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12.10.2010

Naturheilverfahren bei Rosazea

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B. Uehleke, Berlin

Es existiert keine eindeutige und verbindliche Definition von Naturheilkunde bzw. Naturheilverfahren. Eine Gleichsetzung mit alternativer oder komplementärer Medizin ist insofern nicht sachgerecht, als sich im 19. Jahrhundert eine eigenständige dogmatische Entwicklung der Naturheilkunde ergab. Dabei stand zunächst die Kaltwassertherapie im Vordergrund. Die von dem Bauern Vincenz Prießnitz auf dem Gräfenberg im südschlesischen Gebirge betriebene Kaltwasseranstalt übernahm Vorreiter- und Vorbildfunktion. Neben uns heute recht brutal erscheinenden Kaltwasseranwendungen gab es dort auch Schwitzprozeduren und Bewegung. Die von seinem Nachbarn Johannes Schroth entwickelte Schrothkur war mehr auf feuchte Wärme und Restriktion der Ernährung und wechselnde Trinkmengen ausgerichtet. Als das Interesse an der Hydropathie in den 40er Jahren nachließ wurde in der Namensgebung das Kaltwasser- gegen Naturheil- ausgetauscht. Zu den Naturheilverfahren sollte demnach nicht nur kaltes und auch warmes Wasser gehören, sondern auch Bewegung, Licht und Luft sowie gesunde Ernährung. Gegen Ende des 19. Jhs. erkannte der berühmte Pfarrer und Wasserdoktor Sebastian Kneipp, dass man auch mit zeitlich stark verkürzten Wasseranwendungen zum Erfolg kommt. Kneipp ist auch zu verdanken, dass mild wirksame Heilkräuter die Naturheilverfahren ergänzten. Heute ist die Kneippsche Lehre als ein System mit den 5 Säulen Wasser, Bewegung, Ernährung, Kräutern und Ordnung weithin bekannt. Ordnung bzw. Lebensordnung betont die psychischen Aspekte von Erkrankungen, bietet Anleitung und Motivation zu einem gesunden Leben, dem richtigen Umgang mit Streß und entsprechenden Entspannungsmethoden.
Diese 5 Säulen nach Kneipp gehören zum Kern der so genannten klassischen Naturheilkunde; schließlich waren Sie schon im klassischen Zeitalter den Ärzten der alten Griechen und Römern vor über 2 Jahrtausenden bekannt. Die Balneotherapie mit ortsgebundenen speziellen Quellen oder Schlämmen spielte ursprünglich in der Naturheilkunde schon deswegen keine Rolle, weil sie sich fest in der Hand der damaligen angefeindeten „Schulmedizin“ befand.
Während Kneipp Lehm nur äußerlich anwandte, entwickelte der Naturheiler Adolf Just Anfang des 20. Jhs. seine spezielle Luvos® Heilerde zur innerlichen und äußerlichen Anwendung.
Heute sind die klassischen Naturheilverfahren weitaus weniger Außenseiter als Spezialmethoden wie Akupunktur oder Homöopathie: Größtenteils hat die Medizin einzelne Naturheilverfahren akzeptiert und sogar in eigene Fächer vereinnahmt: Wassertherapie und Massage spielt in der Physikalischen Medizin eine Rolle, Bewegung ebenso und auch in der Sportmedizin, Ernährung in der Ernährungsmedizin, und Teile der Ordnungstherapie in der Psychosomatik. Viele Heilpflanzen sind heute von der modernen Pharmakologie akzeptiert. Dennoch hat Naturheilkunde als eigenes Querschnittsfach eine besondere Bedeutung, da nur dadurch der gleichzeitige Einsatz mehrerer oder aller klassischen Naturheilverfahren individuell angepasst für den einzelnen Patienten verfügbar wird.

Im folgenden werden wir die Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen der einzelnen Naturheilverfahren speziell im Hinblick auf Rosacea darstellen.


