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27.11.2010

Wenn Juckreiz Teenager stresst

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„Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen.“ Dieses Sprichwort kennen Sie bestimmt. Gerade in Zeiten der Pubertät durchleben Teenager vielfältige Veränderungsprozesse.   Der Körper wandelt sich mehr und mehr zu dem einer Frau bzw. eines Mannes. Die geschlechtliche Reife, das Loslösen vom eigenen Elternhaus und die berufliche Entwicklung sind Schritte auf dem Weg aus dem Schoß der wohl behüteten Kindheit in die Verantwortlichkeiten eines Erwachsenen.
Die erste Liebe – wenn sie auf Erwiederung trifft – erscheint einem Teenager ganz wunderbar; stößt sie jedoch beim Gegenüber auf Ablehnung, kann einem die Welt sehr dunkel vorkommen. Sprüche wie „Da muss erst mal Gras darüber wachsen.“ oder „Die Zeit heilt die Wunden.“ können helfen, auch wenn es einem zunächst wie das Ende der Welt erscheint, wenn das begehrte „Wunschsubjekt“ nicht die gleichen Gefühle für einen hegt wie man selbst für das erwähnte Gegenüber.

Der erste Liebeskummer

Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle, was die erste Liebe bzw. der erste Liebeskummer mit dem Juckreiz bei von Neurodermitis betroffenen Teenagern zu tun hat. Darüber handelt dieser Artikel. Von der ersten Liebe abgelehnt zu werden, trifft jeden Teenager. Vielleicht erinnern Sie sich selbst einmal an Ihre Jugend. Stellen Sie sich nun vor, sie wären nicht deshalb zurückgestoßen worden, weil bei der von Ihnen angehimmelten Person schlichtweg das Gefühl für Sie fehlte, sondern weil Sie an einer sichtbaren Hauterkrankung wie Neurodermitis litten. Geschichten wie diese sind keine Seltenheit und treffen einen Teenager zusätzlich. Viele betroffene Teenager sind bereits seit ihrer Geburt von dieser Erkrankung betroffen und erleben immer wieder quälende Schübe. Sie lernen, möglichst altersgerecht, ihre Haut zu cremen und zu pflegen und gut auf sich acht zu geben. Gut auf sich acht zu geben, kann in dieser Angelegenheit ganz Unterschiedliches bedeuten: Nahrungsmittel zu meiden, die den Hautzustand verschlechtern könnten; auf Kleidungsmaterialien zu verzichten, die die eigene Haut noch zusätzlich reizen könnten im wahrsten Sinne des Wortes; möglicherweise auch auf gewisse Freizeitaktivitäten verzichten zu müssen, z.B. aufgrund der Blüte von Gräser- oder Blütenpollen, auf die man allergisch reagiert, oder im Schub ebenso auf Schwimmbadbesuche zu verzichten. Dies ist nur eine kleine Auswahl von Situationen, die im Betroffenen ein Gefühl von ungewolltem Verzicht auslösen können.  Das Hadern, „Warum bin denn gerade ich von dieser entstellenden Erkrankung betroffen?“ ist bei Heranwachsenden keine Seltenheit. Es kann zu Depressionen im Jugendalter führen.

In der eigenen Haut stecken

Sich richtig in seiner eigenen Haut wohl fühlen zu können, ist besonders schwer für Menschen mit chronischen Hauterkrankungen. Gerade im Falle der Neurodermitis ist es neben dem immer wieder quälenden Juckreiz vor allem auch der Gedanke, entstellt und unattraktiv zu sein. Auf dem Weg ins Erwachsenenalter ist es bedeutsam, trotz des schweren Gepäcks, das man durch sein Leben trägt, ein positives Selbstbild zu entwickeln. Das fällt vielen Kindern schwer, wenn sie bereits Hänseleien erlebt haben, wegen ihrer Hauterkrankung aus einer Gruppe oder Clique verstoßen wurden oder in der ersten Liebe ungute Erfahrungen gemacht haben. Derartige Erfahrungen können ein falsches Bild vermitteln, dass man ein krankes, bedauernswertes und hilfloses Wesen sei. Dadurch gerät immer mehr die Krankheit ins Zentrum der Aufmerksamkeit des bzw. der Betroffenen. Bereits früh sucht man als Eltern, seinem betroffenen Kind beizubringen, die Aufmerksamkeit von der Erkrankung weg zu lenken, anstatt eine imaginäre Lupe auf die Neurodermitis zu legen. Die Folge wäre, dass einem die Erkrankung immer größer und mächtiger erscheinen würde. Gleichzeitig fühlt man sich als Betroffener immer hilfloser und ohnmächtiger. Ein Teufelskreislauf beginnt, der die Krankheit vor allem im Schub immer weiter entfachen kann. In dieser Situation würde es fast jedem Betroffenen, ob nun als Erwachsener oder als Heranwachsender, sehr schwer fallen, dem Juckreiz zu widerstehen und sich auf andere positive bzw. angenehme Aktivitäten zu konzentrieren.

