Komplementärmethoden oder sogenannte Alternativmethoden in der Allergologie

02.06.2008Vorwort der Redaktion:
Ein chronisch hautkranker Mensch reagiert wie jeder »normale« kranke Mensch und versucht alles Erdenkliche zu unternehmen, um gesund zu werden. Man will nichts unversucht lassen und wenn nur Placebo wirkt, ist es auch gut.
Ein wissenschaftlich ausgebildeter Mediziner reagiert auch wie ein ganz »normaler« Wissenschaftler und traut nur der Methode oder gibt sie an den Patienten weiter, wenn sie nach standardisierten Untersuchungen erprobt ist.
Beide Seiten haben recht und sollten einander respektieren.
Dem Patienten sei gesagt, schäme Dich nicht, wenn Du was probierst. Beklage Dich nicht, wenn Du viel Geld für keine oder keine erklärbare Besserung bezahlt hast. Vernachlässige nicht die medizinischen Therapieansätze, die Du mit dem Dermatologen besprochen hast. Kommuniziere mit dem Mediziner über Deine verzweifelten Schritte. Der Arzt sollte zuhören, da er nämlich bei der Neurodermitis auch nicht heilen kann.
Dem Arzt sei gesagt, seien Sie verständnisvoller im Umgang mit der geschundenen Seele eines chronisch Kranken. Sie würden als betroffener Mensch wahrscheinlich genauso handeln wie Ihr Patient.
Denken Sie daran, dass viele »alternative« Behandler einfach mehr Zeit für den Patienten aufbringen, die sie sich dann natürlich auch üppig außerhalb der Schranken des öffentlichen Gesundheitswesens bezahlen lassen.
Aber der Patient fühlt sich eben mehr verstanden.
Die Redaktion freut sich, dass der Autor das Thema sachlich und emotionslos angeht.
Sachlichkeit hat schon so manche Sozialromantik entzaubert.
Im Übrigen hilft natürlich auch präventives Verhalten. Dazu gibt es allerdings keine Alternative.

Prof. Dr. med. Walter Dorsch, München





Zusammenfassung

Die Liste unkonventioneller medizinischer Techniken, die in Deutschland Anwendung finden, ist sehr lang. Sie umfasst Methoden zur Diagnostik sowie Methoden zur Therapie.
Nur wenige sind als seriöse Verfahren zu bezeichnen, die klassische Methoden der Allergologie sinnvoll ergänzen können: Atemtherapie, Akupunktur, Autogenes Training, Balneotherapie, funktionelle Entspannung, Klimatherapie, seriöse Diätetik, Ernährungstherapie, Phytotherapie, Physiotherapie, Psychotherapie.

Hintergrund
Viele unkonventionelle Heilmethoden werden Patienten und Ärzten als sogenannte Alternativmethoden zur Behandlung allergischer Erkrankungen angeboten; nur wenig verlässliche Information steht allgemein zur Verfügung. Angesichts zunehmend knapper Kassen wird der Verdrängungswettbewerb schärfer und unsachlicher und führt zu Paradoxien: Eine einzelne Akupunktursitzung entspricht dem durchschnittlichen Arzneimittelbudget eines Kindes für zwei Monate; Salbeitee, der stillenden Müttern empfohlen wird, darf angeblich Kindern unter zwölf Jahren nicht verordnet werden, da keine ausreichenden medizinischen Daten vorlägen (als Nahrungsmittel dürfen Kleinkinder natürlich Salbeitee trinken!), der Liter Meerwasser kann zu Lasten der Krankenkassen zum Preis von 200,– Euro verordnet werden. Es steht außer Zweifel, dass manche Komplementärmethoden eine wertvolle Ergänzung klassischer Methoden darstellen können (wie beispielsweise Kneipp’sche Verfahren oder die Phytotherapie), andererseits werden unter dem Deckmantel »Naturheilverfahren « oder »Alternativmethode« an Betrug grenzende Verfahren angeboten, die lediglich die Leichtgläubigkeit Betroffener ausnutzen. Es besteht deshalb ein dringender Bedarf an seriösen Informationen über Methoden der Komplementärmedizin.
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Komplementärmedizin der DGAI möchten sich dieser Aufgabe stellen. Der Arbeitsgruppe gehören Wissenschaftler und Ärzte der DGAI und anderer Fachgesellschaften sowie Vertreter von Laienverbänden, Medizinischen Diensten und Krankenkassen an. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe haben beschlossen, Stellungnahmen zur Wertigkeit verschiedener Komplementärmethoden abzugeben.
Es wird dabei grundsätzlich Wert auf die Feststellung gelegt, dass diese Verfahren allenfalls als Ergänzung zu den wissenschaftlich belegten das heißt schulmedizinischen Methoden, akzeptiert werden, keinesfalls als Alternativmethoden, die klassisches allergologisches Wissen und Handeln ersetzen könnten. Die Schwierigkeiten sind immens: – Es kann nicht rasch genug erschöpfend über sämtliche Verfahren berichtet und eine kritische Einschätzung vorgenommen werden.