Hydrotherapie

Heute meinen wir mit Hydrotherapie die kalten und warmen Wasseranwendungen nach Kneipp. Es geht vorrangig also um Temperaturreize, wie sie auch durch warme oder kalte Auflagen und Packungen (z.B. mit Fango, Heilerde, Moor usw) vermittelt werden. Diese wirken aber nicht nur als Temperaturreize, sondern entfalten ebenso wie die von Kneipp verwendeten Kräuter als Zusatz zu Waschungen, Wickeln oder Bäder spezielle Wirkungen an der Haut und nach Resorption im ganzen Körper. Auch balneologische Anwendungen am Kurort können so zusätzlich durch die speziellen Inhaltsstoffe der Heilwässer wirksam werden.

Das Programm nach Kneipp besteht vor allem aus Waschungen, Güssen, Wickeln und Bädern des ganzen Körpers oder einzelner Körperpartien, dazu Wassertreten, Tau- oder Schneegehen. Dabei wird das Wasser entweder nur kalt, oder auch im Wechsel von warm und kalt oder schließlich nur warm bzw. heiß angewendet. Nach Kneipps der damaligen Zeit entsprechenden Vorstellungen sollten die Krankheitsstoffe dadurch aufgelöst, abtransportiert und ausgeschieden werden, wobei Warmanwendungen vor allem bei Patienten mit unzureichender Reaktionskraft die Vorbereitung für spätere Kaltanwendungen übernahmen. Durch Kaltreize sollte schließlich der Körper unempfindlicher gemacht, d.h. gegen Krankheiten „abgehärtet“ werden. Übrigens können auch kälteempfindliche Menschen Kneippsche Kaltanwendungen vertragen – wichtig ist, die Anwendungen zunächst nur einige Sekunden lang anzuwenden.

Heute weiß man, dass insbesondere die kurzdauernden Kaltanwendungen gefäßtrainierend und durchblutungsfördernd wirken. Nach dem Kaltreiz ziehen sich die Blutgefäße der Haut zusammen und die behandelte Haut wird zunächst blass. Wichtig für die Auslösung des Reizes ist eine Wassertemperatur deutlich unter der peripheren Hauttemperatur, erfahrungsgemäß unter 15 °C.
Anschließend kommt es aber schon bald – insbesondere bei kurzdauernden Reizanwendungen zu einer zweiten Hautreaktion: Die Haut wird stärker durchblutet und färbt sich rosarot. Diese von Nerven und Hormonen gesteuerte „reaktive Hyperämie“ hält einige Zeit (Minuten bis Stunden) nach der Kaltwasseranwendung an und geht mit einem angenehmen Erwärmungsgefühl einher. Wenn die reaktive Hyperämie nicht eintritt („Fehlreaktion“) muss eine bessere Vorerwärmung durch Bewegung, Warmanwendungen oder Sauna oder Bewegung oder Aufenthalt im warmen Bett nach der Anwendung herbeigeführt werden.

Der Reiz wirkt keineswegs nur im Bereich der behandelten Hautpartie, sondern über Nerven und Hormone auf den gesamten Körper einschließlich der Psyche. Bei einem Kaltreiz reagiert nicht nur die behandelte Körperpartie, sondern auch die kontralaterale Seite: Diese „konsensuelle Reaktion“ besteht auch zwischen oberen und unteren Extremitäten, zwischen den Extremitäten und Blasen-Genital-Bereich sowie Hals-Nasen-Rachen-Bereich.
Um die reaktive Hyperämie nicht zu stören, wird auf mechanisches Trockenrubbeln nach der Kaltanwendung verzichtet. Der Patient streift das Wasser mit der Hand ab und zieht sich wieder an oder geht zurück ins Bett. Nur die Fußsohlen und Handflächen dürfen abgetrocknet werden.

