Neurodermitis bei Kindern

04.01.2011Die Redaktion „Filius. Branchenbuch für Eltern“ hat Dr. med. Bernd Kardorff, Mönchengladbach, zu Fragen rund um Neurodermitis bei Kindern interviewt.

Wie viele Kinder sind von Neurodermitis betroffen?

An einer Neurodermitis (= atopische Dermatitis, Atopisches Ekzem, endogenes Ekzem, konstitutionelles Ekzem) sind in Europa bis zum Zeitpunkt der Einschulung zumindest für eine geraume Zeit etwa 10–15 Prozent der Kinder erkrankt. Zum Vergleich sind aber nur noch 1–3 Prozent der Erwachsenen betroffen. Erstmalig tritt die Hautkrankheit bei 60 Prozent der Patienten im ersten Lebensjahr auf. Insgesamt 90 Prozent aller Krankheitsfälle zeigen sich erstmalig bis zum fünften Lebensjahr. Im Laufe der Kindheit und Jugend verringern sich die Beschwerden meist, so dass ungefähr 70 Prozent der kindlichen Patienten im Erwachsenenalter beschwerdefrei sind. Es gibt sehr unterschiedliche Verläufe und Schweregrade der Neurodermitis, wobei die allermeisten Patienten zum Glück nur an den leichten Verläufen leiden.

Wodurch wird Neurodermitis verursacht?

Die eigentliche oder wenigsten eine einheitliche Ursache für die Entstehung einer Neurodermitis ist nicht bekannt. Sowohl eine vererbte Veranlagung als auch verschiedene Lebensumstände und auslösende Faktoren spielen sowohl für den Zeitpunkt der ersten Krankheitszeichen als auch für die Häufigkeit und Schwere von Krankheitsschüben eine Rolle. Man rechnet die Neurodermitis, wie der Name „Atopisches Ekzem“ schon ausdrückt, zu den drei atopischen Erkrankungen, zu denen auch der allergische Heuschnupfen und das allergische Asthma gehören. Die vererbte Anlage zu diesen Krankheiten nennt man „Atopie“. Das bedeutet, dass das Immunsystem und die Haut teils stärker, aber teils auch schwächer als bei gesunden Nicht-Atopikern reagieren. Das typische Symptom für Neurodermitiker stellt in der Regel die trockene Haut dar. Diese ist sehr leicht reizbar. Atopische Erkrankungsschübe können z.B. durch Kontakt mit allergenen Substanzen wie Hausstaubmilben oder Pollen ausgelöst werden, weiterhin aber auch durch zu viel Wasser und Seife, verschiedene Nahrungsmittel, durch negativen, aber auch freudigen Stress, mangelnde Hautpflege, zu viel Wärme, grippale Infekte, Zahnen etc. … 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie des Atopischen Ekzems umfasst zahlreiche einzelne Komponenten, die gezielt und individuell auf den jeweils Erkrankten abgestimmt sein müssen. Hierbei gilt generell, dass Auslösefaktoren für Schübe erkannt und dann nach Möglichkeit konsequent vermieden werden müssen. Zusätzlich muss dauerhaft eine konsequente Basispflege der Haut mit je nach Stadium, Schweregrad und Klima angepassten, Fett und Feuchtigkeit spendenden Hautpflegeprodukten erfolgen. Krankheitsschübe, die mit starker Rötung der Haut, Schuppung, evtl. auch Bläschen und offenen Stellen sowie einem massiven Juckreiz einhergehen, müssen entsprechend antientzündlich und juckreizstillend behandelt werden. Hierfür gibt es zahlreiche Medikamente zur äußerlichen und auch inneren Anwendung für jeden Schweregrad. Oftmals werden leichte und mittlere Erkrankungsschübe sehr gut, sanft und erfolgreich durch die Anwendung von Abkömmlingen des natürlich in jedem Menschen vorkommenden Hormons Cortisol behandelt, welches ein Steroidhormon darstellt und in jeder menschlichen Nebennierenrinde lebensnotwendig produziert wird. Diese umgangssprachlich und laienhaft auch „Kortisonsalben“ genannten, wertvollen Medikamente müssen durch einen erfahrenen Hautarzt unter exakter Kenntnis ihrer unterschiedlichen Wirkstärken in Häufigkeit und Dauer der Anwendung individuell auf den jeweiligen Patienten angepasst werden. Im Verlauf der Besserung des Hautbildes erfolgt dann nach ausreichender Anfangstherapiedauer ein Ausschleichen der natürlichen Hormonbehandlung und der Übergang auf „kortisonfreie“ Produkte zur langfristigen Stabilisierung des Hautbefundes. Inzwischen gibt es zahlreiche unterschiedliche Therapieschemata, je nach den individuellen Gegebenheiten. Wichtige Rollen bei den unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten spielen z.B. die Bestrahlungen mit künstlichem Sonnenlicht (Phototherapie), im Idealfall sogar als Simulation einer Sommerurlaubssituation als sogenannte Balneophototherapie (milde Salzbäder mit anschließender spezieller UV-Bestrahlung). Weiterhin werden je nach Bedarf Antibiotika, Antiseptika, Antiallergika, Anti-Pilzmittel, Juckreizstiller, Gerbstoffe, Schieferöle, sogenannte Calcineurinantagonisten oder auch spezielle Immuntherapien (z.B. eine Hyposensibilisierung gegen Allergieauslöser) eingesetzt.
Zu den wichtigen nicht-medikamentösen Behandlungsverfahren gehören z.B. die Neurodermitisschulung für Kinder und Eltern, eine Kurmaßnahme im Rahmen der sogenannten Wohnortnahen Dermatologischen Rehabilitation oder bei begleitenden Atemwegsbeschwerden auch wohnortfern als Klimakur. Eine Reduktion der Belastung des häuslichen Umfeldes (Spiel- und Schlafzimmer) mit Hausstaubmilben ist häufig sehr hilfreich. Diäten haben in der Regel nur Sinn als Suchdiät, um Nahrungsmittel als Auslöser für Neurodermitisschübe herauszufinden oder um bekannte Auslöser in der Nahrung zu vermeiden. Die früher unkritisch empfohlenen Pauschalitäten ohne die Kenntnis konkreter Auslösefaktoren finden in der modernen Therapiestrategie des Atopischen Ekzems meist keine Anwendung mehr.

