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18.05.2022

Brandgefahr durch Emollenzien

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Emollenzien sind unverzichtbare Therapeutika zur Behandlung verschiedener Hautkrankheiten. Sie können jedoch die Entflammbarkeit von Textilien erhöhen. Patienten sollten über dieses Risiko aufgeklärt und über Maßnahmen zur Verringerung der Brandgefahr beraten werden.

Hintergrund

Die Behandlung mit Emollenzien gehört zu den Basistherapien bei vielen dermatologischen Krankheiten, z. B. der atopischen Dermatitis oder Psoriasis. Die Lotionen, Cremes, Salben, Sprays oder Gele enthalten Feuchtigkeitsfaktoren wie Urea oder Glycerol Okklusiva und häufig Vaseline, die die Haut abdichten und so den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) verringern. Leider kommt es immer wieder zu Brandverletzungen bei Patienten, die Emollenzien verwenden. In England wurden von 2010 – 2017 37 Todesfälle durch Brände im Zusammenhang mit der Anwendung von Emollenzien dokumentiert. Ein britisches Autorenteam hat nun einen kurzen Review zum derzeitigen Stand des Wissens rund um das Brandrisiko beim Einsatz von Emollenzien zusammengefasst und auf der Plattform BMJ Practice veröffentlicht [1].

Brandbeschleuniger auf Textilien

Emollenzien an sich sind sowohl auf der Haut als auch in ihrem Behälter schwer entflammbar. Sie können jedoch wie Brandbeschleuniger wirken, wenn sie an Textilien haften bzw. in diese einziehen. Nach dem Anwenden gelangen Emollenzien-Reste von der Hautoberfläche auf die Kleidung oder das Bettzeug des Patienten sowie auf die Möbel. Beim Waschen der Textilien werden Emollenzien in der Regel nicht völlig entfernt. Im Laufe der Zeit akkumulieren die Emollenzien-Rückstände in den Textilien und wirken dann als Brandbeschleuniger, wenn der Stoff mit einer offenen Flamme in Kontakt kommt.

Entflammbarkeit von Stoffen mit Creme-Resten

Hall et al. führten 2019 Versuche zum Tempo der Entflammbarkeit bei zwei verschiedenen Stoffen mit und ohne Creme-Rückstände durch. Bei den Textilien handelte es sich um einen Stoff aus 100% Baumwolle und ein Mischgewebe aus 52% Polyester und 48% Baumwolle. Beide Stoffe wurden einmalig mit einer Creme, die 14,5% weiße Vaseline und 12,6% flüssiges Paraffin enthielt, behandelt. Anschließend ließ man die Stoffe 24 Stunden trocknen. Während der unbehandelte Baumwollstoff nach 68 Sekunden Kontakt mit einer offenen Flamme Feuer fing, entzündete sich der behandelte Stoff bereits nach 6 Sekunden. Das unbehandelte Mischgewebe brannte erst nach mehr als 5 Minuten (336 Sekunden) Kontakt mit der Flamme, das gleiche Gewebe mit eingetrockneten Cremeresten jedoch bereits nach 12,2 Sekunden [2].

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Auch ohne Paraffin brandgefährlich

Zuerst glaubte man, dass ausschließlich Produkte mit einem hohen Paraffingehalt mit einem erhöhten Brandrisiko verbunden sind. Neuere Untersuchungen zeigten jedoch, dass auch Präparate mit geringem Paraffingehalt und sogar paraffinfreie Produkte auf der Basis von Rizinusöl oder Hafermehl als Brandbeschleuniger wirken können.

Risikofaktoren für Brandverletzungen

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko von Brandverletzungen bei der Anwendung von Emollenzien:

• Die Anwendung der Emollenzien auf großen Hautflächen, insbesondere dann, wenn die Kleidung wiederholt mit den Produkten in Kontakt kommt, selten gewechselt und/oder gewaschen wird.
   
 • Rauchen des Patienten oder einer Pflegekraft: Sowohl die brennende Zigarette als auch die Flamme von Streichholz oder des Feuerzeugs können zur Brandquelle werden.
    
• Mangelnde Fähigkeit sich bei einem Brand schnell selbst helfen zu können. Gefährdet sind vor allem Personen mit eingeschränkter Mobilität, Demenz oder kleine Kinder.
    
• Die Anwendung von Sauerstoff.
    
• Nutzung von Airflow-Matratzen oder Kissen.
    
• Stoffe aus natürlichen Fasern sind schneller entflammbar und brennen leichter, aber die Verletzungen durch geschmolzene Kunststoffasern sind sehr schmerzhaft und schwer zu behandeln.

Den Autoren des Reviews sind keine Fälle von Verbrennungen im Zusammenhang mit Emollenzien und Wärmequellen ohne offene Flammen bekannt. Aber es ist durchaus möglich, dass höhere Temperaturen die Entflammbarkeit von Emollenzien und Textilien zusätzlich beschleunigen.

Management von Brandwunden durch Emollenzien

Ob eine Verbrennung im Zusammenhang mit der Anwendung von Emollenzien steht, ist in der Regel nur im Rahmen der Anamnese zu klären. Die Autoren des Reviews bitten Ärzte, die wegen Brandverletzungen konsultiert werden, explizit nach der Verwendung von Emollenzien zu fragen und positive Antworten in der Patientenakte zu dokumentieren, um die Datenlage zu diesem Risiko zu verbessern. Die Brandwunden durch Emollenzien werden genauso behandelt wie andere Verbrennungen.

Risikominimierung und Vorbeugung

Patienten, die Emollenzien aus medizinischen Gründen anwenden, sollten diese Behandlung keinesfalls abbrechen, denn sie ist in vielen Fällen ohne Alternative. Aber sie sollten ebenso wie andere Anwender von Emollenzien darüber aufgeklärt werden, dass die Rückstände von Emollenzien in Textilien und anderen Materialen wie Brandbeschleuniger wirken und die Entflammbarkeit der Materialien stark erhöhen. Zur Verringerung des Brandrisikos sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:

• Beim Kochen sollte keinesfalls langärmelige oder sehr lockere Kleidung getragen werden.
    
• Offene Flammen sollten gemieden werden: Sicherheitsfeuerzeuge sind zu empfehlen.
    
• Rauchen sollte aufgegeben werden, eventuell sollte E-Zigaretten oder entsprechende Verdampfer empfohlen werden.
    
• Ärzte, die die Anwendung von Emollenzien empfehlen bzw. solche Produkte verschreiben, sollten die Patienten, ggf. deren Pflegekräfte und Angehörige auf das erhöhte Brandrisiko aufmerksam machen.  
    
• Kleidung, die mit Emollenzien in Berührung kommt, sollten regelmäßig gewechselt und gewaschen werden. Allerdings können trotz der Wäsche noch Rückstände in den Textilien verbleiben.

Quellen:
Ridd, Hall, Lane (2022): Burns with emollients. BMJ ;376:e066102 DOI: 10.1136/bmj-2021-066102
Hall, Franklin, Bull (2019): The flammability of textiles when contaminated with paraffin base products. Fire Safety Journal 104:109-116 DOI: 10.1016/j.firesaf.2019.01.003

Quelle: Information: Gelbe Liste, Pharmaindex

Autor: Barbara Welsch (Medizinjournalistin)

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