Koffein und Haarwachstum

25.06.2019

Fotolia baibazAn die Redaktion von hautsache.de wurde von einer Userin eine Frage zum Haarausfall und der Nutzung koffeinhaltiger Haarpflegeprodukte gestellt:

Meine Frage betrifft den Artikel in hautsache vom 23.10.2018, Coffein bei Haarausfall. Ich bin 57 Jahre alt, habe seit fünf Jahren genetisch bedingten Haarausfall, vor allem vorne und Scheitel. Habe schon Mittel mit Östrogen probiert, kein Erfolg. Nehme bioidentische Hormontabletten, kein Erfolg. Alle möglichen Haarwässer probiert, ebenfalls mit Null Erfolg. Stehe jetzt vor der Entscheidung (laut Hautarzt einziges Mittel, das hilft), Regaine zu bestellen. Jedoch graut mit vor den Nebenwirkungen und der lebenslangen Anwendung. Welches alternative Haarwasser hat genügung Coffein um die von Ihnen im Artikel beschriebene Wirkung zu erzielen, also so gut zu wirken wie Minoxidil?
Für Ihre Antwort wäre ich sehr dankbar. Hatte Zeit meines Lebens schönes dickes Haar, meine Mutter hatte jedoch öfter Haarprobleme.

Koffein kann Haarwachstum günstig beeinflussen

Die Antwort von Frau Dr. Hadshiew lautet:
Koffein ist in der Tat in der Lage, das Haarwachstum günstig zu beeinflussen!
Insbesondere bei anlagebedingten Haarausfall können unter dem Einfluss von Koffein die Haar Wachstumsphasen verlängert werden und so der Haarausfall reduziert werden!

Dieser Effekt kommt in einer Vielzahl von Studien nachgewiesen werden! Hier mal eine exemplarische Studie:
Testosteron unterdrückt die Haarschaft-Produktion. Koffein kann dem entgegenwirken und hat noch weitere Vorteile fürs Haar.

Eine Studie entschlüsselte die Mechanismen hinter der Wirkung von Koffein auf menschliche Haarfolikel (HF). Hierfür inkubierte man mikrodissektierte HF von Männern oder Frauen in serumfreier Organkultur 120 Stunden lang entweder mit 0,5 µg/ml Testosteron allein oder kombiniert mit Koffein oder beließ sie im Kontrollmedium.
Mit quantitativer Immuno-Histomorphometrie untersuchte man Zellzyklus, Keratinozyten-Proliferation in Haarmatrix und äußerer Haarwurzelscheide (HWS) und die Expression der Wachstumsregulatoren TGF-b2 (leitet Katagenphase ein) und IGF-1 (verlängert Anagenphase).
Das Koffein verlängerte den Haarschaft, steigerte die Dauer der anagenen Phase und stimulierte die Keratinozyten-Proliferation in der Haarmatrix und in den HWS (in letzteren bis zu 160% vs. Kontrolle nach 24h; p<0,05).
Gegenüber der Kontrolle reduzierte Testosteron den Anteil an männlichen HF in Anagen-VI-Phase von 56% auf 39%, wohingegen zusätzliches Koffein den Wert auf 70% anhob. Follikel von Frauen reagierten sensibler auf die anregende Substanz

Koffein steigerte die Expression von IGF-1, und hemmte Apoptose bzw. Nekrose. Es könnte daher die Alterung humaner HF bei IGF-1-Mangel hinauszögern. Für Männer mit androgenetischer Alopezie, aber auch für Frauen, könnte Koffein ein Haarwuchs-Stimulans mit klinischer Relevanz sein. OH
Quelle: Fischer TW et al.: Differential effects of caffeine on hair shaft elongation, matrix and outer root sheath keratinocyte proliferation, and transforming growth factor-b2/insulin-like growth factor-1-mediated regulation of the hair cycle in male and female human hair follicles in vitro. Br J Dermatol 2014; 171(5): 1031-43

Zur Behandlung sind eine Vielzahl von koffeinhaltigen Schampoos auf dem Markt, deren Effekt relativ ähnlich ist (zB Alpecin, Plantur, etc).
Versuchen Sie es einfach!

Alternativ empfehle ich in der Tat Minoxidil, auch für Frauen als fünfprozentige Lösung! Diese sollte zumindest in den ersten drei Monaten einmal täglich angewendet werden und verlängert ebenfalls die Wachstumsphasen der Anagen Haare! Bei Therapie Erfolg, kann ein Auslassversuch gemacht werden, oder die Frequenz der Anwendung reduziert werden, häufig bleibt dann der positive Effekt erhalten! 





Seite weiterempfehlen