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Schonende Hautreinigung im Sommer

27.04.2009Foto: i-stock®Die Reinigung der Haut hat seit Jahrtausenden einen hohen Stellenwert. Im Sommer neigen wir dazu, eine besonders intensive Hautreinigung zu praktizieren, doch wieviel Reinlichkeit verkraftet die Haut?

Die Reinigung des Körpers mit Wasser wird seit mehr als 4.000 Jahren praktiziert.
Eindrucksvolle Beispiele für die Badekultur der Griechen und Römer finden sich etwa in den römischen Thermen.
Auch aus unserem heutigen Leben sind Baden und Duschen nicht mehr wegzudenken.

Die Hautreinigung ist als Basis einer jeden kosmetischen Anwendung anzusehen, wobei Reinigung sowohl objektiv die Entfernung von Umweltschmutz, Hautschuppen, Schweißrückständen und Keimen, als auch subjektiv die Erhöhung des psychischen und physischen Wohlbefindens bedeutet, ganz im Sinne der Definition der WHO für Gesundheit vom 22.7.1946: Gesundheit ist der Zustand des völligen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das frei sein von Krankheit und Gebrechen.
Jedoch hat bereits das Waschen des Körpers mit Wasser neben dem erwünschten Effekt der Hautreinigung eine Reihe weniger erwünschter Effekte zur Folge. So werden etwa bereits durch die Einwirkung von Wasser Teile des Hydrolipidfims an der Hautoberfläche abgewaschen, das Wasser dringt in das Stratum corneum (die Hornschicht der Oberhaut) ein und löst dort natürliche Feuchthaltesubstanzen heraus. Zudem kommt es zu Veränderungen des osmotischen Druckes, der Salzkonzentration und des pH-Wertes und damit zu einer Dysregulation der Barrierefunktion der Haut. Diese Effekte sind umso ausgeprägter, je häufiger ein Wasserkontakt stattfindet, je länger er andauert und je höher die Wassertemperatur ist.
Dennoch haben vor allem Duschbäder in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen.
Meist wird die Hautreinigung durch die zusätzliche Verwendung von Hautreinigungsmitteln intensiviert. Üblicherweise werden oberflächenaktive Substanzen, sogenannte Tenside oder Detergentien, zur Hautreinigung verwendet, mit dem Ziel, zwischen Fett und Wasser zu vermitteln, so dass fettiger Schmutz auch aus der Hornschicht herausgelöst werden kann.

Seifen und Syndets

Der Prototyp der oberflächenaktiven Substanzen ist die Seife, eines der ältesten
Schönheitspflegemittel der Menschheit.
Bereits vor mehr als 4.500 Jahren fanden sich erste Formulierungen für Seifen auf Tontafeln und mehr als 4.500 Jahre später ist das klassische Seifenstück in seinen verschiedenen Ausführungsformen weiterhin ein beliebtes kosmetisches Mittel für die Hautreinigung, das durch seinen meist alkalischen pH-Wert den hauteigenen Säureschutzmantel stören kann. So kann es bei häufigen und intensiven Reinigungsprozeduren oder bei bestehenden Barrierestörungen, etwa bei einer atopischen Dermatitis oder bei einem kumulativ-toxischen Ekzem, zu einer Überlastung des pH-Regenerationsvermögens der Haut kommen. Durch ihre Quellwirkung bewirkt die Seife, die kurzfristig zu einem angenehmen weichen Hautgefühl verhilft, eine Barrierestörung an der Haut, welche die durch die alleinige Wassereinwirkung bedingte Barrierestörung noch verstärken kann.

Neben der klassischen Seife, die aus dermatologischer Sicht insbesondere bei se bostatischer Haut, bei irritierter oder empfindlicher Haut sowie bei kranker Haut, etwa im Rahmen einer atopischen Dermatitis oder anderer Ekzemerkrankungen, für die Hautreinigung nicht optimal ist, befinden sich seit einiger Zeit auch Syndets in flüssiger und fester Form auf dem Markt, die sich in ihrer Zusammensetzung grundsätzlich von der Seife, die aus Fetten und Ölen mit Natronlauge hergestellt wird, unterscheiden und diese bei den flüssigen Hautreinigungsprodukten weitgehend ersetzt haben. Während Seifen Salze natürlicher Fettsäuren sind, enthalten Syndets als Schaum- und Reinigungskomponenten durch chemische Synthese gewonnene waschaktive Substanzen.
Das Ausmaß der Hautbelastung durch Seifen wie durch Syndets wird durch verschiedene Faktoren bestimmt, etwa durch die Menge an Waschaktivstoffen, die Beimischung pflegender Substanzen und den pH-Wert, der möglichst konkret genannt werden sollte, und ist letztlich am besten durch geeignete dermatologische Testreihen zu beurteilen.

Bei bestimmten Aktivitäten, etwa bei sportlicher Betätigung, nach dem Besuch eines Schwimmbades oder einem ausgiebigen Sonnenbad sollten Schweiß, Salzwasser und Chlorwasser von der Hautoberfläche entfernt werden, am besten durch ein kurzes Duschbad, auch bei bereits erfolgter Reinigung am Morgen.