– Innerhalb der einzelnen Verfahren sind Differenzierungen vorzunehmen: Es gibt beispielsweise sehr unterschiedliche Denkweisen innerhalb der Phytotherapie, der Akupunktur, der Ernährungstherapie, der Homöopathie oder anderer Methoden.

– Manche medizinischen Verfahren (zum Beispiel die Anthroposophische Medizin) sind in ein weltanschauliches System eingebunden, das eine Bewertung »von außen« erschwert.

– Es besteht kein allgemeiner Konsens darüber, was als wissenschaftlich eindeutig erwiesen anzusehen ist.

- Als obsolet erkannte Verfahren erleben verschiedenste Neuauflagen (Mora-, Biocom-, Bioresonanz-Therapie etc.).

Die Flut sogenannter »Alternativmethoden« ist kaum überschaubar.

Tabelle 1 gibt eine Übersicht über unkonventionelle diagnostische und therapeutische Praktiken. Sie ist einer Erhebung des Bundesministeriums für Forschung und Technologie entnommen15.


Tabelle 1
In Deutschland angewandte unkonventionelle Methoden

Liste unkonventioneller diagnostischer Praktiken und Therapien, die laut einer 1992
publizierten Erhebung des Bundesministeriums für Forschung und Technologie in Deutschland* angewendet werden. Kursiv: für die Allergologie und verwandte Fachgebiete wichtige Methoden

Diagnostische Verfahren
Anthroskopie                                               Instant Calligaris Diagnostik
Auraskopie/Aurastest                                   (Phronimologie)
Bioelektrische Funktionsdiagnostik                Irisdiagnostik
Decodertest Elektroneuraltest                       Kinesiologie
Energetische Photographie und                     Kristallisationstest
Diagnostik (Kirlian lines)                               Mental Diagnostik
Energetische Terminalpunkt Diagnostik          Radiaesthesie (Pendeln, Wünschelruten,
F. X. Mayr Diagnostik                                    Magnetopathie, Geopathie)
Haaranalyse                                                 Thermographie


Therapeutische Systeme
Alexander Technik                                 Geistheiler
Aromatherapie                                      Halotherapie
Astromedizin                                         Handaufleger
Atemtherapie                                        Haptonomie und Tonusregulation
ausleitende Verfahren,                           Lymphdrainage Magnetfeldtherapie
Autosuggestion                                       Mikrobiologische Therapie
Bachblütentherapie                                 Neuraltherapie
Bioresonanz-,                                         Moratherapie Organotherapie
Chelat-Therapie                                     Orgontherapie nach Reich
Chirophonetik/Chirotherapie                   Peptidtherapie
Diätetische Verfahren                              Perkutane Regulationstherapie
Edelsteintherapie                                    (Ionensalbe)
Eigenblut- und Eigenurin-Therapie            Physikalische Medizin/Balneologie/
Elektroakupunktur                                   Klimatologie
Eliminationsverfahren für Umweltgifte      RNS-Therapie
Enzymtherapie                                       Sauerstoff- und Ozontherapie
Farbtherapie                                          Spagyrik
Feldenkraismethode                                Zelltherapie
Fokussuche und Herdsanierung                  Zytoplasmatische Therapie
                                                             Spezielle psychotherapeutische Verfahren

* Unkonventionelle Medizinische Richtungen - Bestandsaufnahme zur Forschungssituation; Materialien zur Gesundheitsforschung; Hrsg.: Projektträger Forschung im Dienste der Gesundheit; im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie, Bonn 1992; ISBN 3-89 429-154-0

