Bräune aus der Tube

06.04.2010
Immer früher im Jahr wünschen sich Verbraucher eine natürliche Hautbräune. Besonders nach einem sonnenarmen Winter sind Gesichter und erst recht Arme und Beine käsig weiß. Im kurzen Rock und T-Shirt sieht vornehme Blässe nicht trendig aus. Trotz Warnungen der Dermatologen gilt Bräune immer noch als schick oder gar gesund aussehend. Die Kosmetikindustrie hat 100 und 1 Produkte für die Bräunefans im Angebot. Ob Spray, Lotion oder Creme die Wirkweise ist ähnlich. 

Anders als bei UV Strahlen, die mit gesundheitlich bedenklichen Wirkungen einhergehen, finden Selbstbräuner auch bei Hautärzten Zustimmung. Die Bräunung der Haut wird bei Selbstbräunern meist durch den Wirkstoff DHA (Dihydroxiaceton) ausgelöst. Dabei handelt es sich um ein zuckerartiges Molekül, das auch im Körper vorkommt. 

Eher zufällig stießen Forscher vor fast 100 Jahren auf diesen Stoff. Bei der Suche nach Süßstoffen für Diabetikern wurde die Substanz Dihydroxyaceton (DHA) untersucht, als Süßstoff war es unbrauchbar, aber bei Kindern wurde eine Braunverfärbung der obersten Hautschicht beobachtet. Erst nach dem 2. Weltkrieg ging die Vermarktung von DHA als Selbstbräuner los. Die Hautverfärbung kommt durch eine Reaktion des DHA mit Eiweißen der oberen Hautschicht (Hornschicht) zustande und dabei bilden sich Melanoidine. Bekannt ist diese Reaktion als Maillard-Reaktion. Je höher die DHA-Konzentration - je nach Produkt zwischen 2 und 10 % - desto schneller entwickelt sich die Bräune und desto tiefer ist der Farbton. Die Haltbarkeit der Bräune wird aber nicht dadurch beeinflusst. Für die optimale gleichmäßige Bräune ist am besten vorher ein Peeling durchzuführen, nach etwa 1-2 Stunden ist die Bräune da. Diese DHA-Bräunung hält mehrere Tage an, nach zwei bis drei Tagen beginnt die langsame Abstoßung der gefärbten Hornhautschicht. Dies zeigt sich in einer blasser werdenden Hautfarbe. Der Bräunungsvorgang mit DHA greift nicht in lebende Hautzellen ein. Die schon abgestorbenen Zellen der Hornschicht werden nach und nach von der Körperoberfläche abgestoßen und aus den tieferen Hautschichten kontinuierlich neu nachgeschoben. Langfristige mögliche Schädigungen von Hautzellen werden noch von Dermatologen untersucht, bisher sind keine nachteiligen Wirkungen bekannt. Selbstbräuner können das ganze Jahr über angewendet werden. Aus bisher unbekannten Ursachen wirkt bei 10 bis 15 % der Bevölkerung DHA nicht. Dabei ist es gleichgültig, welches Produkt angewendet wurde.

Hauttönung durch Selbstbräuner schützt nicht vor UV-Strahlen. Im Gegensatz zur natürlichen Hautbräunung wird mit DHA keine Schutzwirkung gegen Sonnenbrand erreicht. Sonnenbaden deshalb nur mit Sonnencreme oder Selbstbräuner, die mit einem UV-Filter angereichert sind. 
DHA ist sehr empfindlich gegen Licht und Wärme. Wenn der Selbstbräuner länger in der Sonne oder im warmen Badezimmer stand, verdirbt er. Zu erkennen ist dies am stechenden Geruch: Wenn es stinkt, ab in den Müll. Selbstbräuner sind begrenzt haltbar, am besten innerhalb eines halben Jahres aufbrauchen.




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