Wenn der Schuh drückt - Entstehung von Hyperkeratosen, Callositas und Clavi

01.02.2011Diese gemeinen Stellen an den Füßen sind meist harmlos, aber sie schmerzen sehr. Laufen, Sport oder Tanzen wird zur Qual. Sind immer die Schuhe schuld oder kann es auch am Gehstil liegen oder gibt es gar „Hühneraugenveranlagung“?


Wie entsteht nun eigentlich „harte Haut“ an den Füssen, aber auch an Händen oder Ellbogen?
Klären wir zunächst die unterschiedlichen Begriffe. Wird von Hyperkeratosen (hyper= übermäßig; Keratos=Horn) gesprochen, so ist eine Mehrproduktion von Hornhaut gemeint. Sie erscheint sehr oft als schuppig und trocken aussehende Verdickung. Hyperkeratose steht zudem als Überbegriff für die unterschiedlichsten Verhornungen. Eine Druckstelle hingegen ist eine Unterart der Hyperkeratose. Sie wird auch als Schwiele oder lateinisch als Callositas bezeichnet. Sie ist üblicherweise eher flächig und nicht schuppend. Durch ihre gelbliche Farbe unterscheidet sich die Callositas von der normalen Haut. Die Schwiele liegt meist im Hautniveau, während die Hyperkeratose über Hautniveau zu finden ist. Wird nun ein permanenter Druck zusammen mit einer mechanischen Reibung auf die Schwiele ausgeübt, so entsteht ein Hühnerauge (lat. Clavus).

Ein Clavus ist eine besondere Form der Hornhautbildung. In der Mitte der Hornhautverdickung wächst aufgrund von Druck ein dornförmiger Hornkern nach unten in das Gewebe. Je stärker der Druck, desto tiefer wächst der Dorn. Ist er an der Knochenhaut angelangt, wird der Schmerz kaum erträglich.
Nach Beschaffenheit und Lokalisation der Verhornung am Fuß unterscheiden Mediziner und Podologen (medizinische Fußpfleger) verschiedene Arten von Clavi:
- Clavus durus (hartes Hühnerauge): Hierbei handelt es sich um eine über Hautniveau liegende, örtlich begrenzte Verschwielung mit extrem festem Hornkern. Ein Clavus durus tritt an Stellen auf, die eine punktuelle Überbelastung haben.
- Clavus mollis (weiches Hühnerauge): Es befindet sich stets zwischen den Zehen. Aufgrund des dort vorherrschenden feuchten Milieus bleibt die Verschwielung weich.
- Clavus neurovascularis ist ein Hühnerauge, das Nervenenden enthält und mit Blutgefäßen durchzogen ist. Lokalisiert sind Clavi neurovascularis stets an den Zehenkuppen oder am Zehengelenk dorsal.
- Clavi neurofibrosus enthalten Fasern und Nerven. Sie kommen an der Fußsohle vor und breiten sich großflächig aus.

Eine Mehrproduktion der hornbildenden Zellschichten der Epidermis (=Hornhaut) kann nun unterschiedliche Ursachen haben. Meistens sind es mechanische Reize, wie zu enges Schuhwerk oder Kompressionsstrümpfe, die eine Druckstelle auslösen. Aber es könnte auch eine Erkrankung der Haut dahinterstecken. Dazu gehören Neurodermitis, Ichthyosis, Psoriasis und eine Reihe von Ekzemen, die eine gesteigerte Hornhaut bilden. Nicht unerheblich sind hormonelle Störungen, wenn es um eine Überverhornung geht. Gerade Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenunterfunktion lassen eine starke Austrocknungstendenz der Haut beobachten.
Ähnliche Auslöser haben auch die Clavi. An erster Stelle stehen physikalische Kräfte (Druck und Reibung). Übermäßiger Druck erzeugt Reibung und Reibung erzeugt Wärme und Hitze. Um sich vor „Verbrennungen“ zu schützen, steigert der Körper die Durchblutung in den betroffenen Stellen. Diese Mehrdurchblutung bewirkt einen besseren Abtransport der Hitze. Bleibt die Mehrbelastung länger bestehen, zum Beispiel während einer Wanderung, so ist die Haut in der Lage die Papillen der Basalschicht (Cutis) zu verlängern, um die Haut besser zu durchbluten. Durch diese gute Blutversorgung und die damit verbundene Mehrversorgung der Mutterzellschicht produziert diese vermehrt Hautzellen, die in kürzester Zeit an die Oberfläche (stratum corneum) gelangen. Eine Hornhaut ist an dieser Stelle entstanden.
So betrachtet ist eine Schwiele eine Schutzreaktion unserer Haut. Bleibt diese Schwiele jedoch unbehandelt, entstehen schmerzhafte Hornmassen, die immer stärker werden. Gefährlich wird es für Menschen mit Erkrankungen des Nervensystems. Eine Neuropathie (Nervenschädigung) am Fuß kann dazu führen, dass der Betroffene den Schmerz nicht mehr wahrnimmt und es so zu einem größeren Hautdefekt (Ulkus) kommt. Bedenklich ist ein Übersehen und Nichtbehandeln beim Clavus mollis, dem Zwischenzehenhühnerauge. Hierbei geht der Hornkeil schnell in die Tiefe, sodass Knochenhaut und/oder Knochen bald betroffen sind. Im schlimmsten Fall droht eine Amputation.

Fachliche Beratung Podologin Carmen Schardig

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Autorin: www.susanne-miesera.de




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