Zu den in Tabelle 2 genannten Methoden muss differenziert Stellung bezogen werden.
Da es unter Umständen Jahre dauern wird, bis detaillierte Stellungnahmen erarbeitet sein werden, wird zunächst eine kurze, zum Teil vorläufige Einschätzung gegeben. Interessierte
Fachleute, auch Verfechter der einen oder anderen Methode sind aufgerufen, wissenschaftliche Daten vorzulegen und somit die Einschätzung der Verfahren in zukünftigen Positionspapieren oder Stellungnahmen zu beeinflussen.
Auf eine Reihe von Übersichten zum Thema sei verwiesen8, 10, 13, 14, 15, 21, 25, 29, 37, 40, 44, 49, 54, 56, 64, 77–79, 89, 95, 97, 113


Sinnvolle Komplementärverfahren
Eine Reihe von Verfahren kann aufgrund der derzeitigen Datenlage als sinnvolle Ergänzung zu klassischen allergologischen Methoden angewandt werden. Keine dieser
Methoden oder Verfahren ist als »Alternativmethode« in dem Sinne anzusehen, dass sie eine fundierte klassische Therapie ersetzen könnte. Die folgenden Ausführungen sind als
Orientierungshilfe gedacht. Ausführliche und differenzierte Informationen liegen vor.

– Atemtherapie und Physiotherapie sind als wirkungsvolle Techniken zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, unter anderem obstruktiven Atemwegserkrankungen, unumstritten3.

– Kneipp’sche Verfahren, Balneologie und Balneotherapie sind als zusätzliche Methoden mit erprobter Effektivität bekannt. Sauna,Wechselduschen und andere Kneipp’sche Verfahren können Rezidive von Infektionen der oberen Luftwege vermindern13, 36, 46, 48, 51, 60, 63, 84, 88, 90.

– Entspannungsmethoden (zum Beispiel die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen oder das Autogene Training) sind hilfreich in der Behandlung ekzemkranker und asthmakranker Kinder67, 72, 73, 102. Beispielsweise ist eine bronchodilatatorische Wirkung, die allerdings schwächer ist als die Inhalation von Salbutamol, bei asthmakranken Kindern in einer prospektiv angelegten, randomisiert durchgeführten und placebokontrollierten Studie belegt72.

– Die moderne Phytotherapie versteht sich als integraler Bestandteil einer rationalen
Pharmakotherapie5, 8, 25, 30, 32, 38, 47, 48, 87. Phytopharmaka unterliegen grundsätzlich den gleichen Qualitäts- und Sicherheitskriterien wie synthetische Arzneimittel.
Die vier klassischen Asthmatherapeutika (Betamimetika, Anticholinergika, Cromoglycinsäurederivate und Theophyllin) leiten sich pharmakologisch und historisch aus der Pflanzenheilkunde ab30, in der Ekzemtherapie sind manche pflanzlichen Arzneimittel synthetischen gleichwertig beziehungsweise überlegen.

– Sinn und Unsinn diätetischer Maßnahmen liegen nahe beieinander. Allergenvermeidung
ist für Allergiepatienten essentiell, dies gilt natürlich auch für Nahrungsmittelallergiker:
Eine Ernährungstherapie, die den Aufbau der intestinalen Mucosabarriere befördert, kann bei vielen Erkrankungen des allergischen Formenkreises hilfreich sein. Eine seriöse Diätetik ist abzugrenzen von unsinnigen und fahrlässigen Diätempfehlungen18, 22–24, 34, 45, 55, 68, 85, 96, 99, 109.

– Psychotherapie ist – sofern indiziert – effektiv und kann Krankenkosten vermindern4,
86.
Die Familiendynamik während der Behandlung von Kindern, die an Asthma bronchiale oder atopischem Ekzem leiden zu vernachlässigen, ist gefährlich.
Prospektive Studien33 weisen darauf hin, dass ein Großteil der Verhaltensauffälligkeiten,
die nicht selten in Familien asthma- oder ekzemkranker Kinder zu beobachten sind, als Krankheitsfolge anzusehen ist.

– Der Wert der Klimatherapie ist unbestritten.