Sind manche Therapieformen bei Kindern besonders gut geeignet?

Die meisten Regeln und auch Wirkstoffe für die Therapie von Erwachsenen sind auch für Kinder geeignet. Ausnahmen stellen dabei z.B. die UV-Bestrahlung dar, die hierzulande frühestens ab zwölf Jahren empfohlen wird, oder auch höher konzentrierte Harnstoffpräparate, die bei Kindern zu einem unangenehmen Brennen auf der Haut führen können. Einige Salben, Cremes und Lotionen mit Abkömmlingen des körpereigenen Hormons Cortisol, welche sich als sehr wirksam und nützlich für eine rasche Besserung eines schlechten Hautzustandes erwiesen haben, sind bereits ab dem Geburtsalter zugelassen. Sehr wichtig ist das frühzeitige Erlernen und die Erkenntnis über die Notwendigkeit einer konsequenten Hautpflege (also Eincremen!), die über Jahre täglich betrieben werden muss, um die Haut langfristig in einem guten Zustand zu halten. Hierzu bieten sich Neurodermitisschulungsprogramme, aber auch die Kurzzeitschulung mit dem Hautmodell nach Kardorff/Schnelle-Parker an. Dabei können schon Kinder ab ca. zwei Jahren spielerisch erlernen, wie wichtig es ist, seine eigene Haut regelmäßig einzucremen und dadurch zu pflegen.

Können Neurodermitispatienten komplett geheilt werden?

Die Neurodermitis als zu großen Teilen anlagebedingte, vererbbare Erkrankung wird als nicht heilbar bezeichnet, da die Veranlagung zur Neurodermitis in den Genen fixiert zu sein scheint. Eine komplette „Heilung“ kann nicht durch einen Hautarzt oder anderen Therapeuten wissentlich und gezielt hervorgerufen werden, aber die Hauterscheinungen an sich können durch eine gezielte Therapie zur Abheilung gebracht werden, ggf. aber auch wieder neu auftreten (Rezidiv). Ein Heilungsversprechen durch einen Therapeuten gilt generell als unseriös. Aber die Neurodermitis wächst sich in den allermeisten Fällen sozusagen von alleine aus. Ca. 70 Prozent der in der Kindheit Erkrankten sind im Erwachsenenalter komplett beschwerdefrei. Bestehen bleibt jedoch meistens die Neigung zu einer trockenen, pflegebedürftigen und leicht überempfindlichen Haut. Die wichtigste Aufgabe des Dermatologen ist es somit, ein Behandlungskonzept anzubieten, das den Neurodermitikern während der Zeit ihrer akuten Schubneigung ein so angenehmes, komplikationsloses und normales Leben wie eben möglich ermöglicht. Hierzu zählt auch das Auffinden und Vermeiden von Faktoren, die zur Hautverschlechterung führen können (z.B. unnötiger Stress, Nahrungsmittel, Duftstoffe, falsche Pflegemittel, falsche Kosmetik, übertriebenes Waschverhalten etc.).

