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Mit proaktiver Therapie Ekzemschübe bei atopischer Dermatitis verhindern

27.07.2009Bei einer atopischen Dermatitis erscheint die Haut zwischen zwei akuten Ekzemschüben auf den ersten Blick intakt zu sein, tatsächlich aber zeigt sie eine anhaltende subklinische Entzündung, die den Boden für die folgende Exazerbation bereitet. Dies ist die Rationale für die proaktive Therapie mit topischem Tacrolimus bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis. Mit dem neuen Therapiekonzept, bei dem Tacrolimus Salbe über einen längeren Zeitraum zweimal wöchentlich auf zuvor befallene Hautareale aufgetragen wird, lässt sich die Zahl der akuten Ekzemschübe vermindern und die läsionsfreien Intervalle verlängern. Dies betonten die Experten unter dem Vorsitz von Professor Dr. Dr. Thomas Bieber, Bonn, auf einem Symposium, das im Rahmen der 45. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft am 1. Mai 2009 in Dresden stattfand.


Komplexe genetische Disposition

Die atopische Dermatitis ist eine in Schüben verlaufende, chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die sich auf dem Boden einer komplexen genetischen Disposition entwickeln kann. Dabei liegt neben möglichen allergischen Reaktionen und einer Barrierestörung der Haut fast immer auch eine neurogene Entzündung vor. „Aktuellen Übersichten zufolge stehen Neuromediatoren in direktem Kontakt mit immunkompetenten Zellen der Haut und liefern eine Erklärung dafür, wie Emotionen eine entzündliche Reaktion der Haut auslösen können“, betonte Professor Dr. Uwe Gieler, Gießen.

Paradigmenwechsel:
Proaktiv die nicht-läsionale Haut behandeln

Bisheriger Standard bei der atopischen Dermatitis ist die ausschließlich reaktive intensive Therapie von akuten Ekzemschüben mit topischen antiinflammatorischen Wirkstoffen. Professor Dr. Dr. Thomas Bieber, Bonn, machte deutlich, dass ein tieferes Verständnis der Pathomechanismen der Erkrankung jedoch gezeigt hat, dass eine subklinische Entzündung der Haut auch dann bestehen bleibt, wenn die klinischen Zeichen eines akuten Ekzemschubes abgeklungen sind. Diese Entzündungsherde bilden die Grundlage für die Entwicklung weiterer Ekzemschübe, erklärte Bieber weiter.

Die neuen Erkenntnisse bilden die Rationale für ein neues Behandlungskonzept – die proaktive Therapie: Dabei wird Tacrolimus Salbe längerfristig zweimal pro Woche auf zuvor befallene Hautareale aufgetragen. Dieser neue Behandlungsansatz ermöglicht es, aktiv in die subklinische Entzündung zwischen den Ekzemschüben einzugreifen und so das Auftreten von akuten Ekzemschüben hinauszuzögern und die läsionsfreien Intervalle zu verlängern.


Grafik 1: Mit proaktiver Therapie die subklinische Entzündung kontrollieren
© Astellas Pharma GmbH 2009

CONTROL-Studien belegen Effektivität der proaktiven Therapie

Die Effektivität des neuen Therapiekonzeptes bestätigen die beiden von Professor Dr. Andreas Wollenberg, München, präsentierten CONTROL-Studien. In der von Wollenberg publizierten Untersuchung mit 257 Erwachsenen [1] profitierten die Teilnehmer von der zweimal wöchentlichen Anwendung der Tacrolimus Salbe im Anschluss an eine intensive Initialtherapie mit einer signifikant geringeren Zahl an akuten Ekzemschüben im Vergleich zu Patienten, die nur eine reaktive Therapie erhalten hatten. Mehr als die Hälfte der Patienten erlitt innerhalb des Beobachtungszeitraumes von einem Jahr unter der proaktiven Therapie keinen einzigen Ekzemschub und die Zeit bis zum Auftreten des ersten Schubes war unter proaktiver Therapie signifikant länger (etwa Faktor 10!) als unter reaktiver Therapie.  Darüber hinaus war die Lebensqualität in der proaktiv behandelten Gruppe über die gesamte Studien-dauer höher als in der reaktiv behandelten Gruppe. Eine analoge Studie mit 267 Kindern wurde von Thaçi et al. [2] durchgeführt - mit ebenso überzeugenden Ergebnissen.

Die gute Datenlage gab den Ausschlag für die europäische Arzneimittelbehörde EMEA, die Zulassung von Tacrolimus Salbe um die proaktive Therapie zu erweitern.

„Mit einer proaktiven Therapie kann man den Teufelskreis, bei dem die Schübe im Rahmen der „reaktiven“ Vorgehensweise therapiert werden, die Behandlung der trockenen und nicht-läsionalen Haut jedoch vernachlässigt wird, durchbrechen. Mit einer proaktiven Therapie – in Kombination mit einer angemessenen Basistherapie – kann versucht werden, die minimalen Entzündungsreaktionen vollständig zur Rückbildung zu bringen“, so Bieber.


Grafik 2:
Vergleichbarer Salbenverbrauch unter proaktiver und reaktiver Therapie
© Astellas Pharma GmbH 2009

Proaktive Therapie ist wirtschaftlich

Abschließend ging Professor Dr. Matthias Augustin, Hamburg, auf die Versorgung von Neurodermitis-Patienten ein und betonte, dass moderne Therapiekonzepte dem langen Krankheitsverlauf und der hohen Krankheitslast Rechnung tragen müssen. Die Bewertung der Therapieverfahren bei Neurodermitis sollte dabei sowohl auf dem Boden evidenz-basierter Daten zur Wirksamkeit sowie weiterer Parameter wie Patientennutzen und Wirtschaftlichkeit erfolgen. Und auch hier kann die proaktive Therapie mit Tacrolimus Salbe punkten: In den CONTROL-Studien war der Salbenverbrauch unter proaktiver und reaktiver Behandlung praktisch gleich. Bei Patienten mit einer schweren Krankheitsausprägung war der Salbenverbrauch unter der proaktiven Therapie sogar noch deutlich geringer als bei reaktiver Behandlung, d. h. mit gleichem oder sogar geringerem Einsatz von Ressourcen lässt sich für die Patienten ein signifikant besseres Ergebnis erzielen.


Quellen:
Mittagssymposium „Atopische Dermatitis: moderne Therapieschemata in der dermatologischen Praxis“,
1. Mai 2009, anlässlich der 45. Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Jahrestagung in Dresden Veranstalter: Astellas Pharma GmbH, München

[1] Wollenberg A et al. Allergy 2008;63:742-750
[2] Thaçi D et al. Brit J Dermatol 2008;159:1348-56




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