– Die schwache adjuvante Wirkung der Akupunktur in der Behandlung asthmakranker
Patienten ist in kontrollierten Studien belegt6, 41, 42, 66, 67, 94, 98, 100, 101, 112. Dabei werden nur leichte bronchodilatatorische Effekte bei mildem Asthma bronchiale beobachtet und eine positive Veränderung von subjektiven Parametern, jedoch keine Dauerwirkung 52,53.
Sogenannte Alternativmethoden, die nach derzeitigem Wissenstand nicht zu empfehlen sind.



Über einige Verfahren liegen genug objektive Informationen vor, um sie als nicht sinnvoll, unseriös beziehungsweise potenziell gefährlich einzustufen und von ihrer Anwendung am Patienten abzuraten. Die folgenden Hinweise sollen stichwortartig als Orientierungs- beziehungsweise Argumentationshilfe dienen. Ausführlichere Informationen sind auf Wunsch erhältlich.

– Die Kinesiologie beansprucht, Allergien und andere spezifische Unverträglichkeiten
dadurch zu erkennen, dass die Berührung eines Allergens, auch wenn es umhüllt oder in einer Phiole eingeschmolzen ist, zu Änderungen der Muskelspannung führt, die ein erfahrener Kinesiologe erfassen kann. Eine Hamburger Doppelblindstudie, an der auch erfahrene Kinesiologen mitbeteiligt waren, hat diesen Anspruch widerlegt65. Auch zur Diag nostik einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit ist diese Technik nicht geeignet43.

– Auch das Auspendeln von Allergien gehört zu Suggestivtechniken, die nichts in einer allergologischen Praxis verloren haben19.

– Bioresonanztechniken, vermutlich auch Weiter- beziehungsweise Tarnentwicklungen wie die Bicom-Technik sind diagnostisch und therapeutisch wertlos: Jede Aktivität lebender Organismen und lebender Zellen ist verbunden mit elektrischen Begleitphänomenen.
Bioresonanzgeräte registrieren das elektrische Rauschen, das ein lebender Organismus verursacht. Es wird eine Änderung der Bioresonanz beim bloßen Kontakt mit einem Allergen (auch in Glasampullen) postuliert.
Allergie-Diagnostik mittels Bioresonanz besitzt eine Reproduzierbarkeit von weniger als zwanzig Prozent beziehungsweise eine Fehlerquote von etwa achtzig Prozent (!) und ist nicht vergleichbar mit allergologischen Methoden.
Allergie-Diagnostik mittels Bioresonanz entspricht einer Allergiediagnostik mit Würfeln26. Auf der Bioresonanzdiagnostik basiert die Bioresonanztherapie:
Dem Anwender wird suggeriert, er könne mit einer speziellen Technik negative elektrische Impulse, welche durch Allergien oder andere Krankheiten verursacht werden, durch positive neutralisieren, Allergien würden »gelöscht«. Diese Behauptung ist physikalisch nicht nachvollziehbar und klinisch falsch, das Vertrauen in eine unwirksame Therapie kann lebensgefährlich sein, beispielsweise für Insektengiftallergiker, die auf wirksame
Schutzmaßnahmen verzichten12, 16, 61, 62, 89, 104, 110. Die mit der Durchführung
der Therapie verbundenen Allmachtsphantasien9 stimmen ebenso bedenklich wie die Entwicklungsgeschichte der Bioresonanz.

– Die Elektroakupunktur nach Dr. Voll7,59, 61, 103 misst Artefakte: Bereits im Jahre 1976 wurde die Methode im Bei sein von Dr. Voll und anderen führenden Vertretern dieser Methode untersucht.
Das Ergebnis war enttäuschend11,69: Alle beobachteten elektrischen Veränderungen waren Artefakte (Originaltext: »Die Apparatur misst zwar präzise das Potenzial am jeweiligen Akupunkturpunkt, eine in den Messkreislauf eingeführte Substanz, sei es ein Medikament, sei es ein sonstiger physiologisch wirksamer Stoff, gleichgültig ob in einer Ampulle eingeschmolzen oder direkt auf den zwischengeschalteten Metallblock oder auf eine Metallschale gelegt, verändert den Potenzialmesswert jedoch in keiner Weise, ohne Rücksicht darauf, ob das Potenzial erst ohne Substanz und dann mit ihr oder zuerst mit Substanz und dann ohne sie gemessen wird.
Nach diesen Ergebnissen muss der Medikamententest der Elektroakupunktur als Artefakt bezeichnet werden«. – zitiert in11.

