Gartenpflanzen und Allergie

05.04.2013Nicht alles was natürlich ist ist auch für die Haut unproblematisch. Im Garten lauern viel Gefahren für die Haut und für die Atemwege. Auch unproblematische Haut ist häufig sensibler gegen natürliche Wirkstoffe als man glaubt. Hier ein paar regeln und Überlegungen vor dem Pflanzen oder Aussäen.

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Einen allergenfreien Garten wird es nie geben. Aber die Auswahl allergenarmer Pflanzen kann dazu beitragen, den Garten auch genießen zu können, z.B. bei gleichzeitiger Pollenallergie. Wie auch bei Zimmerpflanzen sollte der direkte Hautkontakt vermieden werden. Bei unerklärlichem Auftreten von Hustenreiz, Fließschnupfen oder Juckreiz denken Sie daran, dass dies nicht nur durch Zimmer- sondern auch durch Gartenpflanzen ausgelöst sein kann.

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Gut geeignet sind meist ein- und zweijährige Beetpflanzen; dazu gehören Clematis, Löwenmaul, Stiefmütterchen, Petunie, Fleißiges Lieschen, Begonie, Lobelie, Vergissmeinnicht, Phlox, Schneeflöckchen (Bacopa), Buntnessel, Bechermalve und Kapuzinerkresse. Diese eignet sich nicht nur als idealer Füller für Hausecken und schattige Plätze, die Blüten können auch verzehrt werden. Achten Sie beim Kauf der Samen auf den entsprechenden Hinweis auf dem Tütchen.

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Als Stauden eignen sich Agapanthus, Edeldistel, Tränendes Herz, Prachtspiere (Astilbe), Fackellilie, Funkien, Ehrenpreis, Bergenie, Hortensie und Rittersporn. Bodendecker wie Frauenmantel, Kriechender Günsel, Storchschnabel, Schneeheide, Elfenblume, Sonnenröschen und Immergrün sind pflegeleicht und bei wechselnder Bepflanzung immer eine bunte Augenweide. Die Stockrose kann Hustenreiz auslösen, Personen mit einer Duftstoffempfindlichkeit bzw. Asthma sollten duftende Rosenarten meiden. Sollten Sie eine Herkulesstaude in Ihrem Garten finden oder vermuten, so ist absolute Vorsicht angeraten, hier sollten Sie die Hilfe des örtlichen Bauhofs oder der Gartenbauamtbehörde in Anspruch nehmen.

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Kräuter sind in den meisten Fällen alle geeignet. Insektengiftallergiker und Duftstoffempfindliche sollten allerdings sorgfältig auswählen. Auch wenn die ätherischen Öle der Kräuter ein „Naturprodukt“ sind, so können doch einzelne Arten bei empfindlicher Nase störend wirken, so z.B. Salbei oder Thymian. Hautreizend wirken dagegen Beifuß, Schafgarbe, Wegerich und Brennnessel (Acetylcholin, Histamin), sie haben wie auch Knoblauch, Zwiebel, Kohl, Radieschen (Lauchöle) oder Senf (Senföl) in einem allergenreduzierten Garten nichts zu suchen. Verzichten Sie im Gemüsegarten auf Pflanzen wie Rüben (Lauchöle), Garten-Bohne (Lektine/Toxalbumine) und Paprika (Capsaicin), ihre Haut, Blätter bzw. Kerne sind ebenfalls hautreizend.

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Ein Blumenbeet sollte ohne Narzissen und Osterglocken auskommen (Oxalsäure- und Salze, Alkaloide), sie sind wie Iris, Schwertlilie (Scharfstoffe, Caoxalat), Hyazinthe (Caoxalat, Scharfstoffe), Anemone (Laktonglykoside), Geranie (Öle), Vogelknöterich (Oxalsäure- und Salze), Fingerhut (Cardenolide) und Fuchsschwanz bei direktem Kontakt stark hautreizend.

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Als Kletterpflanzen bieten sich Wilder Wein, Weinrebe und die Sternhortensie an. Wegen der hautreizenden Wirkung ungeeignet ist Efeu (Polyine). Geeignete Sträucher sind z.B. Kamelie, Forsythie, Spierstrauch und Hortensie, allgemein Pflanzen mit geschlossenen Blüten. Ungeeignet sind Ziergras, Liguster und Oleander, auch hier ist eine hautreizende Wirkung möglich. Der Duftschneeball kann bei Personen mit einer Zimtaldehyd-Allergie Haut- und Atemwegsreizungen auslösen, aus den Blüten wird/wurde Zimtaldehyd gewonnen.

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Obstbäume sollten in einem Garten nicht fehlen, allerdings ist Vorsicht bei Insektengiftallergie geboten, reife Früchte sind natürlich ein Anziehungspunkt für Wespen, Bienen und Insekten. Besonders gut geeignet sind daher Bäume wie Kastanie, Linde, Magnolie, Pappel und Zierquitte. Nicht nur für Pollenallergiker, sondern auch wegen der hautreizenden Wirkstoffen in Blättern und Rinde sind Ahorn, Birke, Eiche, Erle und Haselnuss gänzlich ungeeignet.

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Kompost ist der aggressivste Sporenmix, da kommt zusagen alles zusammen. Die Garten- bzw. Komposterde ist ein Sammelbecken für Schimmelpilzsporen, Pollen, Kot von Tieren und Kleinstlebewesen und deshalb für jeden Allergiker „reizend“. Allergiker sollten sich hier fernhalten und das Kompostieren dem Nachbarn überlassen.

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Unkraut muss möglichst komplett aus dem Boden gezogen werden, am besten nach einem ausgiebigen Regen, wenn die Erde weich und nachgiebig ist. In Hecken sammeln sich neben Käfern und anderem Getier vor allem an heißen Tagen Mücken. Insektengiftallergiker wissen, dass auch Mücken schmerzhafte allergene Stiche „verteilen“ können. Die Hecke sollte daher eventuell vor dem Schneiden nass abgespritzt werden. Alternativ kann beim Rechen der abgeschnittenen Pflanzenteile eine körperbedeckende Kleidung getragen werden.

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Zum besseren Schutz vor Allergenkontakt bzw. bakteriellen Entzündungen bei sensibler Haut sollte die Gartenarbeit nur mit Schutzhandschuhen, je nach Belastung und Schwere der Beschwerden mit  mund- oder Nasenschutz ausgeübt werden. Latexfreie Handschuhe schützen die Hände und ersparen das häufige Händewaschen und somit das Austrocknen der Haut. Nach der Gartenarbeit werden die Hände und freien Hautflächen gründlich gewaschen (eventuell auch die Haare) und eingecremt. Bitte tragen Sie keine „kontaminierte“ Gartenkleidung in die Wohnräume.
Und zum Schluss noch ein Buchtipp: „Das Gartenbuch für Allergiker“; Lucy Huntington, vgs Verlag sowie „Allergiefreier Garten. Freude am Garten – trotz Allergien“; Brigitte Klemme, Kosmos Verlag.

Autorin: Roswitha Stracke www.allergieberatung-stracke.de




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