Übernehmen die Krankenkassen alle anfallenden Kosten?

Auf dem Papier steht zumindest sinngemäß, dass Kindern jegliche notwendigen Hilfen, Therapien und Medikamente zur Behandlung von Krankheiten zustehen. Der Umsetzung dieser Forderung steht zumeist die Realität der wirtschaftlichen Gründe entgegen: Bei der Neurodermitis handelt es sich um ein sehr kompliziertes, vielseitiges und vielschichtiges Krankheitsbild, bei dem individuelle Faktoren aus allen Lebensbereichen (z.B. Ernährung, Stressfaktoren, soziales Umfeld, Umgang der Eltern mit dem erkrankten Kind, schulische Situation, Umweltfaktoren, Haustiere, Rauchen in der Wohnung oder in der Nähe der erkrankten Kinder, Allergien, Unverträglichkeiten) für einen guten Verlauf berücksichtigt werden müssen. Dies bedarf einer Unmenge von Zeit, die sich ein Hautarzt für eine komplette Situationsanalyse, Allergiediagnostik, lebens- und stadienadaptierte Hautpflegeberatung immer wieder aufs Neue nehmen müsste. Dies ist jedoch im derzeitigen System der gesetzlichen Krankenversicherung nicht möglich, in dem ein Dermatologe für die dreimonatige Betreuung eines Neurodermitispatienten eine einmalige Komplettpauschale von je nach Bundesland 12–19 € erhält – von der er auch noch Personal, Miete und Geräte bezahlen muss. Patienten, die bei der gesetzlichen Krankenversicherung die Kostenerstattung gewählt haben, und auch Privatversicherte stehen in diesem Falle besser da, da hierbei der Hautarzt für jede Inanspruchnahme, Beratung oder Untersuchung bezahlt wird und somit ein deutlich größeres Zeitfenster zur Verfügung hat. Eine weitere Begrenzung der Therapiemöglichkeiten in der gesetzlichen Krankenversicherung stellt das sogenannte Medikamentenbudget dar, welches einen Hautarzt darauf limitiert, im Durchschnitt pro Patient pro Quartal nur Medikamente im Wert von z.B. 20–25 € zu verschreiben. Für eine Überschreitung des Budgets kann der Arzt noch Jahre später aus eigener Tasche haftbar gemacht werden. Auch diese Arzneibudgetierung gibt es derzeit im Bereich der privaten Krankenversicherung nicht.

Welche Faktoren begünstigen, welche hemmen die Entstehung von Neurodermitis?

Generell unterscheidet man zwischen der genetischen Veranlagung (z.B. Blutsverwandte mit Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis), die zu einer Neurodermitis führt, und Auslösern oder Verstärkern, also sogenannten Triggerfaktoren, die bei vorhandener Neigung zu Neurodermitis (Atopie) Krankheitsschübe auslösen oder fördern können.
Begünstigt wird das Auftreten von Neurodermitisschüben durch zahlreiche Faktoren aus vielen unterschiedlichen Bereichen. In loser Reihenfolge genannt und individuell unterschiedlich relevant sind beispielsweise:
• zu starke Hauttrockenheit aufgrund falscher oder zu geringer Hautpflege oder aufgrund zu starker Hautreinigungsmaßnahmen und Hautirritationen
• Infektionen der Haut mit Bakterien, Pilzen, Viren
• Nahrungsmittelallergien und/oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten
• psychischer Stress, Trennungsängste, wechselnde Bezugspersonen, häufiger Streit in der Familie
• Hausstaubmilbenallergie, Tierhaare
• Textilien, reizende Kleidung (Schurwolle, tlw. Synthetik), Hitzestau
• Klimaveränderungen, starkes Schwitzen
• Reaktion auf den Juckreiz mit Kratzen statt mit Eincremen führt zum Juckreiz-Kratz-Zirkel, verstärkt also wiederum den Juckreiz.
• Alkohol, Rauchen (insbesondere auch als unfreiwilliger Mitraucher!)
• hautbelastende Berufe wie Friseur, KFZ-Mechaniker, Krankenschwester, Florist, Feuchtberufe