– Klassische Eigenblutbehandlungen verursachen durch die intramuskuläre Injektion von venös entnommenem Blut durchaus schmerzhafte Entzündungsprozesse, die im Sinne eines counter irritant Effekts antientzündlich wirken können. Kontrollierte Studien in der Allergologie fehlen. Eine homöopathische Variante dieser Therapie lässt in Alkohol beziehungsweise Wasser aufgeschüttelte (potenzierte) Blutstropfen schluckweise trinken. Der Nachweis der Wirksamkeit fehlt, etwa im Rahmen einer Studie, die den Effekt dieser Therapie mit dem von Zahnfleischbluten vergleicht.
– Obwohl für die Effektivität der sogenannten Autohomologen Immuntherapie nach Dr. Kief2 bisher keine kontrollierte Studie vorgelegt wurde (an der Mannheimer Hautklinik wird zur Zeit eine prospektive Studie durchgeführt, die diese Therapie mit klassischer
Eigenblutbehandlung vergleicht) (Anm. d. Red.: Diese Aussage muss muss im Monat 7-2009 nicht mehr aktuell sein, der User sollte neueste Daten dazu einholen) haben sich Tausende von Patienten (Allergiepatienten, HIV-Patienten, Tumorpatienten etc.) dieser Behandlung unterzogen. Krankenkassen werden zum Teil durch Gerichtsbeschluss gezwungen, die extrem hohen Kosten zu erstatten. Ausgangsmaterial ist Patientenblut beziehungsweise Patientenurin.
In einer patentierten Technik, die der hyperbaren Ozontherapie ähnelt, wird dies biochemisch verändert und dem Patienten auf oralem, nasalem, inhalativem und/oder parenteralem Wege verabreicht. Nun enthalten Patientenblut und Patientenurin vielerlei Zellen, Mediatoren, Prostaglandine, Zytokine und viele andere.
Ein nachvollziehbarer Wirknachweis für die Autohomologe Immuntherapie ist jedoch nicht erbracht Anm. d. Red.: S.o.).

– Die Aromatherapie (ähnlich die Farbtherapie) ist eine schöne Art der Autosuggestion.
Jede Pflanze, jede Blume, jeder Geruch kann unser Befinden in einer bestimmten Art und Weise beeinflussen20.
Ähnliches gilt auch für Dr. Bach’s Blütentherapie: Frische Blüten ausgewählter Pflanzen werden über Nacht in frisches Quellwasser gelegt; das Wasser am nächsten Morgen weiterverarbeitet, potenziert und getrunken.
Es ist schwer vorstellbar, dass das tropfenweise Trinken von Blumenwasser Wirkungen zeigen soll. Allerdings schildern manche Anhänger der Blütentherapie nach Dr. Bach (1886–1936) eine unglaubliche Beeinflussung ihres subjektiven Befindens. Nachvollziehbare Studien zur Wirksamkeit dieser und anderer esoterischer Techniken1 in der Allergologie fehlen.

