle Reinigungsmittel im Haushalt nicht erforderlich. Laut RKI sind die möglichen Folgen einer Veränderung der natürlichen Hautflora des Menschen durch antibakterielle Verbraucherprodukte zur Reinigung oder Körperpflege nicht absehbar. Besonders Kinder brauchen Kontakt mit Bakterien, nur so kann sich das kindliche Immunsystem stärken.

Lösungsmittel
Neben Hautreizungen können Reinigungsmittel auch Schleimhautreizungen hervorrufen und Asthma fördern. Die schlimmsten Asthmaförderer sind in Politurmittel, Lacke, Haushaltsreiniger und Luftverbesserern. Für die Gesundheit sind flüchtige organische Bestandteile, so genannte VOC, schädlich. Kinder, die diesen VOC in großen Mengen ausgesetzt waren, leiden viermal häufiger an Asthma. Die stärkste gesundheitsschädliche Wirkung entfaltet das Lösungsmittel Benzol. Es ist in der chemischen Industrie Ausgangsstoff für eine große Anzahl von Verbindungen und wird bei Lacken und anderen Produkten verwendet. Benzol schädigt die Bronchien. Gefährlich können Reinigungsmittel mit Glycol Ether werden. Es ist ein farbloses  Lösemittel. Der Geruch kann je nach Verbindung geruchlos bis scharf sein. Die Reaktionen empfindlicher Menschen reichen von Schleimhautreizung, Schwindel, Erschöpfung und Übelkeit.

Duftstoffe
Während Chlor, Ammoniak und künstliche Duftstoffe dem Hausmann in der Nase stechen, gelten natürliche Düfte als unbedenklich. „Bioreiniger“ setzen vermehrt auf natürliche Düfte wie Zitrus- und Harzdüfte.  Diese natürlichen Stoffe werden als Lösemittel in Putzmitteln und Biofarben eingesetzt. Sie gelten als nicht giftig, haben aber allergieauslösende Wirkungen. Zusätzlich können die ätherischen Öle, Harze oder Terpene in Kontakt mit Ozon (aus der Außenluft, aus Kopieren, Druckern und Ionisatoren) zu einer Zeitbombe für die menschlichen Schleimhäute werden.
Ein gefährlicher Giftcocktail entsteht wenn mehrere Reinigungsmittel gemischt werden oder verschiedene Produkte im gleichen Raum zur Anwendung kommen. 
 
Siehe auch UBA Putzmitttel

Reizfrei Reinigen
· Je spezieller ein Reinigungsmittel, desto schädlicher ist es. Ein Allzweckreiniger, möglichst unparfümiert und ohne Konservierungsstoffe als Neutralreiniger für Fußböden, Fliesen und Oberflächen, und ein Essig- oder Zitronenreiniger reichen meist aus. Zum Scheuern empfiehlt sich Haushaltssoda oder Scheuermilch für hartnäckigen Schmutz. Mit mechanischen Mitteln wie Drahtschwamm, Bürste und Saugglocke lässt sich viel Chemie einsparen.

· Reiniger ohne Duftstoffe, ätherische Öle oder Zitrusterpene einsetzen.

· Nie verschiedene Reiniger zusammenschütten.

· Sparsame Dosierung.  Viel Schaum und Duft hilft nicht der Reinigungswirkung. Das Reinigungsmittel sollte immer erst am Ende zugegeben und die Dosierungsanleitung der Hersteller beachtet werden. Oft reichen schon 2 bis 3 Tropfen für mehrere Liter Wasser.

· Verwendung von Produkten mit "Umweltengel"  und dem europäischen Umweltzeichen, der Euroblume. Die Kriterien, die ein Produkt erfüllen muss, um den "blauen Engel" zu erhalten, sind öffentlich und beim "Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V." einzusehen. Die Verleihung der "Euroblume" erfolgt durch neutrale staatliche Gremien und nach eindeutigen, wissenschaftlich begründeten Kriterien.

· Verwendung von Mikrofasertüchern oder der Einsatz von Dampfreinigern, die mit Wasserdampf ohne Putzmittel arbeiten.

· Reinigen mit terpenhaltigen Reinigern während heißer Sommertag mit hohem Ozon kann die Schleimhäute reizen. Einsatz der Reiniger vermeiden.

· Arbeiten im Haushalt mit Handschuhen. Wenn Gummi- oder Latexhandschuhe nicht vertragen werden, sollten Haushaltshandschuhe mit einer Innenbeschichtung aus Baumwolle oder dünne Baumwollhandschuhe verwendet werden.

·Reinigen in kleinen schlecht belüfteten Räumen, wie Badezimmer, Duschkabinen, Abstellräumen ohne Fenster stellt eine besondere Gefährdung dar. Möglichst nur kurze Aufenthalte oder Lüftung.

·Der gleichzeitige Einsatz von Raumsprays, harzhaltige Reiniger und Ozongeräten (Kopierer und Ionisator) kann Formaldehyd produzieren. Gleichzeitigen Gebrauch vermeiden.

·Putzlappen, Reinigungsschwämme, Papiertücher sofort auswaschen, an der frischen Luft trocknen lassen oder wegwerfen. Nie im Raum liegenlassen.

·Geputzte Räume verlassen und intensiv lüften.

·Kinder und Allergiker aus Putzsituationen und frisch geputzten Räumen fernhalten.

·Hände mit einfacher Seife ohne Parfüm- und antiseptische Zusätze benutzen.

·Hände sooft wie möglich auch zwischendurch mit einer Hautschutzcreme eincremen.


Weitere Informationen bei
· BUND-Ökotipps: www.bund.net
· Pure nature – Produkte für Allergiker: www.purenature.de
· Umweltbundesamt: www.umweltbundesamt.de
· Zeitschrift Ökotest: www.oekotest.de, Kompakt Heft Waschen und Putzen 2004 und Putzmitteltest Heft 5/2005 können einzelnen im Internet bestellt werden.

Siehe auch Allergischen Substanzen auf der Spur





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