Erhöht Cannabis das Asthmarisiko?
Das Inhalieren von Cannabis erhöht das Risiko für Asthma, wie mehrere aktuelle Studien belegen.
Insbesondere täglicher Konsum ist mit einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit für Asthma assoziiert. Die Risikoerhöhung beträgt +44 % bei allen inhalierenden Nutzern und steigt auf bis zu +52 % bei Nichtrauchern, die Cannabis inhalieren. Diese Zusammenhänge gelten unabhängig vom Tabakkonsum.
Die größte bisherige Studie zu diesem Thema analysierte Daten von rund 380.000 Erwachsenen in den USA und wurde 2025 im Journal of General Internal Medicine veröffentlicht. Sie gilt als die bislang umfassendste Untersuchung zum Einfluss von Cannabis auf die Atemwegsgesundheit bei Nichtrauchern
Hauptstudie: Daten und Methodik
Die zentrale Studie wurde von Forschern der University of California, San Francisco (UCSF) durchgeführt und basiert auf dem Behavioral Risk Factor Surveillance System (BRFSS) des CDC. Die Daten von 379.049 Erwachsenen im Alter von 18 bis 74 Jahren wurden ausgewertet. Davon gaben etwa 23.000 Personen an, in den letzten 30 Tagen Cannabis inhaliert zu haben.
Unter „Inhalation“ verstanden die Wissenschaftler verschiedene Konsumformen:
- Rauchen von Cannabiszigaretten (Joints)
- Verdampfen (Vaping)
- „Dabbing“ (Einatmen hochkonzentrierter Cannabisdämpfe)
Die Studie zeigte eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je häufiger Cannabis inhaliert wurde, desto höher war das Asthmarisiko.
Risikoerhöhung bei Nichtrauchern
Ein zentraler Befund ist, dass das Risiko auch bei Menschen ohne Tabakkonsum erhöht ist. Bei den 220.000 Teilnehmern, die noch nie Tabak konsumiert hatten, war das Asthmarisiko durch tägliches Cannabisinhalieren um 51–52 % höher. Dies unterstreicht, dass die Schädigung der Atemwege nicht allein auf Tabak zurückzuführen ist.
Auch für COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) zeigte sich eine Risikoerhöhung um 27 %, allerdings war der Zusammenhang bei Nichtrauchern statistisch nicht immer signifikant. Die Forscher vermuten, dass dies daran liegt, dass COPD sich über Jahrzehnte entwickelt und viele Studienteilnehmer möglicherweise noch nicht lange genug konsumiert hatten.
Mögliche Gründe für die Lungenbelastung
Das Einatmen von Cannabis – unabhängig von der Form – führt zur Aufnahme zahlreicher Schadstoffe und Reizstoffe, die die Atemwege schädigen können. Dazu gehören:
- Teer und Rußpartikel beim Rauchen
- Chemische Verbindungen beim Verdampfen
- Irritierende Dämpfe beim „Dabbing“
Diese Substanzen können zu Entzündungen der Bronchien, Verengung der Atemwege und langfristig zur Entwicklung von chronischen Atemwegserkrankungen führen. Die Wahrnehmung, Cannabis sei „gesünder als Tabak“, wird von den Forschern als irreführend eingestuft.
Empfehlungen der Forscher
Die Wissenschaftler empfehlen:
- Verzicht auf Cannabisinhalation, besonders bei Personen mit Asthmaanamnese oder familiärer Vorbelastung.
- Bei bereits bestehendem Konsum: Reduktion der Häufigkeit – insbesondere Vermeidung des täglichen Konsums.
- Aufklärung über die potenziellen Atemwegsrisiken, da diese oft unterschätzt werden.
„Wenn Menschen ihr Risiko für chronische Lungenerkrankungen senken wollen, sollten sie nicht mit Cannabis anfangen. Und wer bereits kifft, sollte es seltener tun“, so die klare Botschaft der Studienautoren.
Alternativen zum Inhalieren
Um die Lunge zu schonen, wird empfohlen, auf inhalative Methoden zu verzichten. Alternativen sind:
- Edibles (z. B. Gummibärchen, Kekse)
- Tinkturen (unter die Zunge getropft)
- Kapseln
Diese Formen vermeiden die direkte Belastung der Atemwege, bergen aber andere Risiken (z. B. verzögerte Wirkung, Überdosierung). Programme wie „Quit the Shit“ unterstützen Menschen dabei, ihren Cannabiskonsum zu reduzieren oder einzustellen.