Positive Faktoren, die den Verlauf einer Neurodermitis bessern können, werden ständig neu diskutiert, und die Empfehlungen haben sich in den letzten Jahren häufig geändert. Dies sind beispielsweise:
• ausschließliches Stillen des genetisch vorbelasteten Säuglings. Hier werden je nach Expertenmeinung unterschiedliche Zeiträume von ca. drei bis sechs Monaten genannt.
• allergenarme Ernährung von stillender Mutter und heranwachsendem Kind
• regelmäßige, tägliche Hautpflege verhindern das Austrocknen der Haut.
• Sport
• Kleidung aus Baumwolle, Leinen oder Seide;. Neuerdings werden für manche Patienten auch silberhaltige Textilien empfohlen.
• Ölbäder, Handwaschöl, Duschöl statt herkömmlicher Seifen oder Waschgele
• Entspannungsverfahren, regelmäßiger Schlaf
• Vermeiden von Zigaretten-, Zigarrenrauch
• Urlaub am Meer oder bei begleitendem Asthma auch im Gebirge


Wenn ein Elternteil Neurodermitis hat, wie wahrscheinlich bekommen es dann auch die Kinder?

Das genaue Vererbungsmuster der Neurodermitis ist noch unbekannt. In Familien mit Neurodermitikern gibt es jedoch gehäuft Verwandte, die ebenfalls an einem Atopischen Ekzem, an allergischem Asthma oder auch an Heuschnupfen leiden. Haben beide Eltern die gleiche atopische Krankheit, liegt die Wahrscheinlichkeit für das Kind, diese Erkrankung zu erleiden, bei 60–80 Prozent. Statistiken besagen, dass das Erkrankungsrisiko eines Kindes, dessen Eltern keine atopische Erkrankung haben, bei 15 Prozent liegt. Bei einem an Neurodermitis erkrankten Elternteil beträgt das Risiko ca. 20–40 Prozent und bei zwei neurodermitischen Elternteilen ca. 80 Prozent.

Gibt es Besonderheiten bei Säuglingen mit Neurodermitis?

Bei Säuglingen gelten viele Besonderheiten, auf die geachtet werden muss. Hier muss eine sehr enge Kooperation der Eltern mit dem behandelnden Kinderarzt und Hautarzt bestehen. Die Dauer der Stillzeit, die allergenarme Ernährung der Mutter während der Stillzeit, die Beifütterung und auch die Verwendung von hypoallergener, hydrolysierter Milch, falls ein Stillen nicht möglich ist, stellen wichtige Aspekte dar.
Nur vergleichsweise wenige Medikamente sind für das Säuglingsalter zugelassen. Die Aufnahme von Wirkstoffen über die Haut in den Organismus ist erhöht. Die Schutzfunktion der Haut ist noch nicht ausgereift. Säuglinge sind anfälliger für Arzneimittelnebenwirkungen.
Die Häufigkeit von z.B. Öl-Pflegebädern und die seltene und sanfte Durchführung der Hautreinigung müssen erlernt werden. Um ein nächtliches Aufkratzen der empfindlichen Haut zu verhindern, gibt es z.B. spezielle weiche Fausthandschuhe oder auch sogenannte Neurodermitis-Overalls. Eine schonende, aber rasch wirksame Therapie ist notwendig, um den Kleinen Missempfindungen durch quälenden Juckreiz zu ersparen.
Im Säuglingsalter unterscheidet sich die Verteilung der Ekzeme am Körper von dem Auftreten im Jugend- oder Erwachsenenalter. Die Neurodermitis-Hautveränderungen finden sich u.a. gehäuft im Gesicht, an der Kopfhaut, am Bauch und auch in den „Babyspeck“-Hautfalten. Bei Älteren sind Ekzeme eher in den großen Gelenkbeugen typisch. Die als Milchschorf bezeichnete dichte Schuppenbildung an der Kopfhaut bei Säuglingen kann auf eine Neigung zu Neurodermitis hinweisen.
 