Hautpflegeprogramm im Sommer

Zudem sollte die Haut, zumindest nach einem Sonnenbad oder ausgiebigem Schwimmen, bei empfindlicher, trockener oder irritierter Haut möglichst immer, nach einem Duschbad auch eingecremt werden. Je nach Hauttyp und Jahreszeit sollten die Pflegeprodukte eine unterschiedliche Zusammensetzung aufweisen.
So sind in der warmen Jahreszeit feuchtigkeitsspendende Öl in Wasser Emulsionen oft besser geeignet als sehr fetthaltige Wasser in Öl Emulsionen, die an der Hautoberfläche einen Okklusionseffekt (Verschluss der Hautporen) bewirken können.
Grundsätzlich sollten diese Hautpflegeprodukte „flächendeckend“, d. h. am gesamten Körper angewendet werden.
Ihre Anwendung führt neben einer Stabilisierung der Hautbarriere auch zu einer optisch sichtbaren Verbesserung der Hautstruktur, gerade im Sommer ein kosmetisch angenehmer Nebeneffekt. Besonders hohen Pflegebedarf haben die von Natur aus trockenen Hautpartien an Ellbogen, Knien, Fußknöcheln und Fußsohlen.
Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass diese Pflegeprodukte zumindest im Sommer möglichst wenig Alkohol beinhalten, da durch hohe Alkohol- und Duftstoffkonzentrationen an der Haut im Sommer ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung phototoxischer Reaktionen besteht, die über Jahre hinweg in Form von Hyperpigmentierungen (Dunklerfärbung der Haut) eine kosmetische Beeinträchtigung darstellen können. Daher sollten alkoholhaltige Parfums und Eau de Toilette-Produkte bei Sonneneinwirkung gemieden werden. Die geringeren Duftstoffmengen in parfümierten Sonnenschutzcremes und Pflegeprodukten stellen meist kein Problem dar. Menschen, bei denen die Neigung zur Ausbildung einer sogenannten Mallorca-Akne oder Sonnenallergie besteht, sollten darauf achten, dass sie bei Sonnenexposition Lichtschutzmittel mit ausreichend hohem Schutz vor UVA- und UVB-Strahlung verwenden. Weitgehend widerlegt ist hingegen, dass die Mallorca- Akne durch zu fetthaltige Lichtschutzmittel, durch ungeeignete Lichtschutzfilter oder durch bestimmte Emulgatoren hervorgerufen wird. Vielmehr zeigte eine Reihe von Untersuchungen, dass die Mallorca-Akne eine Sonderform der polymorphen Lichtdermatose (Sonnenallergie) darstellt, die durch die alleinige Einwirkung ultravioletter Strahlung, meist durch UVA, hervorgerufen wird.

Deodorantien

Gerade im Sommer wird die Hautreinigung häufig begleitet von der nachfolgenden Verwendung von Deodorantien mit dem Ziel, der Entstehung von Körpergeruch vorzubeugen. Körpergeruch entsteht bei der Einwirkung von Hautbakterien auf apokrinen Schweiß, der diesen Mikroorganismen, insbesondere in den feuchten, warmen Intertrigines (etwa Achselhöhlen) ideale Lebensbedingungen bietet. Körpergeruch tritt daher nur bei Erwachsenen auf, da die apokrine Sekretion durch Sexualhormone gesteuert wird.
(apokrin: Apokrine Schweißdrüsen sind an den Haarfollikel gebunden, kommen in Achselhöhlen, am Warzenhof und in der Genitalregion vor. Sie liefern einen lipidhaltigen Schweiß mit körpereigenen Duftstoffen.)
Demgegenüber stellen Antitranspirantien kosmetische Mittel dar, die durch eine Beeinflussung der Aktivität der ekkrinen Schweißdrüsen die Schweißbildung reduzieren und damit den Schweiß zersetzenden Hautbakterien einen Teil der Nährstoffe entziehen.
Sie sollen dadurch ein geringeres Bakterienwachstum und eine Verminderung des Körpergeruchs bewirken. (ekkrin: Ekkrine Schweißdrüsen produzieren den „eigentlichen“ wässrigen Schweiß zur Thermoregulation und sind über den ganzen Körper verteilt, besonders dicht auf der Oberfläche der Handteller, in den Achseln und an den Fußsohlen. Ihre Schweißsekretion wird durch Nervenfasern z. B. bei thermalen oder emotionalen Reizen gesteuert).
Die Verwendung von Antitranspirantien ist daher nur für Personen mit übermäßiger (krankhafter) Transpiration von besonderer Bedeutung, während die Verwendung von Deodorantien einer Verlängerung der durch das Baden oder Duschen gewonnenen Frische dient. Jedoch gibt es auch auf Deodorantien Unverträglichkeitsreaktionen, meist bei Verwendung alkoholhaltiger Produkte unmittelbar nach der Rasur der Achselhaare oder bei Vorliegen einer allergischen Reaktion auf die enthaltenen Duftstoffe und vor allem auf die ätherischen Öle. Diese Unverträglichkeitsreaktionen spielen im täglichen Gebrauch, bei korrekter Anwendung und Berücksichtigung eventuell vorliegender Kontaktallergien eine eher untergeordnete Rolle.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Dusch- oder Vollbad so kurz wie möglich und dabei so lange wie nötig sein sollte und im Anschluss daran – je nach Hauttyp und Jahreszeit – eine entsprechende Hautpflege stattfinden sollte.
Durch die Verwendung von Deodorantien unmittelbar im Anschluss an das Dusch- oder Vollbad kann – bei entsprechender Belastung – die gewonnene Frische über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden.


Prof. Dr. Martina Kerscher
Universität Hamburg
Studiengang Kosmetik u. Körperpflege
Fachbereich Chemie



















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