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Triclosan

28.10.2017

Fotolia BillionPhotos.comEin Mitglied des Deutschen Neurodermitis Bundes e.V. (DNB)  stellte folgende Frage an die Geschäftsstelle: „Meine Hautärztin hat mir wegen Neurodermitis und auch einem Kind (11 J) eine Salbenmischung mit Triclosan wg. häufigem Stapp.aureus-Befalls verschrieben, die wir unbegrenzt verwenden sollen. Jetzt habe ich gehört, dass Triclosan bei langfristiger Nutzung Kontaktallergien auslösen kann, hormonell wirkt, Einfluss auf die Schilddrüse hat (habe selbst eine starke Schilddrüsenunterfunktion) und unter Einwirkung von Sonnenlicht in giftige/krebserzeugende Bestandteile zerfällt.

Stimmt das? Sollte dann gerade ein Kind Triclosan nicht permanent anwenden? Gibt es eine Alternative als Crememischung?“

Wie immer bei medizinischen Anfragen leitete der DNB solche Fragen an Mitglieder des dermatologischen Expertenteams weiter, um so eine verlässliche, evidenzbasierte Antwort
an die Mitglieder weiterreichen zu können. In diesem Falle antwortete Frau Priv.-Doz. Dr. med. Ina Hadshiew, Köln auf die Anfrage wie folgt:

„Triclosan ist ein bakterienhemmender Wirkstoff, der in einer Vielzahl von kosmetischen Präparaten und Desinfektionsmitteln eingesetzt wird. Neben Cremes, wird Triclosan ebenfalls in Zahnpasta, Deos, Seifen, Haushaltsreinigern und Waschmitteln eingesetzt. Die zulässige Höchstkonzentration als Konservierungsmittel für diese Anwendung liegt in Deutschland bei 0,3 %!
Genau in letzteren liegt das Problem; obwohl in Seifen und Reinigungsmitteln die Konzentration von Triclosan sehr gering (und praktisch wirkungslos) ist, fördert diese Beigabe dennoch die Resistenzbildung von Bakterien. Auch Kreuzresistenzen zu Doxycyclin oder Ciprofloxacin können hierdurch entstehen. Daher rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vom Einsatz von Triclosan in diesen Produkten ab! Auch die FDA (die amerikanische Food-and Drug Administration, also Lebensmittel-und Medikamenten- Überwachungsbehörde) stuft Triclosan als Bestandteil von antibakteriellen Handseifen als überflüssig ein und forderte Hersteller zur Änderung der Zusammensetzung auf.
In angemixten, per Rezeptur in der Apotheke hergestellten Cremes, beträgt die Konzentration von Triclosan typischerweise zwischen 1–3%. Solche Cremes werden gezielt zur Behandlung von superinfizierten (also mit Bakterien besiedelten) atopischen Ekzemen (Neurodermitis) eingesetzt.

Potentielle Risiken:
In einer 2014 veröffentlichten Studie wurde für Mäuse gezeigt, dass Triclosan Zellproliferation, Leberfibrose und proinflammatorische Immunantworten auslöst. Die Relevanz der lebertoxischen Wirkung von Triclosan für den Menschen ist jedoch nicht geklärt.
Auch weitere potentielle Risiken, insbesondere der Verdacht, dass Triclosan den Hormonhaushalt schädigen könne, ist für den Menschen nicht belegt, da diese Ergebnisse lediglich aus Experimenten an Zellkulturen stammen. So wurde in einigen zellbasierten Versuchen ein antiöstrogenes und/oder antiandrogenes Potenzial von Triclosan nachgewiesen.
Die Haut von Neurodermitis Patienten darf auch in Zeiten, in der sie weitgehend symptomfrei ist, nicht vernachlässigt werden. Um sie ausreichend mit Fett und Feuchtigkeit zu versorgen, sollte sie mehrmals täglich eingecremt werden.

Konservierungsstoffe und Duftstoffe können jedoch Kontaktallergien auslösen und sollten insbesondere bei Neurodermitikern, deren Hautbarriere gestört ist, möglichst gemieden werden.
Triclosan hat zwar nur ein relativ geringes Allergiesierungspotenzial; Verbraucher haben allerdings durch den verbreiteten Einsatz von Triclosan in Kosmetika und anderen Produkten eine gehäufte Exposition und somit ein potentiell erhöhtes Risiko.

Abschließend lautet somit die Empfehlung Triclosan in Seifen, Waschmitteln, etc. strikt zu meiden. Die gezielte Anwendung in Cremes, bei Patienten mit atopischem Ekzem kann jedoch sinnvoll sein, sollte aber nicht per se, prophylaktisch, erfolgen.

Die hautsache-Redaktion dankt dem DNB für die freundlich erteilte Abdruckgenehmigung.
Der Original-Artikel ist in der Mitgliederzeitschrift des DNB – hautfreund - erschienen.





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