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Barbie und Ken

25.02.2020

istock kaisphotoBarbie und Ken haben viele Jahrzehnte überlebt. Wie lange geht das noch so weiter? 1959 kam sie auf die Welt. Eine Puppe namens Barbie, die in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag feiert. Seit Jahrzehnten prägt Barbie das Frauenbild und keine andere Spielzeugpuppe wird seither so kontrovers Betrachtet und Kommentiert. Von den einen wird sie geliebt und bis ins Detail als Vorbild verehrt.

Von anderen wird sie gehasst und scharf kritisiert. Barbie sei Sexismus und ihr unnatürliches Aussehen riefe Essstörungen bei jungen Mädchen hervor. So lauteten nur einige von zahlreichen anderen Vorwürfen an den Hersteller Mattel, der darauf regierte. Zwar lächelt sie nach wie vor künstlich aber Barbie erscheint nun auch zeitgemäßer zum Beispiel als Feuerwehrfrau, Astronautin, Forscherin, Fußballerin oder Pilotin in den Verkaufsregalen.

Der reinliche Ken

Als Nymphomanin kann man Barbie, die seit 1959 makellos gebliebene, kurvenreiche, zeitlose, faltenfreie Dame mit weißen Zähnen, blauen Augen und nicht einem Hauch von Orangenhaut oder grauen Strähnen nicht bezeichnen. Obwohl sie extrem frühreif war. Denn im Alter von nur zwei Jahren bekam sie schon einen langjährigen Lebensgefährten mit dem kurzen, knappen und einsilbigen Namen Ken. Seit 1961 lebt Barbie mit ihm in wilder Ehe.

Warum sie nie geheiratet haben, wurde noch nie eindeutig beantwortet. Insider behaupten, dass der Herr wohl eher homosexuell orientiert sei. Als Begründung wird dazu angeführt, dass es ein Kennzeichen schwuler Männer sei, das sie sehr auf ihren Körper und ihre optische Makellosigkeit achten würden. Schließlich ist er mit seinen 58 Jahren noch immer erstaunlich knackig.

Oder ist die Beziehung zwischen Barbie und Ken immer noch ungetrübt, weil er einfühlsam wie jeder neuzeitlich orientierte intelligente Mann seiner Partnerin auch im Haushalt hilft? Wer daran Zweifel hegt, braucht nur mal eine Spielwarenabteilung der Kaufhäuser aufzusuchen um die Verkaufsverpackungen zu bewundern, in denen Ken in Begleitung einer Waschmaschine zu erwerben ist.
Aber es ist sicher nicht das Waschpulver, welches für Kens reinliche Erscheinung sorgt. Genauso wie bei Barbie hat auch bei ihm der Zahn der Zeit kaum sichtbare Spuren hinterlassen. Kens Waschbrettbauch ist unvermindert seit 1961 flach und fest. Nur seine Frisur hat sich seither ein paar Mal geändert. Je nach Zeitgeschmack und Mode variierte die Haarlänge und Farbe. Ein Glatzen-Ken ist jedoch bislang noch nicht aufgetaucht. Welche Haarpflegeprodukte haben ihm wohl geholfen…?

Ist Ken arbeitslos?

Eine Vorbildfunktion, so wie seine Partnerin Barbie hat Ken für die Männerwelt nie erlangen können.
Liegt es daran, dass die Erziehung unserer Kinder immer noch wie vor mindestens hundert Jahren die Frauen- und Männerrollen definiert?
Mütter geben nach wie vor den Mädchen die Puppen und den Jungs die Autos. Auch die Erziehung in Kindergärten und Schulen lässt an vielen Orten wie eh und je keine Veränderung bzw. Verbesserung der alten Geschlechterrollen entstehen, denn es wird dabei den kleinen Kindern vermittelt, dass Frauen schön sein müssen und sich um Haushalt und Kinder zu kümmern haben. Ewig gestrige Erzieher definieren immer noch, dass Männer Kämpfer sind und stark zu sein haben und dass sie das Geld nach Hause bringen sollen.
Diejenigen Eltern, die immer noch den Mädchen die Puppen und den Jungs die Spielzeugautos in die Hände drücken, dürfen sich deshalb nicht darüber aufregen, dass die Kinder so werden, wie sie eigentlich nicht sein müssten. Denn wenn herkömmliche Rollenklischees von den Eltern, Kindergärten und Schulen vorgelebt werden, können die Kinder sich nicht anders entwickeln.

