Loading...

Anzeige

Anzeige
13.08.2008

Was ist Stress?

Anzeige

Anzeige


von Dipl.-Psych. Sonja Dargatz

Stress kennen wir doch alle - mal mehr, mal weniger fühlen wir uns gehetzt und ausgelaugt, und machmal wissen wir einfach bei einem Problem nicht weiter. Und wie fühlen wir uns dabei in unserer Haut? Gerade als Hautbetroffener von Rosazea können wir unseren Stress oft an unserem eigenen Hautbild erkennen oder ablesen. Dieser Zusammenhang zeigt, weshalb es so wichtig ist, psychologische Strategien zur Behandlung von Hauterkrankungen heranzuziehen, auch wenn Vitiligo erst einmal als organische Erkrankung bezeichnet wird.
In der heutigen Medizin wird der betontere Teil einer Erkrankung zu Beginn eines Wortes bewusst plaziert. Und so stellt Vitiligo eine grundlegende organische Erkrankung dar, bei der psychologische Faktoren im Verlauf der Erkrankung mit eine Rolle spielen. In diesem Sinne ist es eine somatopsychische Erkrankung und nicht eine psychosomatische Erkrankung. Von einer psychosomatischen Erkrankung würde man hingegen z. B.sprechen, wenn eine Person aufgrund von Mobbing am Arbeitsplatz immer wieder eine Magenschleimhautentzündung erleidet und vorher nie Magenprobleme kannte. Das Wort "Soma" wird aus dem Griechischen mit Körper übersetzt, das Wort "psyche" mit Seele. Durch den heutigen Fortschritt der Medizin und der Psychologie sind wir in der Lage, Erkrankungen viel genauer untersuchen zu können, um neue und bessere Behandlungsansätze für Hautbetroffene zu entwickeln. Gerade weil Körper, Geist und Seele eines jeden Menschen eine untrennbare Einheit darstellen, ist es so wichtig, dieses komplexe Zusammenspiel zu sehen.

Nichts anderes erfasst die Psychodermatologie: Wir sprechen von einem bio-psycho-sozialen Modell, um Ursachen, Folgen und Begleitumstände einer Hauterkrankung zu erfassen. Im Zentrum steht der Hautbetroffene in seiner Umwelt mit seinen Belastungen und seinen persönlichen Ressourcen. Eines ist sicher: Psychologische Faktoren haben auf erneuten Ausbruch und Verlauf einer Hauterkrankung Einfluss. Aber warum lassen sich dann nicht alle Hautbetroffenen einer Hauterkrankung gleich behandeln, was die Psyche betrifft? Wie kommt es, dass das, was den einen stresst und seine Haut reizt, den anderen einfach kalt lässt? Das ist das Ziel dieser Artikelreihe: Ihnen mit jedem weiteren Artikel das Konzept Stress näher zu bringen; zu lernen, wie man Stress bewältigt und längerfristig auch vorbeugt. So kann Ihnen die Psychodermatologie helfen, in Harmonie mit Ihrer Haut zu leben; das bedeutet nicht, dass diese Erkenntnisse Ihre chronische Hauterkrankung wie Neurodermitis / Rosacea / Vitiligo einfach wegzaubern könnten, nein, aber sie können Ihnen deutlich dabei helfen, bei Stress nicht mehr (so stark) aus der Haut zu fahren, und so selbst erheblichen Einfluss auf den Verlauf Ihrer Hauterkrankung zu nehmen. Werden Sie Ihr eigener Gesundheits- und Stressmanager. Sie werden langfristig mehr innere Ruhe gewinnen, nicht nur im Umgang mit ihrer Haut, sondern ganz allgemein.

