16.03.2018

Digitalisierung

Fotolia ©vegeOb in der Pharmaforschung oder bei der Therapiebegleitung von Patienten durch digitale Devices: Die Digitalisierung gilt als große Chance, das Gesundheitswesen smarter zu gestalten. Digitale Lösungen werden in Zukunft immer mehr eine Ergänzung zu innovativen Medikamenten sein, um Therapien für Patienten zielgerichteter, anwenderfreundlicher und wirksamer anbieten zu können.

Kein Unternehmen kann es sich heute mehr leisten auf digitale Strategien zu verzichten. Warum halten Sie das für so wichtig?

Sidonie Golombowski-Daffner, Novartis-Deutschland-Chefin: Digitale Technologien haben großes Potenzial, das Gesundheitswesen nachhaltig zu verändern – von der Pharmaforschung bis hin zur Verabreichung von Medikamenten. Die Arbeit von Ärzten, Methoden der Diagnose und aktuelle Behandlungsmöglichkeiten werden sich ändern – und auch die Gesundheitssysteme sind auf innovative Managementlösungen angewiesen. Digitale Technik wird innovative Medizin zunehmend unterstützen, um bestmögliche Therapieergebnisse für den Patienten zu erreichen und könnte zugleich auch die Kosten für die Gesundheitsversorgung senken. Und nicht zu vergessen: Die meisten Patienten sind an digitale Technologien gewöhnt und sehen darin eine Chance, ihr Gesundheitsmanagement individuell zu gestalten und selbstbestimmt zu verwalten. Daher ist die Nachfrage nach digitalen Lösungen sehr hoch. Eine zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung sollte Innovationen fördern und diese schnell zur Anwendung beim Patienten bringen.

Ein Weg, den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu begegnen, ist es, die Gesundheitskompetenz der Patienten möglichst zu steigern und die Therapietreue zu erhöhen. Welchen Beitrag können hier digitale Anwendungen leisten?

Golombowski-Daffner: Die beste Therapie kann nur wirken, wenn der Patient sie regelmäßig anwendet. Forschungsergebnisse zeigen, dass sich Gesundheitskompetenz und eine bessere Therapietreue, die sogenannte Adhärenz, bei Patienten und Risikogruppen durch innovative digitale Kommunikation und insbesondere mHealth-Anwendungen* deutlich steigern lassen. Digitale Helfer können gerade ältere Menschen, die oftmals mehrere Medikamente zu unterschiedlichen Tageszeiten einnehmen müssen, an die korrekte Einnahme erinnern, sie kontrollieren und damit den Therapieerfolg verbessern und gleichzeitig den Patienten das Leben leichter machen. Schon heute sind fünf Prozent der Krankenhauseinweisungen in Deutschland die Folge von unerwünschten Arzneimittelereignissen. Solche mitunter tödlichen Komplikationen könnten sich mit digitaler Hilfe verhindern lassen. High-end-Produkte wie die digitale Pille, die online den Medikamentenspiegel im Körper misst, zeigen, wohin die Reise digitaler Medizinprodukte gehen kann.

Wie bewerten Sie die Akzeptanz solcher technischen Lösungen? Viele Menschen begegnen der digitalen Welt mit Skepsis, sorgen sich um Datensicherheit.

Golombowski-Daffner: Laut einer aktuellen Umfrage halten 90 Prozent der Befragten mit mehr als vier Erkrankungen das Thema für wichtig. Besonders kranke Menschen fordern also verstärkt digitale Lösungen. Denn gerade mit Hilfe des Tele-Monitorings können auch schwerkranke Menschen ein mehr oder weniger autonomes und selbstbestimmtes Leben führen, statt sich stationär in einer Klink oder einem Pflegeheim betreuen zu lassen.

Die Bundesregierung hat Ende Dezember 2015 das „E-Health-Gesetz“ als „Fahrplan“ für die Einführung einer digitalen Infrastruktur im Gesundheitswesen verabschiedet. Nun braucht es konkrete, innovative digitale Konzepte, die zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Deutschland beitragen. Wen sehen Sie in der Verantwortung?

Foto: Novartis

Golombowski-Daffner: Wir sehen uns hier als pharmazeutisches Unternehmen durchaus selbst in einer verantwortlichen Rolle. Auch und gerade deshalb haben wir bei Novartis Pharma und Sandoz Deutschland/Hexal im vorigen Jahr den Digitalen Gesundheitspreis ins Leben gerufen, der am 15. März 2018 erstmals in Berlin verliehen wird. Mit den insgesamt 82 Einreichungen haben wir enorm viele spannende Projekte erhalten, die zeigen, dass gerade in Deutschland etliche gute und vor allem innovative Ideen vorhanden sind. Wir möchten uns mit dem Gesundheitspreis dafür engagieren, die digitale Zukunft des Gesundheitswesens mitzugestalten. Wir sind davon überzeugt, dass digitale Lösungen eine optimale Ergänzung zu innovativen Medikamenten sein können, um Therapien für Patienten zielgerichteter, anwenderfreundlicher und wirksamer anbieten zu können.

*mhealth-Anwendungen: Mobile Gesundheitsanwendungen z.B. zur Überwachung des Blutdrucks

Novartis-Deutschland-Chefin Dr. Sidonie Golombowski-Daffner

Quelle: Pharma Fakten


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