Ursachen der Neurodermitis

08.07.2014Grundlegende Mechanismen von Neurodermitis und Allergien untersucht ein Forscherteam des Universitätsklinikums Bonn mit Kollegen aus der Schweiz.
In den nächsten fünf Jahren fließen mehr als zwei Millionen Euro der Schweizer Kühne-Stiftung an die Forschergruppe von Prof. Dr. Dr. Thomas Bieber, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie des Bonner Uniklinikums.
In Deutschland erkrankt bis zur Einschulung etwa jedes zehnte Kind an Neurodermitis. Die Hautkrankheit mit den roten, schuppenden und teils nässenden Ekzemen führt zu starkem Juckreiz und verläuft schubweise. Die Erkrankung ist bislang nicht heilbar, Ärzte behandeln unter anderem meist vor allem die trockene Haut und verschreiben entzündungshemmende Arzneien. „Der Forschungsbedarf hinsichtlich der grundlegenden Mechanismen der Erkrankung sowie der präventiven und therapeutischen Möglichkeiten ist groß“, sagt Professor Bieber.

Maßgeschneiderte Strategien

In dem Projekt des Christine Kühne Centers for Allergy Research and Education sind neben dem Bonner Uniklinikum das Zentrum Allergie & Umwelt der Technischen Universität und des Helmholtz Zentrums München sowie aus der Schweiz das Institut für Allergie- und Asthmaforschung Davos, die Hautklinik am Universitätsklinikum Zürich und die Kinderklinik in St. Gallen beteiligt. Die Wissenschaftler rätseln nach wie vor, warum einige Menschen gesund bleiben, obwohl sich bei ihnen krankheitsspezifische Antikörper nachweisen lassen. „Wenn wir den natürlichen Verlauf dieser Erkrankung besser verstehen, wollen wir maßgeschneiderte Strategien zur Vorbeugung und Behandlung entwickeln“, sagt Professor Bieber.

Die Forscher des Bonner Universitätsklinikums werden insbesondere untersuchen, warum bei etwa 40 Prozent der an Neurodermitis erkrankten Kinder die Beschwerden bis zum Erwachsenenalter nachlassen. „Wir nehmen an, dass dieser Rückgang auf Mechanismen beruht, die zu einer Immuntoleranz gegenüber Umwelteinflüssen wie Allergenen führen“, sagt der Direktor der Uni-Hautklinik Bonn. Darüber hinaus wollen die Wissenschaftler Biomarker entwickeln, anhand derer sich das Abklingen der Symptome mit zunehmendem Alter vorhersagen lässt. „Die von uns geplanten Forschungsarbeiten werden einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten haben“, ist sich Professor Bieber sicher.

Schulungsangebote

Als Brücke zwischen Forschung und Patienten soll in dem CK-CARE-Projekt darüber hinaus untersucht werden, wie sich die Beschwerden von Neurodermitis-Erkrankten durch Schulungen von Ärzten und Patienten mildern lassen. Das Universitätsklinikum Zürich wird dabei erforschen, wie sich solche Trainings möglichst effektiv gestalten lassen. Das Zentrum Allergie & Umwelt München will Umweltfaktoren ermitteln, die Allergien auslösen. Das Institut für Allergie- und Asthmaforschung Davos erforscht die molekularen Mechanismen, die an der Entwicklung und dem Fortschreiten der Neurodermitis beteiligt sind. Und der Frage, welche Faktoren vor der Entwicklung einer Allergie schützen, geht die Kinderklinik in St. Gallen nach.


Autorin: Johannes Seiler, Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Thomas Bieber
Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Bonn
E-Mail: Thomas.Bieber@ukb.uni-bonn.de

Quelle: © 1995-2014 Informationsdienst Wissenschaft e. V.
06.05.2014 09:47


Anm. der Redaktion: In Deutschland gibt es bereits seit Jahren ein Schulungsangebot unter der Federführung der Hautklinik der Charité, Berlin, Prof. Dr. med. U. Wahn. Die AGNES wurde in Zusammenarbeit mit vielen medizinischen und anderen relevanten Fachorganisationen, Rehakliniken sowie den namhaften deutschen Selbsthilfeorganisationen entwickelt.




Seite weiterempfehlen