Durchblutungsregulation

Es leuchtet ein, dass sich die Gefäße bzw. deren Regulation durch wiederholte Kaltanwendungen trainieren lassen. Sie „lernen“ auf den Kaltreiz besser, d.h. zweckmäßiger, zu reagieren, und es kommt zu einer abnehmenden Empfindlichkeit des Körpers gegen Kälte ? zur Abhärtung. Dies könnte für Patienten mit Rosacea nützlich sein. Und wenn die lokale Anwendung, der Gesichtsguß, als zu unangenehm empfunden wird, kann man erst einmal gesichtsfern starten mit Anwendungen an den Armen oder Beinen.
Gleichzeitig wird durch dieses Gefäßtraining die Neigung zur Arteriosklerose herabgesetzt. Auch die durch übermäßigen psychischen Stress verursachten Fehlregulationen der Durchblutung, oft erkennbar an kalten Händen und Füßen, lassen sich durch wiederholte Kaltreize günstig beeinflussen. Die Extremitätentemperatur lässt sich bei entsprechenden Patienten nach einigen Wochen relevant steigern. Auch der Blutdruck zeigt eine Tendenz zur Normalisierung, d.h. zu hohe und zu niedrige Werte werden gegenläufig beeinflusst.

Abhärtung/Infektvorbeugung

Die bereits von Kneipp beschriebene Abhärtung des Körpers durch Wasseranwendungen konnte durch neuere Untersuchungen bestätigt werden: Die Erkältungshäufigkeit nimmt nach regelmäßig durchgeführten Kaltwasserreizen, z.B. in Form von „Wechselduschen“ (d.h. Kaltduschen der Beine nach dem Warmduschen), um die Hälfte ab. Diese erstaunliche Erhöhung der Widerstandskraft des Organismus tritt jedoch erst nach mehrmonatiger und regelmäßiger Wasseranwendung ein. Die bessere Infektabwehr ist vermutlich durch eine Anregung des Immunsystems sowie eine vermehrte Durchblutung im Nasen-Rachen-Bereich bedingt. Vermutlich bezieht sich die bessere Infektabwehr auch auf andere Infektionen, möglicherweise auch auf Infekte im Bereich der Haut, wie sie bei manchen Formen der Rosacea eine Rolle spielen.

Stressregulation

Womöglich noch bedeutsamer ist die „Abhärtung gegen Stress“. Während eine Kaltanwendung insbesondere bei unabgehärteten Menschen eine erhebliche und für den ganzen Körper belastende Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin zur Folge hat, steigen diese nach einer Kaltanwendung im Anschluss an eine mehrwöchige Kneippkur in deutlich geringerem Ausmaße an als zuvor. Dieses Phänomen wird als Anpassung (Adaptation) bezeichnet und ist als Training des Organismus zu werten. Überraschend ist jedoch, dass diese Adaptation nicht nur gegen Kaltreize, sondern auch gegen psychischen Stress und Ärger hilft: Nach einer Kneippkur ist man gegen zu starken Stress abgehärtet! Mit einer solchen Kreuzadaptation erklärt sich auch der umfassende Erfolg der Kneippkur bei völlig verschiedenen Erkrankungen, wie Magengeschwüren, Herzinfarkten oder überforderten „Nerven“, die jedoch alle eine gemeinsame Ursache ? den übermäßigen Stress ? haben. Im Prinzip erreicht man durch regelmäßige Kaltreize einen Teil der gesundheitsfördernden Effekte von Sport – nur sehr viel zeitsparender!
Eine weitere Wirkung wird oft in der ansonsten sehr umfassenden wissenschaftlichen Literatur übersehen: Die Kaltwassertherapie hat eine ausgleichende und stimmungsaufhellende Wirkung auf die Psyche, sodass man damit sogar einer leichten Depression entgegenwirken kann. Dieser Aspekt war zwar auch Kneipp bereits vor 100 Jahren bekannt, in den letzten Jahrzehnten ist er jedoch etwas in Vergessenheit geraten. Eventuell hängt dieser Effekt mit der Streßabhärtung zusammen, wahrscheinlich sind aber auch weitere Stimmungsmediatoren z.B. Endorphine beteiligt.