Unsterbliche Klischees?

Die dümmsten und plattesten Klischees sind oft auch diejenigen, die am längsten überleben. Sie lauten zum Beispiel „Frauen müssen schön sein“ oder „Männer interessieren sich alle immer für Autos und Fußball…“ Unzählige Mütter und Väter, die nach diesen Klischees denken und handeln sind immer wieder fleißig darum bemüht aus Mädchen optisch ansprechende Beautys werden zu lassen und die Jungs zu Freaks zu erziehen, die sich keinen Funken um den eigenen Körper scheren.
Und so bekommen Mädchen von solchen Eltern dann ihre Barbie, die dann ihre Vorbildfunktion übernehmen kann. Das ist nicht erst seit 1959 so sondern bereits seit Jahrhunderten – auch schon vor Barbies Welt.
Muss das für immer so bleiben? Ken zumindest hat versagt. Denn seine Karriere als Vorbild für die Männerwelt scheiterte. Ken war noch nie ein Vorbild und er führt deshalb seither ein Schattendasein. Er ist Beschäftigungslos, dank einer unermesslich großen Zahl von Eltern. Ob Ken Hartz IV-Bezieher ist? Wir wissen es nicht…

Auch heute noch ist die Zahl der Jungs wohl an einer Hand abzählbar, die Ken in ihrer Kindheit zum spielen geschenkt bekommen haben. Kens Optik blieb also wirkungslos. Obwohl es Bedarf gäbe, gab und gibt – seit mindestens 58 Jahren. Denn wäre Kens Potential erkannt worden, hätte auch er eine steile Karriere hinlegen können. Dabei hätte Ken mit seiner Vorbildfunktion so manchem Herrn helfen können, ein ungepflegtes Erscheinungsbild mit einer mangelhaften Optik zu vermeiden.

Trotz allem „Ken-Typen“ – wohin man schaut

Ken ist ein Verlierer, so möchte man meinen. Aber was erklärt, dass man heutzutage doch zahlreiche Männer sehen kann, die Ken erstaunlich gleichen? Wer hat diesen Männern als Vorbild gedient für Waschbrettbäuche, gestählte Körperproportionen und makellos glatte Haut und volle Wallemähnen, die Ken in seiner Schönheit sogar in den Schatten stellen könnten? Was ist passiert, dass sich die Aufmerksamkeit der Männer auf ihre eigene Erscheinung gerichtet hat?

Einen sehr großen Einfluss auf diese heutigen „Ken-Typen“ haben Marketing und Werbung. Denn die Bereiche der sogenannten Männerkosmetik wurden und werden stetig vergrößert und erweitert. TV-Spots und Anzeigen mit Typen wie Ken sieht man deshalb wohin man auch schaut. Werbungen und Marketing dieser Art sollen heutzutage durch den Verkauf von Beautyprodukten für den Mann die Gewinne einfahren, welche im Verkaufsbereich der Frauenkosmetik mittlerweile stagnieren und immer schwieriger zu steigern sind.

Welches Fazit sollte Mann daraus ziehen?

Trotz einiger kritischer Einwände sollte Mann diese Verbesserung der männlichen Optik positiv sehen. Denn ist es nicht für jeden Menschen von Vorteil, wenn er auf die Gesundheit und Pflege des eigenen Körpers achtet? Eine solche Achtsamkeit macht sich bezahlt. Wer in diesem Sinne beispielsweise seine Haut pflegt, sich gesund ernährt, Sport treibt und mit Charme und Stil seinem sozialen Umfeld begegnet, tut sich und anderen etwas Gutes.
Das darf dann auch zu sehen sein - und so aussehen, wie Ken.

von Niels Blume
Betreiber von www.mensmirror.de





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