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Empfehlungen der DDG in Coronazeiten

27.07.2020

istock ChesiireCatIn Zeiten wie diesen melden sich zu allerlei Themen immer viele zu Wort. Bei den Einen handelt es sich um wissenschaftliche Aussagen, bei den Anderen sind es oft Privatmeinungen oder Meinungen mit einem, oft wirtschaftlichem, Interessen-Hintergrund.
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG) ist die wissenschaftliche Fachorganisation der Deutschen Dermatologie. Hautsache versteht diese Aussagen als allgemein gültigen Maßstab nach heutigem Stand der Wissenschaft.

Die folgenden Empfehlungen der DGG in Anlehnung an Empfehlungen der europäischen Task Force für atopische Dermatitis (ETFAD)(1) und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI)(2) basieren auf dem Stand 24.3.2020. Da sich die Einschätzung in der nächsten Zeit bei wachsendem Erkenntnisgewinn zu COVID-19 ändern könnte, orientieren Sie sich bitte immer an den aktuellsten Empfehlungen der wissenschaftlichen Fachgesellschaften.

Basistherapie, topische anti-entzündliche Therapie der atopischen Dermatitis

Grundsätzlich wird die konsequente Fortsetzung einer leitliniengerechten Basistherapie und anti-inflammatorischen Therapie mit topischen Kortikosteroiden und topischen Calcineurininhibitoren empfohlen(3).
Trotz des bekannten Hautbarrieredefekts und der erhöhten Hautempfindlichkeit bei atopischer Dermatitis werden konsequente Handwaschungen- und -desinfektionen empfohlen. Nicht-reizende Seifenersatzstoffe (Syndets) sollten in der Intensität verwendet werden, wie sie für Seife empfohlen sind. Nach Hautreinigung und –desinfektion wird bei Patienten mit atopischer Dermatitis und empfindlicher Haut die konsequente Verwendung von rückfettenden Basistherapeutika empfohlen.
Auch sonst gelten für Patienten mit atopischer Dermatitis die gleichen Empfehlungen zum Schutz vor COVID-Infektionen wie für die Gesamtbevölkerung(4).

Systemtherapie der atopischen Dermatitis

Reicht die topische Therapie zur Behandlung der atopischen Dermatitis nicht aus, kann die systemische Behandlung mit Dupilumab (zugelassen ab 12 Jahren) empfohlen bzw. mit konventionellen immunsuppressiven Substanzen wie Ciclosporin (bei atopischer Dermatitis zugelassen ab 16 Jahren) oder ggf. Azathioprin, Methotrexat oder Mycophenolatmofetil (off label bei atopischer Dermatitis) erwogen werden(3). Der Einsatz dieser Medikamente muss sich an den jeweiligen Fach- und Gebrauchsinformationen orientieren.
Weder für Dupilumab noch für niedermolekulare Immunsuppressiva gibt es zuverlässige Sicherheitsdaten bezüglich der Frage, ob diese einen Einfluss auf die Empfänglichkeit für eine Infektion mit SARS-CoV-2 oder auf den Verlauf einer COVID-19 Erkrankung haben.

Dupilumab

Folgende Gründe sprechen nach aktuellem Kenntnisstand dafür, eine Th2-gerichtete Behandlung mit Dupilumab bei gegebener medizinischer Indikation (d.h. moderate oder schwere atopische Dermatitis, die mit topischen Medikamenten nur unzureichend behandelbar ist) weiterzuführen oder zu beginnen:
- Th2-gerichtete immunologische Prozesse, die durch Dupilumab reduziert werden, nehmen nach bisherigen Kenntnisstand keine zentrale Rolle in der Virus-Abwehr ein.
- Systemische Infekte wurden unter der Behandlung mit Dupilumab in kontrollierten Studien nicht vermehrt beobachtet, Hautinfektionen (inkl. das Virus-bedingte Eczema herpeticatum) konnten bei der Behandlung der atopischen Dermatitis sogar signifikant reduziert werden.
- Virus-bedingte Asthma-Exazerbationen treten unter einer TH2-gerichteten Biologika-Therapie seltener auf oder verlaufen weniger schwer(2).
- Bei gleichzeitig bestehendem Asthma bronchiale kann das Absetzen von Dupilumab zu einer Verschlechterung der respiratorischen Symptomatik führen, die wiederum mit einer erhöhten Gefährdung für einen ernsthafteren Verlauf einer COVID-19 Erkrankung haben könnte(2).

Ciclosporin, Azathioprin, Methotrexat, Mycophenolatmofetil

Die genannten Substanzen können grundsätzlich mit Abwehrmechanismen gegen Viruserkrankungen interagieren. Es ist derzeit nicht bekannt, ob und in welchem Maße die genannten Substanzen SARS-CoV-2-Infekte bei Patienten mit atopischer Dermatitis in besonderem Maße beeinflussen. Bei nachgewiesenem, klinisch manifesten SARS-CoV-2-Infekt wird bis auf weiteres eine Unterbrechung der Behandlung der atopischen Dermatitis mit diesen adjuvanten Immunsuppressiva vorgeschlagen.

(1) European Task Force on Atopic Dermatitis (ETFAD) statement on Corona virus (Covid-19) and Atopic Dermatitis, JEADV 2020 submitted
(2) Biologikatherapie und COVID-19. Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI)
(3) AWMF Leitlinie 013-027 Neurodermitis, Aktualisierung zur Systemtherapie 2020 konsentiert
(4) https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/
Für den Vorstand der DDG
Tilo Biedermann (Präsident der DDG), Michael Hertl (Generalsekretär der DDG), Thomas Werfel (Koordinator AWMF Leitlinie Atopische Dermatitis)

Eine Information der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e.V. (DDG).
Berlin, den 24.03.2020





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