Warme Bäder ? verstärkt durch entsprechende Kräuterzusätze ? verbessern den Stoffwechsel und wirken muskelentspannend, was gerade nach dem Sport oder nach viel Stress, aber auch bei rheumatisch veranlagten Personen nützlich ist. Mit der damit erreichten körperlichen Entspannung geht überdies eine psychische Entspannung und Beruhigung einher.

Für die Rosacea kann also eine allgemeine Kneippkur eine günstige Umstimmung über Durchblutungsregulation, Infektabwehr und Stressregulation erwartet werden. Spezifische Effekte sind durch Anwendungen im Gesichtsbereich denkbar. Es bleibt auszuprobieren, ob einzelne oder regelmäßige Gesichtsgüsse dazu beitragen können, Entzündungen und Flushes bei Patienten mit Rosacea zu mildern.
Eine äußerliche Anwendung mit Heilerde wirkt kühlend sowie desinfizierend und austrocknend und kann Entzündungen bzw. Erythem lindern und akneforme Hauterscheinungen beseitigen. Bei mit Wasser angerührtem Heilerdebrei tritt keinesfalls ein Wärmestau auf, sondern eine deutliche Kühlung durch Verdampfen des Wassers auf. (Natürlich soll man dann keine Folien oder undurchlässige Tücher außen anbringen.) Nach rund 30 Minuten kann die angetrocknete Heilerde abgelöst werden. Darunter befindet sich eine reizfrei entfettete, entkeimte und oberflächlich gepeelte Haut. Bei unangenehmer Hautaustrocknung kann nachgefettet werden. Weniger empfehlenswert sind Masken, der der Heilerde mit fetten Ölen angemischt ist – hier ist ein Wärmestau nicht auszuschließen. Hervorragende Behandlungsergebnisse in Einzelfällen motivieren uns für eine systematische Anwendungsbeobachtung in Berlin, bei der wir eine 3malige Anwendung mit einer einmaligen Anwendung pro Woche vergleichen.

Auflagen mit Quark wirken ebenfalls leicht kühlend und entzündungshemmend, wirken aber kaum austrocknend und desinfizierend. Auflagen mit Kräuterzusatz bzw. Moor sollen im nächsten Beitrag über Heilkräuter besprochen werden.


Nach der Darstellung von Hintergrund und Entwicklung der Naturheilkunde sowie der Darstellung der Hydrotherapie bzw. der Kneippkur einschließlich von Auflagen bzw. Masken mit Heilerde oder Quark sollen hier die anderen klassischen Naturheilverfahren dargestellt werden. Im Zusammenhang mit Rosacea sind Bewegung und Lebensordnung vor allem als Möglichkeiten zur Streßreduktion bzw. Abhärtung gegen Streß interessant. Ernährung und Heilpflanzen bieten eine Reihe von Möglichkeiten gegen Rosacea. Damit sind die 5 Säulen der Kneippschen Naturheilkunde komplett. Als wichtigsten weiteres klassisches Naturheilverfahren wäre dann noch die Lichttherapie bzw. Sonnentherapie (Heliotherapie) zu betrachten – allerdings verschlimmern sich meistens die Rosacea-Erscheinungen unter Besonnung, so dass hierzu keine weiteren Erfahrungen mit vorsichtig einschleichender Besonnung oder Bestrahlung mit besonderen Lichtquellen vorliegen.