Stress ist heute ein Modewort schlechthin und spiegelt sich in vielen Sprichwörtern, gerade auf die Haut bezogen, wieder: Man könnte vor Ärger aus der Haut fahren; man ist dünnhäutig; einem geht etwas unter die Haut, oder man möchte nicht in der Haut eines anderen stecken; es läuft einem eiskalt den Rücken runter; man errötet vor Wut oder erblasst vor Schreck. Hier lassen sich noch viele weitere Beispiele im Alltag finden. Entscheidend ist jedoch, dass es zwischen Körper, Geist und Seele eine völlig natürliche und lebensnotwendige Wechselwirkung gibt, die es im Gleichgewicht zu halten gilt. Das bemerken Sie schon, wenn Sie einmal für einige Momente Ihre Augen schließen und sich eine reife, saftige Zitrone vorstellen. Riechen Sie den Duft der reifen Zitrusfrucht, schneiden Sie diese in Gedanken in zwei Hälften, riechen Sie am Fruchtfleisch und träufeln Sie langsam einige Tropfen des sauren Zitrussaftes in Ihren Mund. Spätestens jetzt bemerken Sie einen sauren Geschmack in Ihrem Mund und ziehen in Gedanken das Gesicht zusammen.

Der Begriff Stress kommt ursprünglich aus dem Englischen von „to stress“ und wurde grundlegend von einem Mediziner, namens Hans Seyle, in den 50er Jahren geprägt. Er beschrieb mit Stress ein Geschehen, dass den Menschen seelisch und körperlich aus seinem persönlichen Gleichgewicht bringt, und betonte schon damals, wie individuell verschieden das Stressgeschehen beim Menschen aussehen kann.

Die ausgelöste Stressreaktion zeigt sich auf verschiedenen Ebenen: in pyhsiologischen Reaktionen (z.B. schwitzen wir dann), im eigenen Verhalten (z.B. eine stressige Situation verlassen), auf emotionaler Ebene (z.B. ängstlich sein) und auf gedanklicher Ebene (z.B. sich den Kopf zerbrechen, wie es weitergehen soll).
Interessant ist weiter, dass Stress im Alltagsgeschehen fast ausschließlich als negativ beschrieben wird, als etwas, das uns selbst überfordert und von dem wir glauben, dass wir es nicht mit unseren eigenen Fähigkeiten und unserem Wissen bewältigen könnten. Dieser Stress wird als Distress bezeichnet; die Vorsilbe „Di“ lässt sich mit "zerstörerisch" übersetzen.
Aber Stress ist nie nur negativ; denn es gibt auch jene Stresserfahrung, die uns aufputscht und Energie verleiht, wenn wir z.B. an einem Wettkampf teilnehmen oder ein gutes Projekt bearbeiten. Das ist der sog. Eustress; die Vorsilbe "Eu" lässt sich mit "gut" übersetzen.

Und genau hier findet sich die Antwort auf die oben gestellte Frage: Gerade weil die eigene Bewertung einer Situation als stressend-bedrohlich oder stressend-herausfordernd jeder für sich alleine fällt, z.B. in Abhängigkeit von der heutigen Tagesform, von der persönlichen Lebensgeschichte, vom Glauben an sich selbst und an die eigenen Fähigkeiten, ist es so bedeutsam, sein eigener Stress- und Gesundheitsmanager zu werden.
Wir wollen dabei aber nicht den Schwerpunkt allein darauf setzen, was einen krank machen kann (die sogenannte Pathogenese: Entstehung von Krankheit), sondern vor allem auf jene Strategien schauen, die uns bei der Gesundung bzw. Linderung der betroffenen eigenen Haut helfen (die sogenannte Salutogenese: Förderung von Gesundheit).

Es gilt also, die eigenen Stressquellen zu entdecken; desweiteren die bisherigen eigenen Strategien danach zu überprüfen, ob sie einem bei der Stressbewältigung auch wirklich helfen. Sollten diese Strategien aber nicht effektiv sein, also nicht funktional sein, so gilt es den Blick darauf zu richten, was einem denn besser helfen könnte, den eigenen Stress zu bewältigen. Und schließlich sollte auch die Vorbeugung von Stress ein Thema sein, um langfristig besser für sich sorgen zu können, mehr Ruhe zu finden und zu bewahren, selbst wenn einem tagtäglich ein Alltagssturm in unsicheren Zeiten wie diesen begegnet. Lassen Sie sich nicht umwirbeln und lernen Sie stattdessen, mit Ihren eigenen Mitteln und Ressourcen Ihren Weg zu finden.

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren!

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige
hautsache.de Newsletter

Abonnieren Sie unseren
hautsache.de Newsletter!

Immer aktuelle News zu Ihrem Hautthema.
Monatlich direkt in Ihr E-Mail-Postfach!

Jetzt anmelden

Anzeige

Anzeige
powered by webEdition CMS