– Innerhalb der Homöopathie sind verschiedene Denkrichtungen zu erkennen:
Hochpotenz- und Niederpotenz-, organotrope und personotrope Homöopathie sind zu unterscheiden. Mischungen von »niedriger Potenz« (bis zu D2/D4) sind oft Verdünnungen/Potenzierungen von Pflanzenextrakten mit definierten pharmakologischen Eigenschaften10, 17, 58, 71. Angesichts dieser Heterogenität ist eine globale Einschätzung
schwierig. Erfreulicherweise bemühen sich zunehmend Vertreter der Homöopathie um die wissenschaftliche Überprüfung ihrer Methode (zum Beispiel 80, 81, 104); es muss allerdings festgehalten werden, dass ein sicherer Wirknachweis homöopathischer Präparate in der Allergologie beziehungsweise Pneumologie immer noch fehlt. Im Jahre 1991 wurde eine Metaanalyse von 107 Studien über homöopathische Behandlungsmethoden publiziert. Der Bewertung der Studien lagen folgende Kriterien zugrunde: Beschreibung von Patienten und ihren Symptomen, Anzahl der Patienten, Beschreibung der Behandlung, Auswahl von Patienten, Doppel-Blind-Studien- Design, Relevanz von Parametern, Präsentation von Ergebnissen58. Unter den zwölf relativ besten Studien betrafen zwei randomisierte Doppel-Blind- Studien die Allergologie: Galphimia glauca in der »Potenz« D4/D6 scheint positive Effekte bei Pollinosis zu besitzen 107,108. Von besonderer Bedeutung ist, dass die Pflanze Galphimia glauca in der traditionellen Medizin einiger Stämme im Regenwald von Brasilien gegen Allergien verwendet wurde.
Pharmakologische Untersuchungen von Extrakten aus Galphimia glauca zeigten eine deutliche asthmaprotektive Wirksamkeit, als Wirkstoffe wurden Gallussäurederivate ermittelt, die ihre Wirkung allerdings nur in pharmakologischer Dosierung zeigen28, 30.
Die bereits erwähnte Studie106 beschreibt die Gleichwertigkeit von topischem DNCG und einer homöopathischen Zubereitung in der Behandlung von Heuschnupfenpatienten, bleibt allerdings den Beweis schuldig, dass diese Feststellung nicht nur in der pollenflugfreien Zeit gilt und fand deshalb keinen Zugang zu allergologischen Fachzeitschriften.

– Die Neuraltherapie nach Dr. Huneke50, mit dem durch Lokalanästhesie »Störfelder« mit Fernwirkungen ausgeschaltet werden, ist bekannt geworden durch das sogenannte
Sekundenphänomen. Allergologische Krankheitsbilder gehören nicht zum engeren Indikationsfeld dieser Behandlungsmethode 31,50.

– Die jahrtausende alte Erfahrung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist interessant und hilfreich. In China ist ein kritisches Nebeneinander traditioneller und
moderner Verfahren durchaus möglich. Oft wird vergessen, dass die TCM sich oft mit einfachen Mitteln helfen musste. Die moderne Medizin hat Erfahrungen der verschiedenen
traditionellen medizinischen Richtungen immer zu nutzen gewusst. Manche Mischungen von Heilpflanzen, die auch im Westen Aufsehen erregt haben, sind komplex und enthalten oft Dutzende von zum Teil wechselwirkenden Wirkstoffen, so dass eine wissenschaftliche
Bearbeitung sehr schwer ist. Es muss auch mit toxischen Wirkungen gerechnet werden. In einigen kontrollierten Studien wurden positive Wirkungen einer Kräutertee-Mischung bei atopischem Ekzem nachgewiesen, ohne dass die Wirksubstanzen definiert wurden. Auch schwere Nebenwirkungen (Leberdystrophie, Nierenversagen) sind beobachtet worden 74, 76, 91–93. Qualität und Reinheit der manchmal auf obskurem Weg zu uns kommenden Arzneimittel entsprechen nicht immer europäischem Standard (s. auch 57).
Die DGAI und der Arbeitskreis Komplementärmedizin bemühen sich um ehrliche Information. Die Auseinandersetzung mit »Alternativmethoden« erfolgt sachlich auf dem Boden wissenschaftlicher Kriterien. Kommentare, Hinweise und zusätzliche wissenschaftliche Daten erbitten wir an den Vorstand der DGAI beziehungsweise den Leiter des Arbeitskreises Komplementärmedizin. Aktive, kritische und konstruktive Mitarbeiter sind in diesem Arbeitskreis stets willkommen.

Im Originaltext folgt an dieser Stelle ein ausführliches Literaturverzeichnis.
Dieses Verzeichnis kann von Interessenten in der Geschäftsstelle des DNB e.V. angefordert werden.

Prof. Dr.Walter Dorsch
Arzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Allergologie, Naturheilverfahren; Leiter der Arbeitsgruppe »Komplementärmedizin « der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie Aidenbachstraße 118, 81379 München.
Der Abdruck des Artikels erfolgte in der Zeitschrift HAUTFREUND mit freundlicher Genehmigung des Verlages Urban & Vogel, Medien und Medizin Verlagsgesellschaft,
München. Der Artikel erschienim Original  in folgender Zeitschrift: Allergo Journal 2002; 11: 163–170




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