Fast jedem Patienten ist der Zusammenhang seiner Rosacea-Schübe mit Streß bekannt. Streß im negativen Sinne ist man aber durch die Umwelt ausgeliefert und kann sich nicht so ohne weiteres entziehen, wie man das manchmal gerne möchte.
Die Ordnungstherapie umfasst alle möglichen Verhaltensanleitungen, um den Streß erträglicher zu machen und einen gesunden Ausgleich zu bringen – dies bedeutet in der Praxis, dass man sich die Zeit einplant, genügend Pausen, Freizeit und Urlaub zu haben. Darüber hinaus bringt eine entsprechende Planung und Prioritätensetzung einen einigermaßen strukturierten Tagesablauf mit ausreichend Schlaf und einigermaßen geregelten Mahlzeiten. Auch wenn solche Überlegungen altmodisch erscheinen mögen, so haben moderne Wissenschaften wie Chronobiologie auf die Abhängigkeit vieler Körperfunktionen von entsprechenden regelmäßigen Rhythmen nachgewiesen. Natürlich steckt der gesunde Körper einiges weg: eine durchfeierte oder durchgearbeitete Nacht bedeutet noch lange keine Katastrophe – aber solche Belastungen addieren sich und irgendwann ist die Grenze der Überlastung erreicht.
Durch eine selbstbewusste aber den Mitmenschen gegenüber freundliche Einstellung wird viel unnötiger Streß von vornherein fern gehalten. Aber man soll auch nicht zu große Anforderungen an sich und seine Mitmenschen stellen. Es ist sinnvoll – evtl. mit Hilfe eines Psychotherapeuten - darüber zu reflektieren, wie unausgesprochene Erwartungen, Hoffnungen oder Ängste unser Handeln und Auftreten beeinflussen.
Letztendlich hängt die Lebensordnung auch mit unserer Lebensphilosophie zusammen – welche Ziele streben wir an und wozu leben wir eigentlich?
Zum Ausgleich gegen Streß bieten sich zahlreiche Entspannungsmethoden an, wie Yoga-Übungen, Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation.
Natürlich geht eine körperliche Entspannung auch mit einer psychischen Entspannung einher und daher ist jede Art von Bewegung, Sport und Gymnastik aus der Bewegungstherapie auch eine Möglichkeit zur streßlindernden Entspannung. Bei der aktuellen Wellness geht es auch gerade darum eine psychische und körperliche Entspannung unter angenehmen Bedingungen herbeizuführen. Eine aktive Bewegung ist jedoch genauso wie die Hydrotherapie zunächst mit einem körperlichen Streß verbunden, dem automatisch eine gegenregulatorische Entspannung folgt. Wird dies einigermaßen regelmäßig betrieben erreicht man damit nicht nur eine regelmäßige Entspannung sondern auch eine zusätzliche Abhärtung gegen Streß. Hierfür bedarf es nicht so viel Aufwand wie die Sportmedizin empfiehlt (nämlich mehrfaches wöchentliches Dauertraining über je mindestens ½ Stunde), sondern es genügen auch kurze Belastungen wie schnelles Treppenlaufen oder rasches Sprinten bis man außer Atem kommt. Für denjenigen, der solche Belastungen nicht mag, ist aber selbst der gesundheitsfördernde Effekt von Spazierengehen nicht zu bestreiten. 

Die Ernährung ist für die Gesundheit unumstritten wichtig. Die moderne Ökotrophologie bestätigt die naturheilkundliche Bevorzugung einer vegetarisch orientierten vollwertigen Kost mit möglichst wenig „verkünstelten“ Lebensmitteln. Übergewichtige müssen dabei die Kalorien im Auge behalten und daran denken, dass auch in Getränken, besonders auch dem Alkohol viele Kalorien stecken. Im Hinblick auf Entzündungsvorgänge, wie sie auch bei Rosacea vorkommen, ist eine Reduktion der Zufuhr von Arachidonsäure (vor allem in Schweinefleisch) anzustreben. Natürliche Gegenspieler sind ungesättigte Fettsäuren, vor allem die Omega-Fettsäuren aus Fisch. Dazu brauchen Patienten mit chronischen Entzündungen ausreichend radikalfangende Vitamine (A, C, E) sowie Spurenelemente (Magnesium und Selen). Flavonoide sind radikalfangende Naturstoffe, die keineswegs nur im Rotwein vorkommen, sondern auch beispielsweise in fast allen Gemüsen, Zwiebeln und im grünen Tee (und in allen möglichen Heilpflanzen).
Insgesamt ist zu bedenken, dass bei chronisch entzündlichen Erkrankungen oft das Immunsystem insgesamt belastet ist; wegen dem engen Zusammenhang zwischen Darm und Immunsystem ist daher insgesamt auf eine gesunde Verdauung zu achten. In der Naturheilkunde legt man durch eine entsprechende Ernährung großen Wert auf einen regelmäßigen Stuhlgang.

