Haut als Sinnes - und Kontaktorgan

06.12.2009Sinnesorgan Haut – das unbekannte Wesen. Befragungen zeigen immer wieder, dass die Haut nicht als Organ wahrgenommen wird, dabei ist es das größte und schwerste Organ des Menschen. Doch es ist auch ein sehr empfindliches, ja hauchdünnes Organ. Meist sind es wenige Millimeter, die Innen- und Außenwelt trennen.

Die äußerste Schicht, die Oberhaut, ist mehr für die Abwehr als für die Sinnesempfindungen zuständig. Sie hat ein eigenes Schutzschild: Neben widerstandsfähigen Hornzellen wird die Hautoberfläche von einer Wasser-Fett-Schicht bedeckt, die von den Schweiß- und Talgdrüsen gebildet wird. Dieser Schutzfilm wirkt wie eine schwache Säure und schützt so die Haut vor Bakterien und Pilzbewachs. Die Oberhaut ist Außenstelle des Immunsystems, eindringende Fremdstoffe lösen Alarm aus.
Unter der hauchdünnen Oberhaut sitzt die wesentlich dickere Lederhaut. Die Lederhaut ist sehr robust und trotzdem elastisch, aber vor allem sehr feinfühlig. Der Zustand der Lederhaut entscheidet, ob eine Haut glatt oder faltig und ausgetrocknet aussieht. Dahinter stecken die Kollagenfasern, kleinste Blutgefäße und Lymphbahnen. Zahlreiche Nervenfasern und winzige Sinnesorgane stecken in dieser Schicht, die die verschiedensten Empfindungen registrieren können. Kälte, Wärme, Wohlgefühl und Zittern, dies alles entsteht in dieser Schicht.
Bei einer heißen Herdplatte melden die Sinneszellen in der Haut in Bruchteilen von Sekunden Alarm. Dies löst einen Reflex aus, die Hand wird blitzschnell zurückgezogen. Diese Fähigkeit schützt vor Verbrennungen und Erfrierungen. Aus leidvoller Erfahrung wissen alle, dass die Rezeptoren auch Schmerzen und Druck direkt weiter leiten. Damit ist die Haut mit Abstand das vielseitigste der Sinnesorgane. Im Gegensatz zu spezialisierten Augen und Ohren sitzen mehr als eine Sorte von Sinneszellen in der Haut, die verschiedensten Empfindungen registrieren und verarbeiten. So gibt es Rezeptoren für Kälte, Wärme, Druck und Berührung, Vibrationen und Schmerz.
Auf einem Quadratzentimeter Lederhaut finden sich durchschnittlich:

Sinneszellen können freie Nervendigungen sein, das sind verzweigte Nervenfasern, die einfach wie abgeschnitten im Gewebe enden, ohne dass ein spezieller Rezeptor dazugehört. Diese freien Nervenendigungen sind vor allem für Schmerzempfindungen zuständig.
Seltsam geformte Sinneszellen wie kleine Kolben, Spindeln oder Scheiben mit merkwürdigen Namen, ihrer Entdecker, wie Meißnersche Körperchen (Tastsinn) oder Merkelsche Tastscheiben, gehören ebenso zum Sinnesorgan Haut.

Die Bedeutung des Sinnesorgans zeigt sich im Gehirn. Bereiche, die für die Verarbeitung der Hautsignale zuständig sind, nehmen viel Platz ein. Nervenfasern, die Tastreize von der Haut zum Gehirn leiten, haben einen größeren Durchmesser als die Nervenfasern, die Reize von anderen Sinnesorganen zum Gehirn leiten. Im Gehirn sind große Bereiche für die Hautwahrnehmungen reserviert. Manche Hautgebiete wie Fingerspitzen und Lippen haben mehr Verarbeitungsplatz im Gehirn mehr Platz ein als andere. Daraus leiten Biologen auch erhöhte Empfindlichkeiten ab.

Die Zusammenhänge zwischen empfindlicher Hautwahrnehmung und Psyche lesen Sie hier: Hautkontakt – überlebenswichtig?!




Seite weiterempfehlen