Sicheres Spielzeug

21.09.2015

Ralph Dühring, Laborleiter Elektronik & Technik des Hohenstein Instituts  beantwortet Fragen zu den verschiedenen Anforderungen, die sicheres Spielzeug erfüllen muss. Aber woran erkennt man sicheres Spielzeug?
Grundsätzlich darf innerhalb der Europäischen Union nur sicheres Spielzeug verkauft werden. Dieses ist mit einer CE-Kennzeichnung versehen. Mit dieser bestätigt der Hersteller, dass das Produkt den gesetzlichen Anforderungen des Europäischen Parlaments und des Rates über die Sicherheit von Spielzeug entspricht.

Aber trotzdem werden bei den wöchentlichen Produktwarnungen bzw. –rückrufen der EU unter www.rapex.eu auch immer wieder Spielwaren aufgeführt.

Wie kann das sein?

Leider lassen nicht alle Hersteller ihre Produkte durch unabhängige Prüfhäuser wie Hohenstein Institute prüfen. Dies würde oft eine deutlich objektivere Sicht auf das Spielzeug bieten. Zudem tauchen im Handel immer wieder Produkte mit gefälschtem bzw. abgewandeltem CE-Zeichen auf. In beiden Fällen kann daher die Benutzung gefährlich sein und die Produkte müssen entsprechend vom Markt genommen werden.

Kann ich als Händler oder Käufer denn die Sicherheit von Spielzeug selbst überprüfen?

Die Sicherheit von Spielzeug kann selbst von uns als Experten nicht über den reinen Augenschein beurteilt werden. Dazu sind aufwändige Laboruntersuchungen notwendig, die nahezu immer Grundlage des besagten CE-Zeichens sind. Aber Vorsicht ist immer geboten, wenn Produkte zum Beispiel einen beißenden oder unangenehmen Geruch verströmen. Außerdem kann man auf die Verarbeitung achten - diese sollte sauber und ordentlich sein. Ansonsten muss man sich auf verlässliche Prüfsiegel verlassen.

Welche sind die verlässlichsten Prüfsiegel?

Große Sicherheit beim Kauf textiler Spielwaren wie Stofftieren bietet das Label „Textiles Vertrauen“. Dieses dürfen nur Produkte tragen, die nach OEKO?TEX® Standard 100 auf Schadstoffe hin überprüft wurden und deren Materialien somit gesundheitlich unbedenklich sind. Das Hohenstein Qualitätslabel darf nur Spielzeug führen, dessen Qualität über die gesetzlich geforderte Sicherheit hinausgeht.

Unter welchen Gesichtspunkten testen Sie Spielzeug?

Grundsätzlich geht es um die Unbedenklichkeit in Bezug auf mechanische, physikalische und chemische Risiken. Bei elektrischem Spielzeug kommt noch die elektrische Sicherheit hinzu. Die Spielzeug?Richtlinie berücksichtigt außerdem spezielle Kriterien wie Entzündbarkeit, Radioaktivität und Hygiene.

Was sind konkrete Beispiele für solche Risiken, die es zu vermeiden gilt?

Da ist zum Beispiel der Lack von Bauklötzchen, der keine gefährlichen Schwermetalle enthalten darf. Kunststoffteile, die beim Herunterfallen zerbrechen und dadurch entstehende messerscharfe Kanten. Oder auch Magnete, die verschluckt werden können, im Verdauungstrakt zusammenfinden und einen Darmverschluss verursachen. Auch Geschosse aus einer Spielzeugwaffe, die mit zu viel Federkraft abgefeuert werden, sind gefährlich, wenn Sie ins Auge treffen. Kleine Schaumstoffkügelchen aus Füllungen wirken harmlos. Wenn sie durch Speichel wie ein Schwamm aufquellen, können sie aber im schlimmsten Fall zum Erstickungstod führen. Traurige Realität sind auch immer wieder Faschingskostüme, die lichterloh brennen, wenn sie z. B. mit einer Zigarette in Kontakt kommen.

Welche Mängel treten bei den Spielzeugprüfungen besonders häufig auf?

Immer wieder tauchen chemische Mängel auf. Diese können sich aus Anforderungen der Spielzeugnormen, aber auch der Europäischen Chemikalienverordnung Reach ableiten. Aus dem mechanischen Repertoire gibt es immer wieder Risiken durch Kleinteile, die verschluckt und/oder eingeatmet werden können. Hinzu kommen scharfe Kanten oder lose Schnüre, die ein Strangulationsrisiko mit sich bringen.

Ist Spielzeug aus China besonders stark mit Schadstoffen belastet?

Der größte Teil der China?Importe ist unbedenklich. Dafür sorgen u. a. strenge Auflagen der Importeure, Handelsunternehmen und Discounter, die sie in Deutschland verkaufen. Diese drängen auch auf regelmäßige Kontrollen, die dann von uns gerne übernommen werden, um mögliche „Schwarze Schafe“ aufzuspüren.

Wie gehen Sie als Experte beim Spielzeugkauf vor?

Zunächst einmal wähle ich Spielzeug immer passend zum Alter und damit den Fähigkeiten meiner Kinder aus. Dann sind für mich eine gute Verarbeitung und ein neutraler Geruch sehr wichtig. Wenn ein Hersteller in Qualität investiert, hat das seinen Preis. Ich kaufe deshalb lieber weniger, aber hochwertigeres Spielzeug, für das ich dann auch bereit bin, mehr zu zahlen. Eine wichtige Entscheidungshilfe ist das Hohenstein Qualitätslabel. Bei diesem bin ich mir sicher, dass das Spielzeug von mir und meinen Kollegen auf Herz und Nieren überprüft wurde.


Quelle: Presseinfo Hohenstein Institut. 16.09.2015





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