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15.12.2021

Neue Systemtherapie

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Mit dem neuen Biologikum Tralokinumab (Handelsname Adtralza) zur Behandlung (mittel)schwerer Neurodermitis steht eine wirksame Systemtherapie zur Behandlung der Neurodermitis zur Verfügung

Die Neurodermitis stellt eine vielfältige und komplexe chronische Hauterkrankung dar, die gerade deshalb schwer zu erforschen und zu behandeln ist. Viele erkranken daran bereits früh im Kleinstkindalter und haben einen unvorhersehbaren, zumeist episodischem Verlauf vor sich. D. h. aktuelle Krankheitsschübe können mehr oder wenigen großen Zeitfenstern gegenüber stehen, in denen die Erkrankung gering bis gar nicht in Erscheinung tritt. Hinzu kommt, dass im Rahmen des Atopischen Marsches weitere, mit der Neurodermitis assoziierte Erkrankungen auftreten können, wie beispielsweise Asthma, Nahrungsmittelallergien oder eine allergische Rhinitis oder Rhinokonjunktivitis. Weltweit gehört die Neurodermitis zu den häufigsten entzündlichen Hauterkrankungen.

Aus pathophysiologischer Sicht kommen bei der Entstehung dieser Erkrankung eine gestörte Hautbarriere, gestörte immunologische Prozesse und eine Veränderung im Mikrobiom zusammen. D.h. die Neurodermitis wird multifaktoriell verursacht und löst intensive Symptome in einem großen Symptomspektrum aus: Dazu zählen der quälende chronische Juckreiz (Pruritus), entzündete und gerötete Hautareale/läsionen sowie mögliche Infektionen dieser, Schlafstörungen, Symptome von Angst und Depression sowie Einschränkungen im alltäglichen Leben sowie Arbeitsunfähigkeitszeiten.

Im Vergleich mit anderen chronischen schweren Erkrankungen verdeutlichen aktuelle Studienergebnisse, dass die Neurodermitis den Gesundheitszustand der Betroffenen deutlich negativ beeinflussen kann und laut dieser Ergebnisse mindestens ebenso belastend wirkt wie eine Herzerkrankung, eine Angststörung oder Depression. Damit wurden die Auswirkungen der Neurodermitis lange unterschätzt. Besonders belastet wird dabei empfunden, dass Erkrankte ihr chronisches Hautleiden als nicht kontrollierbar erleben.

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Gerade Erkrankte, die an einer mittelschweren bis schweren Neurodermitis leiden, benötigen deshalb eine langfristige Therapieoption. Als 1. Meilenstein gilt hier die Einführung des Biologikums Dupilumab (Handelsname Dupixent) im Jahr 2017, das seit Ende 2020 auch bei Kindern ab sechs Jahren eingesetzt werden kann. Dieses richtet sich als Antikörper gezielt gegen die Zytokine Interleukin-4 (IL-4) und Interleukin-13 (IL-13) und hemmt diese, weshalb infolge eine Immunantwort im Sinne einer Entzündungsreaktion ausbleibt. Grundsätzlich regulieren Zytokine als Proteine die Übermittlung von Signalen zwischen Zellen.

Im Normalfall aktivieren Zytokine das Immunsystem im Kampf gegen Bakterien und Viren!

Im Rahmen der Entwicklung innovativer Neurodermitis Therapien steht der Zusammenhang zwischen dem vorliegenden Hautbarrieredefekt und der chronischen Entzündung, die vorwiegend von T-Zellen vermittelt wird, im Vordergrund. Ungeklärt ist dabei noch immer, welcher dieser Krankheitsfaktoren zuerst existierte. Ziel ist es dabei, diese komplexe Hauterkrankung, die sich klinisch oft als sehr einheitlich darstellt, auf vorhersagbare Marker / Werte zurückzuführen, um künftig individuell die passende Therapieoption auswählen zu können. Dies wird auch als personalisierte Medizin bezeichnet. Bei der Neurodermitis wird davon ausgegangen, dass viele Zytokine fehlreguliert sind, was die Frage aufwirft, welche(r) dieser dominant wirksam ist oder sind und therapeutisch blockiert werden sollte(n). Forschungsbefunde verdeutlichen, dass die Blockade des Zytokins IL-13 in vielen Fällen von (mittel)schwerer Neurodermitis ausreichen kann, um den Krankheitsverlauf deutlich positiv zu beeinflussen. Dabei geht man davon ausgeht, dass IL-13 eine zentrale Position im Krankheitsnetzwerk der Neurodermitis zukommt, gerade weil es als Zytokin in vielfältigste Funktionen eingebunden ist und überexpressiv vorliegt. Im Vergleich dazu nimmt man an, dass IL-4 eine nur überlappende Funktion zukommt.

Im Fokus der Neurodermitis Therapie ist die Überexpression des Zytokins IL-13.

Als 2. Meilenstein in der Behandlung der (mittel-)schweren Neurodermitis bei Erwachsenen gilt deshalb die Einführung des Biologikums Tralokinumab (Handelsname Adtralza) auf EU-Ebene im Juli 2021, das als Antikörper gezielt gegen das Zytokin IL-13 wirkt und dieses bindet, bevor es an entsprechende Rezeptoren andocken kann. Auf diese Weise wird der entzündungsfördernde Effekt neutralisiert. Studienergebnisse bestätigen robuste und hervorragende Effekte bei guter Verträglichkeit, da sich infolge der Therapie Entzündungsmarker und Hautbarrieremarker normalisieren und sowohl Entzündungen der Haut als auch die Hauttrockenheit abnehmen. Auf diese Weise steigt die Lebensqualität, da Juckreiz und juckreizbedingte Schlafstörungen abnehmen und damit die Schlafqualität steigt. Als häufigste Nebenwirkungen können Atemwegsinfektionen, Bindehautentzündungen und Hautreaktionen an der jeweiligen Injektionsstelle auftreten. In den meisten Fällen nehmen die Bindehautentzündungen im Laufe der Behandlung ab.

Fasst man die bisherigen Forschungsergebnisse zusammen, so wird deutlich, dass es sich bei dem Zytokin IL-13 wahrscheinlich um ein Schlüsselzytokin handelt, dass nicht nur Entzündungen der Haut antreibt, sondern auch für die Hautbarriere bei Neurodermitis wichtig ist, weshalb Tralokinumab als erster selektiver IL-13 Antikörper in der Lage ist, dieses Krankheitsgeschehen gezielt positiv zu beeinflussen.
Tralokinumab kann in Form von subkutanen Selbst-Injektionen zu Hause verwendet werden, welche unter die Haut und damit in das Unterfettgewebe des Oberarms, des Bauchs oder Oberschenkels verabreicht werden. Am 1. Tag der Therapie erhält der Erkrankte eine Initialdosis von 600 mg. Im weiteren Therapieverlauf kann der Erkrankte sich selbst 300 mg alle 2 Wochen subkutan injizieren, nachdem eine Schulung absolviert wurde. Nach Ablauf von 16 Wochen kann auch auf einen 4 wöchentlichen Injektionsrhythmus umgestellt werden, wenn die Haut einen fast bis erscheinungsfreien Zustand aufweist. Verwahrt wird Tralokinumab im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius.

Autor: Dipl.-Psychologin Sonja Dargatz

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