Ich komme mit meiner Neurodermitis nicht gut klar
Es ist völlig verständlich, wenn du mit der Neurodermitis nicht klarkommst – die psychische Belastung wird oft unterschätzt, ist aber real und erheblich.
Der nächtliche Juckreiz führt zu Schlafmangel, was Konzentration und Stimmung beeinträchtigt. Viele Betroffene leiden unter Scham, sozialer Isolation oder vermindertem Selbstwertgefühl. Diese Gefühle sind kein Zeichen von Schwäche, sondern eine normale Reaktion auf eine chronische Erkrankung.
Wichtig: Psychische Faktoren verschlimmern die Symptome, sind aber nicht die Ursache. Es gilt eine Wechselwirkung: Stress → Hautschub → noch mehr Stress. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist entscheidend.
Effektive Hautpflege
Die Basis jeder Therapie ist die konsequente und regelmäßige Hautpflege, auch in schubfreien Zeiten:
- Feuchtigkeitsspendende Cremes (Emolliensien) mehrmals täglich auftragen, besonders nach dem lauwarmen Duschen.
- Milde, fettreiche Wasch- und Duschprodukte ohne Duft- und Konservierungsstoffe verwenden.
- Kurze, lauwarme Duschgänge (max. 10 Minuten) – heißes Wasser trocknet die Haut aus.
- Kleidung aus weicher Baumwolle tragen, Wolle und synthetische Stoffe vermeiden. Silbertextilien sind auch eine Wahl, wenn der Silberanteil entsprechend hoch genug ist.
Medizinische Therapien
Bei stärkeren Schüben reicht die Pflege allein oft nicht aus. Dann kommen weitere Behandlungen zum Einsatz:
- Kortisonsalben: Wirken entzündungshemmend und juckreizlindernd, sollten aber nur kurzfristig und nach ärztlicher Anweisung verwendet werden.
- Nicht-kortisonhaltige Cremes (z. B. mit Tacrolimus oder Pimecrolimus): Für empfindliche Hautbereiche wie Gesicht oder Falten.
- Lichttherapie (UV-Bestrahlung): Kann Entzündungen und Juckreiz reduzieren.
- Systemische Therapien bei schwerer Neurodermitis:
- Biologika (z. B. Dupilumab): Antikörper, die gezielt in die Entzündungskaskade eingreifen. Studien zeigen: Jeder dritte Patient ist nach drei Monaten beschwerdefrei oder fast beschwerdefrei.
- JAK-Hemmer: Tabletten, die Entzündungsprozesse hemmen.
- Immunsuppressiva: Unterdrücken das Immunsystem, werden aber aufgrund von Nebenwirkungen selten langfristig eingesetzt.
Stressmanagement und Entspannung
Da Stress ein bekannter Auslöser ist, ist der Umgang damit ein zentraler Bestandteil der Therapie:
- Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Gezieltes An- und Entspannen von Muskelgruppen reduziert Stress und kann den Juckreiz mindern.
- Achtsamkeit und Meditation: Hilft, den Fokus vom Juckreiz zu lösen und belastende Gedanken zu durchbrechen.
- Autogenes Training oder Yoga: Fördern die innere Ruhe und das Wohlbefinden.
- Regelmäßige Pausen und Auszeiten im Alltag einplanen.
Unterstützung und Austausch
Sie sind nicht allein – der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr entlastend wirken:
- Neurodermitis-Schulungen: Werden von vielen Krankenkassen bezahlt und bieten fundierte Informationen zur Erkrankung, Pflege, Auslösern und Bewältigungsstrategien. Besonders wertvoll sind die Entspannungs- und Kratzzwang-Techniken. Näheres bei der AGNES ArbeitsGemeinschaft NeurodermitisSchulung e.V.
- Selbsthilfeorganisationen: Lokal oder online – der Austausch mit Gleichbetroffenen stärkt das Gefühl der Verbundenheit und gibt praktische Tipps. Die Vereine verfügen über einen jahrzehntelangen Erfahrungsschatz.
- Psychotherapie: Bei depressiven Verstimmungen, Ängsten oder starken Belastungen ist professionelle Hilfe sinnvoll. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hilft, negative Denkmuster zu verändern.
Lebensqualität verbessern
Das Ziel ist nicht nur, die Haut zu beruhigen, sondern Ihre Lebensqualität spürbar zu verbessern. Dazu gehört:
- Offene Kommunikation mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin: Sprechen Sie über Ihre Ziele – z. B. „Ich möchte wieder durchschlafen“ oder „Ich möchte mich in der Öffentlichkeit wohlfühlen“.
- Rehabilitation (Reha): Bei starker Belastung kann eine ambulante oder stationäre Reha sinnvoll sein – mit medizinischer, psychologischer und sozialer Betreuung.
- Klarheit schaffen im Umfeld: Erklären Sie Familie, Freunde und Kollegen, dass Neurodermitis nicht ansteckend ist. Das reduziert Vorurteile und Scham.
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