Nachhaltige Dermatologie im Klimawandel: Auswirkungen auf die Hautgesundheit
Die Haut reagiert empfindlich auf globale Umweltveränderungen, die durch den Klimawandel und die Umweltverschmutzung verursacht werden.
Steigende Temperaturen, intensivere UV-Strahlung, veränderte Luftfeuchtigkeit und häufigere Extremwetterereignisse beeinflussen das Erkrankungsspektrum in der Dermatologie messbar
Auswirkungen des Klimawandels auf die Haut
Die Haut als größtes Organ des Menschen ist direkt der Umwelt ausgesetzt und somit besonders betroffen. Zu den zentralen Effekten gehören:
• Zunahme UV-bedingter Hauttumore: Durch mehr Sonnenstunden und höhere UV-Intensität steigt das Risiko für maligne Melanome und nicht-melanozytären Hautkrebs. In Deutschland werden jährlich über 220.000 Neuerkrankungen registriert, Tendenz steigend.
• Häufigere Schübe bei atopischer Dermatitis (AD): Hitze, Luftschadstoffe und erhöhte Pollenkonzentrationen begünstigen Entzündungen und Verschlimmerungen chronischer Hauterkrankungen.
• Schnellere Hautalterung: Oxidativer Stress durch Luftschadstoffe, Mikroplastik und chemische Partikel beschleunigt den Alterungsprozess der Haut.
• Zunahme infektiöser Hauterkrankungen: Wärmere Temperaturen fördern bakterielle und mykotische Infektionen sowie die Ausbreitung von Erregern wie Candida auris.
• Erhöhte psychische Belastung: Begriffe wie „Solastalgie“ (Trauer um verlorene vertraute Umwelten) und „Klimaangst“ beschreiben psychosoziale Effekte, die sich direkt auf Hauterkrankungen auswirken können.
Umweltchemikalien und Mikroplastik in Pflegeprodukten
Ein kritischer Aspekt ist die Belastung durch Mikroplastik und synthetische Inhaltsstoffe in dermatologischen Pflegeprodukten. Studien zeigen, dass Mikroplastikpartikel bis in tiefe Hautschichten eindringen können, Fibroblasten altern lassen und antioxidative Mechanismen hemmen. Flüssige Polymere, synthetische Duft- und Farbstoffe sowie hormonaktive Chemikalien tragen zu Entzündungen und beschleunigter Hautalterung bei.
Die Plattform Dermoprotect hat bereits über 3.600 Produkte bewertet und mikroplastikfreie Alternativen identifiziert, um eine umweltverträglichere Hautpflege zu ermöglichen.
Nachhaltige Handlungsoptionen in der Dermatologie
Dermatolog*innen können durch bewusste Entscheidungen einen Beitrag zum Klima- und Gesundheitsschutz leisten:
• Verordnung umweltfreundlicher Produkte: Auswahl von Pflegeprodukten ohne Mikroplastik und synthetische Zusatzstoffe.
• Reduktion unnötiger Untersuchungen: Bewusste Indikationsstellung für apparative Diagnostik und Laboranalysen, um CO₂-Emissionen zu senken.
• Patient*innenberatung: Aufklärung über ökologische Auswirkungen von Produkten und Verhalten im Alltag.
• Nachhaltige Praxisführung: Nutzung umweltfreundlicher Verpackungen, Reduktion von Einwegmaterialien und Berücksichtigung der Lieferketten.
Initiativen wie die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN), Pharmacists for Future und die Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG e. V.) bieten praktische Werkzeuge und Qualitätsmanagement-Vorlagen, um nachhaltige Strukturen in der Versorgung zu etablieren.
Fazit
Der Klimawandel verändert die dermatologische Praxis bereits heute. Durch die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Diagnostik, Therapie und Patient*innenberatung kann die Dermatologie klimaresilienter werden. Die Haut ist nicht nur Spiegel der Umwelt, sondern auch ein Indikator für den Zustand des Planeten – und somit zentraler Bestandteil der Planetary Health-Bewegung.





