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24.07.2016

Neurodermitis und Impfungen

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Fotolia © miss_mafaldaDie Ständige Impfkommission (STIKO) spricht Empfehlungen für sinnvolle Impfungen in Deutschland aus. Informationen hierüber können über die Homepage des Robert Koch Institut (RKI) abgerufen werden. Weiterhin werden sie im „Epidemiologischen Bulletin“ veröffentlicht.

In Bezug auf Impfungen und Neurodermitis bestehen mehrere Themenfelder.

1. Beeinflusst die Impfung die Entstehung und den Verlauf des Ekzems?
2. Kann der Impfstoff selbst eine allergische Reaktion auslösen?
3. Welche Besonderheiten sind beim Einsatz von bestimmten Therapeutika der Neurodermitis und geplanten Impfungen zu beachten?


Die Zeit, in der die meisten Patienten an Ekzemen erkranken, fällt mit dem Zeitpunkt der ersten Impfungen zusammen, so dass der Eindruck entstehen könnte, dass ein kausaler Zusammenhang der Impfung mit dem Beginn einer Neurodermitis besteht.
Epidemiologisch lässt sich das nicht bestätigen [37], aber da im Einzelfall auch Ekzemschübe durch übliche virale Infekte angestoßen werden, kann das auch genauso für Impfungen gelten.
Dies sollte kein Grund sein, notwendige Impfungen lange zu verschieben, jedoch kann es sinnvoll sein, nicht während eines akuten Ekzemschubs zu impfen.

Eine weitere Frage ist eine mögliche allergische Reaktion auf Impfstoffe.
Als Allergene kommen sowohl Hilfsstoffe als auch mögliche Reste von Hühnerei in Impfstoffen, die in Hühnerei produziert werden, in Frage. Auch bei Impfstoffen, die auf Hühnerfibroblasten gezüchtet werden, ist eine allergische Reaktion denkbar, aber sicher seltener.
Für Atopiker gibt es allenfalls ein marginal erhöhtes Impfreaktionsrisiko [38]. Selbst Hühnereiallergiker können in der Regel ohne Probleme geimpft werden [39].
Bei hohem Reaktionsrisiko wird eine Nachbeobachtungszeit nach der Impfung empfohlen. In den meisten Impfstoffen ist der Hühnereigehalt in den letzten Jahren zurückgegangen. Am höchsten ist er nach wie vor im Grippe- und im Gelbfieberimpfstoff [40].

Manche Therapeutika, die zur Behandlung der Neurodermitis zur Anwendung kommen, haben in ihrer Fachinformation in Bezug auf Impfungen eine einschränkende Information. Diese gilt es zu beachten. Die Empfehlungen können sich ändern, wenn neue Informationen vorliegen. Oft sind Einschränkungen vorsichtshalber ausgesprochen, wenn zum Beispiel keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen.
Die aktuelle Empfehlung zum Impfen bei Behandlung mit Pimecrolimus lautet: Aufgrund der minimalen Resorption ist bei einer Impfung eine systemische Interaktion unwahrscheinlich. Diese Interaktion wurde jedoch nicht untersucht.

Daher wird bei Patienten mit ausgedehnter Erkrankung empfohlen, Impfungen während behandlungsfreier Intervalle durchzuführen. Solange lokale Impfreaktionen bestehen, wird die Anwendung von Pimecrolimus an den Impfstellen nicht empfohlen, da hierzu keine Untersuchungen vorliegen (Elidel Fachinformation, Stand 12/2013).
Zu Tacrolimus finden sich aktuell folgende Angaben: Bei Kindern zwischen 2 und 11 Jahren wurden im Rahmen einer Studie mögliche Wechselwirkungen mit einem Protein-Konjugat-Impfstoff gegen Neisseria meningitidis Serogruppe C untersucht. Auswirkungen auf die Sofortantwort auf die Impfung, die Ausbildung eines Immungedächtnisses oder die humorale und zellvermittelte Immunität wurden nicht beobachtet (Protopic Fachinformation, Stand 11/2013).

Generell sind möglicherweise bei der Anwendung von systemischen Immunsuppressiva die Impfantworten auf Tot-Impfstoffe vermindert, aber eine Gefahr besteht in der Regel nicht. Beim Einsatz von Lebendimpfstoffen ist mehr Vorsicht geboten. Daher lautet die Empfehlung in der Fachinformation des Ciclosporin (Fachinformation Ciclosporin, Stand 01/2014), auf Lebendimpfungen während der Behandlung möglichst zu verzichten. Totimpfungen können durchgeführt werden. Systemische Glukokortikosteroide werden zur längerfristigen Therapie der Neurodermitis nicht empfohlen. Wenn ein akuter Schub mit systemischen Glukokortikosteroiden behandelt wird, wird man nicht zu diesem Zeitpunkt impfen. Falls doch eine längerfristige Therapie mit systemischen Glukokortikosteroiden erfolgt, ist eine Impfung bei einer Dosis von unter 5 mg/m. Körperoberfläche trotzdem möglich. Empfehlungen finden sich bei den oder der Fachgesellschaft/en für Rheumatologie [41].

Empfehlung
Es wird empfohlen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Neurodermitis nach STIKO Empfehlungen regulär zu impfen. Bei akuter Exazerbation wird das Verschieben der Impfung bis zur Stabilisierung des Hautbefundes empfohlen


37. Gruber C, Illi S, Lau S, et al. Transient suppression of atopy in early childhood is associated 35 with high vaccination coverage. Pediatrics. 2003; 111.

38. Bohlke K, Davis RL, Marcy SM, et al. Risk of anaphylaxis after vaccination of children and 37 adolescents. Pediatrics. 2003; 112: 815-20.

39. Freigang B, Jadavji TP, Freigang DW. LACK OF ADVERSE REACTIONS TO MEASLES, MUMPS, 39 AND RUBELLA VACCINE IN EGG-ALLERGIC CHILDREN. Annals of Allergy. 1994; 73: 486-88.

40. Kelso JM. Administration of influenza vaccines to patients with egg allergy: Update for the 41 2010-2011 season. J Allergy Clin Immunol. 2010; 126: 1302-04.

41. Heijstek MW, de Bruin LMO, Bijl M, et al. EULAR recommendations for vaccination in 43 paediatric patients with rheumatic diseases. Annals of the Rheumatic Diseases. 2011; 70: 1704-12.


Auszug aus Leitlinie (S2k) Neurodermitis Langversion 2014

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