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15.02.2026

Paradigmenwechsel in der Allergieprävention

Früher galt: Vermeidung von Allergenen schützt vor Allergien. Heute zeigt die Wissenschaft das genaue Gegenteil: Eine strikte Vermeidung, besonders bei Kindern mit erhöhtem Allergierisiko, kann das Immunsystem in die falsche Richtung lenken.

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Statt Allergene zu meiden, wird nun zur frühen und kontrollierten Gewöhnung geraten – ein Prozess, der als Toleranzinduktion bezeichnet wird.

Studien belegen, dass Kinder, die früh mit potenziell allergenen Lebensmitteln wie Erdnüssen, Eiern oder Fisch in Kontakt kommen, deutlich seltener Allergien entwickeln. Ein prominentes Beispiel ist die LEAP-Studie, die zeigte: Hochrisikokinder, die ab dem ersten Lebensjahr regelmäßig Erdnüsse aßen, erkrankten viel seltener an Erdnussallergie.

Empfehlungen für Schwangere und Stillende

Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist keine allergenarme Diät mehr nötig. Im Gegenteil: Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung mit vielfältigen Lebensmitteln – einschließlich Fisch, Obst, Gemüse und Milchprodukten – wird ausdrücklich empfohlen.

Besonders Fischkonsum scheint einen schützenden Effekt gegen Asthma und andere atopische Erkrankungen zu haben. Auch die Aufnahme von häufigen Allergenen wie Erdnüssen oder Kuhmilch durch die Mutter kann bereits im Mutterleib zur Toleranzbildung beitragen. Die Annahme, dass diese Lebensmittel das Allergierisiko erhöhen, hat sich nicht bestätigt.

Beikost: Frühe Vielfalt statt Verzögerung

Die Einführung der Beikost sollte zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat erfolgen. Ein späterer Start reduziert das Allergierisiko nicht – im Gegenteil: Hinauszögern kann das Risiko erhöhen
Empfohlen wird eine zügige und vielseitige Beikost, die alle gängigen Lebensmittel enthält – auch solche mit hohem allergenen Potenzial:

  • Fisch sollte früh auf den Speiseplan kommen – er senkt das Risiko für Ekzeme.
  • Glutenhaltige Getreide (z. B. Weizen, Dinkel) werden zwischen dem 5. und 7. Monat eingeführt, am besten schrittweise.
  • Hühnerei wird ab dem 5. Monat empfohlen – jedoch nur durcherhitzt (gekocht oder verbacken), niemals roh.

Das Weiterstillen nach Beikosteinführung bleibt wichtig, um das Immunsystem zu stärken. 

Rolle von Haustieren und Umwelt

Der Kontakt zu Mikroben und Allergenen in der Umwelt stärkt das Immunsystem. Dies belegt die sogenannte Hygienehypothese: Kinder, die in „zu sauberen“ Umgebungen aufwachsen, haben ein höheres Allergierisiko.

Besonders deutlich wird dies bei:

  • Bauernhofkindern, die deutlich seltener an Asthma oder Heuschnupfen leiden – vermutlich durch frühen Kontakt zu Tieren und Stallmikroben.
  • Hunden im Haushalt, die sogar einen schützenden Effekt gegen allergisches Asthma und Neurodermitis zeigen.
  • Katzen hingegen sollten in Familien mit hohem Allergierisiko nicht neu angeschafft werden, obwohl bestehende Katzen nicht abgeschafft werden müssen.

Auch Kinderkrippenbesuch oder das Vorhandensein älterer Geschwister senken das Allergierisiko durch vermehrten Keimkontakt

Fazit: Gewöhnung statt Abschirmung

Der aktuelle wissenschaftliche Konsens lautet klar: Gewöhnung statt Vermeidung. Das Immunsystem braucht vielfältige Reize, um eine gesunde Toleranz aufzubauen.

Wichtige Schlüsselprinzipien:

  • Keine Diät in Schwangerschaft und Stillzeit – im Gegenteil: Vielfalt ist schützend.
  • Frühe Beikost ab dem 4. Monat mit allen Lebensmitteln, auch allergenen.
  • Weiterstillen mindestens bis zum 4. Monat, idealerweise länger.
  • Keine Kaiserschnitte ohne medizinische Notwendigkeit – natürliche Geburt fördert die Keimbesiedlung.
  • Verzicht auf Tabakrauch und Innenraumschadstoffe, aber keine übermäßige Hygiene.

Die ersten Lebensjahre sind die kritische Phase für die Entwicklung der Immuntoleranz – und damit die beste Gelegenheit, Allergien vorzubeugen. 

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