Wie viel Sonne braucht der Mensch?

04.08.2013Dazu werden die Wissenschaftler der zur Klinik und Poliklinik für Dermatologie gehörenden Arbeitsgruppe „Experimentelle Photobiologie“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus bei Probanden mit verschiedenen Hauttypen den Vitamin-D-Status im Jahresverlauf untersuchen. Für diese Studie suchen die Forscher innenbeschäftigte Teilnehmer (Nichtraucher) zwischen 18 bis 30 oder 40 bis 65 Jahren mit Hauttyp II (normale bis leicht erhöhte Sonnenbrandneigung) oder Hauttyp III (geringe Sonnenbrandneigung). Die Teilnehmer tragen über 1,5 Jahre hinweg von September 2013 bis Mai 2015 eine kleine UV-Dosimeterplakette zur Bestimmung der persönlichen Sonnenexposition auf der äußeren Kleidung, bekommen acht Mal Blut abgenommen und erhalten eine Aufwandsentschädigung von 215 Euro.

Für etwa 75 Prozent der Bevölkerung liegt der Vitamin-D-Status im Sommerhalbjahr allein aufgrund der erhöhten Lichtintensität und ohne jegliche Sonnenbäder auf ausreichenden Level. Es werden sogar in gewissem Umfang Reserven gespeichert. Auf diese Reserven müssen wir im Winterhalbjahr zurückgreifen. Dann reicht die Wirksamkeit der Sonne nicht mehr aus, ausreichend Vitamin D zu bilden. In Deutschland rutsch dann mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter den Bereich eines ausreichenden Vitamin-D-Spiegels im Blut. Sonnenbäder sind aber keine Alternative, um höhere Winterreserven anzulegen. Sie würden auf lange Sicht das Hautkrebsrisiko erhöhen.
Solarienbestrahlungen im Winterhalbjahr vermögen prinzipiell den Vitamin-D-Status zu erhöhen. Doch ist die Vitamin-D-Bildung bei kosmetischen Solarienbestrahlungen nur etwa zu 30 Prozent so effektiv, wie durch die natürliche Sonnenstrahlung. Denn Vitamin D wird durch UV-Strahlung in der Haut gebildet, aber gleichzeitig immer auch durch diese UV-Strahlung zerlegt. Bei Solarienstrahlern verschiebt sich das Verhältnis offensichtlich zu Ungunsten der Vitamin-D-Bildung. Und das Ausmaß der kosmetischen Solarienbesuche führt auch zu einer zusätzlichen Erhöhung der lebenslangen UV-Dosis und damit des Hautkrebsrisikos.

Die in der Studie ermittelten wissenschaftlichen Daten bilden die Basis für künftige Empfehlungen zur richtigen Dosierung der UV-Strahlen der Sonne. Ziel des vom Bundesamt für Strahlenschutz beauftragten Forschungsprojektes ist es, der Bevölkerung in Deutschland das richtige Maß an Sonnenbestrahlung zu empfehlen, das im Spannungsfeld zwischen der gesundheitsförderlichen Bildung des Vitamin-D3 und den gesundheitlichen Risiken wie Hautkrebs liegt.

Untersucht werden in der aktuellen Studie zum einen Personen, die in dem genannten Zeitraum ihren Urlaub nur nördlich der Alpen verbringen. Im Winterhalbjahr erhalten sie ein Vitamin-D-Präparat gemäß Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Zum anderen werden Personen gesucht, die in diesem Jahr und im nächsten Jahr einen Strandurlaub am Mittelmeer verbringen oder in diesem Jahr schon verbracht haben. In einer weiteren Gruppe mit Solariennutzern untersuchen die Wissenschaftler, inwieweit netto ein Plus für den Vitamin-D-Spiegel im Winterhalbjahr erhalten bleibt.

Nahrung kann nur einen kleinen Teil Vitamin D3 liefern


Das Vitamin D3 – wissenschaftlich betrachtet ein Hormon und kein Vitamin – spielt eine entscheidende Rolle beim Einbau von Kalzium in den Knochen und sorgt so für deren Stabilität. Doch die Funktionen des Vitamins sind weit vielfältiger: Aktuelle Forschungen schreiben ihm gewisse Schutzwirkungen gegen verschiedene Tumorarten wie Brustkrebs, Prostatakrebs oder Mastdarmkrebs zu. Gebildet wird dieses wichtige Vitamin vor allem in der menschlichen Haut – unsere typische Nahrung dagegen kann nur einen kleineren Teil liefern. Voraussetzung für die körpereigene Produktion ist jedoch eine Mindestmenge der im Sonnenlicht enthaltenen energiereichen ultravioletten (UV) Strahlung.

Kontakt für Interessenten:

Für Meldungen oder Rückfragen können sich Interessenten telefonisch unter 0351-458 3155 bzw. per Email an Henriette.Roensch@tu-dresden.de melden.

31.07.2013
Konrad Kästner Pressestelle
Technische Universität Dresden





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