Zuhören

Gerade hier ist es wichtig, als Eltern anzusetzen. An erster Stelle stehen selbstverständlich Trost, Verständnis und Zeit zuzuhören, was vorgefallen ist. Es ist ein großer Vertrauensbeweis, wenn Ihr Kind Ihnen gegenüber seinen Liebeskummer preisgibt und schildert, in der Liebe auf Ablehnung gestoßen zu sein. Liebeskummer ist in jedem Lebensalter schwer zu ertragen. Und geteiltes Leid ist – wie man so schön sagt – halbes Leid.
Vielleicht lohnt es sich, in dieser Situation von eigenem vergangenen Liebeskummer zu erzählen. Nichts wiegt schwerer, wenn man glaubt, allein auf der Welt von etwas betroffen zu sein. Unter Umständen lohnt es sich auch, einmal zu hinterfragen, wie viele Ihrer Freunde ihre erste Liebe geheiratet haben. Bei vielen Dingen im Leben weiß man ja oft erst sehr viel später, wofür es gut war, dass es so war, wie es war. Tröstliche Weisheiten gibt es jede Menge ...

Die eigenen Ecken und Kanten lieben lernen

Entscheidend ist es, dem eigenen Kind zu vermitteln, dass nicht  „nur“ die Haut die eigene  Persönlichkeit ausmacht. Thematisieren Sie gemeinsam die Stärken Ihres Kindes, z.B. dass es verläßlich ist, dass es humorvoll ist, dass man mit ihm durch dick und dünn gehen kann etc. Solche Persönlichkeitseigenschaften sind es doch, die die Persönlichkeit eines Menschen wirklich ausmachen. Besprechen Sie weiter, dass jeder Mensch seine Ecken und Kanten hat und seinen ganz persönlichen Rucksack trägt, auch wenn dieser bei vielen nach außen hin überhaupt nicht ersichtlich ist.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Umgang mit den eigenen Gefühlen. Juckreiz allein bedeutet für die meisten Betroffenen eine immense Anspannung. Zusätzlich in der Liebe abgelehnt worden zu sein, kann traurig, wütend, hilflos oder ohnmächtig machen. Entscheidend ist, über Dinge sprechen zu lernen und vor allem über Sport die Anspannung und den negativen Stress abzubauen. Ermutigen Sie Ihr Kind dazu und suchen Sie gemeinsam nach sportlichen Aktivitäten, die hautverträglich und selbst im akuten Schub für Ihr Kind möglich sind. Auf diese Weise stärken Sie gleichzeitig das Selbstwertgefühl Ihres Kindes. Daneben kann es über kreative oder musische Hobbies zum einen die Erfahrung machen, dass es etwas „kann“, das es gleichzeitig als eine Stärke erlebt. Zum anderen kann Ihr Kind auf diesem Weg andere Gleichaltige kennenlernen, mit denen es Gemeinsamkeiten hat. So läßt sich der Teufelskreislauf aus Rückzug und Isolation durchbrechen. Ermöglichen Sie Ihrem Kind gemeinsame Unternehmungen und auch Treffen zu Hause in den eigenen vier Wänden, um Freundschaften aufbauen zu können. Und wer „nur“ einen guten Freund zum Freund hat, ist reicher als er denkt.
Natürlich schützt all dies nicht vor erneutem Liebeskummer. Einen Garantieschein für das Leben in Liebe gibt es für niemanden. Freunde und Familie zu haben, ein soziales Auffangnetz, ist die beste Medizin bei Liebeskummer. Und das nicht nur bei dieser Lebenslage. Mit Menschen gemeinsam lachen und weinen zu können, ist ein großes Geschenk.
Dies brachte schon Honore de Balzac ganz treffend auf den Punkt: „ Das Wesen wahrer Liebe lässt sich immer wieder mit der Kindheit vergleichen. Beide haben die Unüberlegtheit, die Unvorsichtigkeit, die Ausgelassenheit, das Lachen und das Weinen gemeinsam.“

Dipl.-Psych. Sonja Dargatz

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