Besonders ausgesucht Heilpflanzen können nachgewiesenermaßen bei ausgezeichneter Verträglichkeit günstige Wirkungen auslösen. Im Unterschied zu chemisch definierten Arzneimitteln wird diese Besonderheit durch die Vielzahl an Inhaltsstoffen in der Pflanze erklärt, die als natürliches Substanzgemisch die besonders sanften und nebenwirkungsarmen Effekte auslösen sollen.
Bei verschiedenen Erkrankungen mit Entzündungsneigung, z.B. bei rheumatischen Erkrankungen nehmen die Patienten langfristig innerlich Heilpflanzen ein, welche die Entzündungsbereitschaft des Organismus dämpfen (ähnlich wie Kortison, jedoch ohne dessen unerwünschte Wirkungen). Dies sind vor allem Weidenrinde, Brennessel und Weihrauch. Während Weihrauchpräparate in Deutschland noch nicht als Arzneimittel zugelassen sind, werden Kuren mit Brennesselblättern (als Salat, Saft, Tee oder Tabletten) traditionell zur sog. Blutreinigung angewendet. Neuerdings hat man stark entzündungshemmende Stoffe in den Brennesselblättern gefunden und günstige Erfahrungen bei rheumatischen Erkrankungen gemacht. Weidenrinde enthält ähnliche entzündungshemmende Substanzen wie im Aspirin®. Allerdings sind die Mengen in einem Tee um Größenordnungen niedriger. Auch in Extraktzubereitungen sind die Mengen immer noch verhältnismäßig niedrig. Neuerdings erklärt man die nachgewiesenen Wirkungen bei rheumatischen Erkrankungen zusätzlich durch andere Stoffe aus der Gruppe der Flavonoide. Der neue Extrakt Proaktiv® enthält besonders hohe Mengen an Salicin und an Flavonoiden und verspricht daher eine besonders gute entzündungshemmende Wirkung bei ausgezeichneter Verträglichkeit.


Für den innerlichen Gebrauch als zu schwach, aber bei Hautentzündungen lokal durchaus wirksam ist Kamille. Weitere Pflanzen zur lokalen Anwendungen direkt an der Haut in Form von Salben, Cremes und Gel sind Arnika und Ringelblume. Bei Arnika soll man wegen der Gefahr der Allergisierung nur die diesbezüglich günstigere Arnika-Sorte spanischer Herkunft  verwenden, wie sie in Kneipp Arnika-Salbe® enthalten ist.
Eine Reihe von ätherisch-Öl-Pflanzen wirken stark keimhemmend, wir bevorzugen im Hautbereich das Thymianöl, welches aber nur verdünnt eingesetzt werden darf, um Hautreizungen zu vermeiden. Thymainöl wirkt ähnlich wie das weniger gut untersuchte Teebaumöl günstig bei Akne vulgaris  und könnte statt einem Antibiotikum angewendet werden.
Zur Rückfettung eignen sich pflanzliche Öle; besonders interessant ist das reich an der ungesättigten Fettsäure Gamma-Linolensäure reiche Nachtkerzenöl, welches bei endogenem Ekzem sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet wird.

Leider gibt es keine Studien speziell zu Heilpflanzen bei Rosacea. Andererseits ist je nach Form und Erscheinungsbild bei Externa die richtige Darreichungsform wichtig, so dass man durchaus verschiedene pflanzliche Produkte ausprobieren sollte – oder sich von einem versierten Arzt individuelle Rezepte geben lässt.


Buchempfehlung zur Phytotherapie:
Saum, Meyer, Uehleke: Handbuch der Klosterheilkunde. Zabert Sandm

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