Was können Eltern tun, um ihren Kindern den Krankheitsverlauf zu erleichtern?

Immens wichtig für Familien mit Neurodermitiskindern ist ein entspannter Umgang mit der Hauterkrankung. Die Hauterkrankung muss ernst genommen werden und ein effektives Management der verschiedenen Erkrankungsstadien (konsequente Hautpflege, stadienabhängige Therapie, Ernährungshinweise) muss gemeinsam mit dem Hautarzt und auch im Rahmen einer Neurodermitisschulung individuell erlernt werden. Aber die Erkrankung darf nicht das Zentrum des Familienlebens darstellen. Ein ständiges Arzthopping zu wechselnden Koryphäen und die permanente Suche nach dem Wundermittel oder dem Wunderheiler bringt viel mehr Unruhe in die Familie und Stress für den Betroffenen als Nutzen. Wichtig ist es für die Eltern zu begreifen, dass die Neurodermitis meist in Schüben verläuft, sich aber mit der Zeit deutlich bessert und meist irgendwann in der Jugend ausheilt, so dass sich keine Verzweiflung breit machen muss, wenn es immer mal wieder nach erfolgreicher Therapie und einem guten Hautzustand zu erneuten Schüben kommt. Damit muss gelassen, aber souverän umgegangen werden. Handlungsempfehlungen, die das komplette Familienleben durcheinanderbringen und meist die Mütter überfordern, sind stets sehr kritisch auf ihren Sinn zu hinterfragen und in der Regel kontraproduktiv. Ein typisches Beispiel hierfür sind sinnlose und nicht auf den Einzelfall abgestimmte Empfehlungen von Pauschaldiäten, bei denen ein Großteil der normalen Ernährung wegfällt und somit die Mütter unnötigerweise für die verschiedenen Familienangehörigen stets unterschiedliches Essen zubereiten müssen. An der Durchführung solcher Dauerstress verursachenden Empfehlungen sind schon ganze Familien zu Bruch gegangen. Jahresurlaub am Meer und die frühzeitige Auswahl nicht allzu sehr Haut belastender, attraktiver Hobbys sind wichtig für ein zufriedenes Freizeitleben. Gut ist es, sich auf wenige Menschen zu verlassen, die mit dem Erkrankungsverlauf Erfahrung haben (Hautarzt, Kinderarzt, evtl. auch Selbsthilfegruppe). Von flüchtigen Bekannten, die einen immer wieder neu mit sicherlich gut gemeinten Ratschlägen überhäufen, von tollen Heilungserfolgen einzelner Bekannter durch ungewöhnliche Therapien berichten, die es nur an einem einzigen Ort geben soll, esoterische Vorstellungen haben oder einem einreden wollen, dass eine Behandlung nur bei weit entfernten Spezialisten möglich ist, sollte man in dieser Hinsicht gebührenden Abstand halten. Diese zwar verständliche, aber permanente Suche nach der endgültig heilenden Superdroge setzt viele Eltern und damit auch die betroffenen Kinder unter einen nicht heilsamen Dauerstress. Eine sehr gute Informationsquelle für Eltern, die sich auch eigenständig über neue Entwicklungen bei der Neurodermitis auf dem Laufenden halten wollen, stellt der „Deutsche Neurodermitis Bund e.V., Baumkamp 18, 22299 Hamburg“ dar. Die regelmäßig erscheinende Mitgliederzeitung „Der Hautfreund“ bringt stets neue, wichtige und fundierte Informationen rund um das Thema Neurodermitis. Bei der eigenen Krankenkasse kann man die wertvolle Information erhalten, wo Neurodermitisschulungen durch ein Team von Ärzten, Psychologen und Diätberatern im Umkreis durchgeführt werden.

Interview: Ariela Cataloluk
Filius, Das Branchenbuch für Eltern
www.filius-branchenbuch.info

Dr. Bernd Kardorff
Gemeinschaftspraxis Dr. Dorittke und Dr. Kardorff für Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin, Akupunktur, Lasertherapie, Phlebologie, Balneophototherapie und ambulante Operationen
Marktstr. 31
D - 41236 Mönchengladbach
www.dorittke-kardorff.de
Tel.: 02166/43474


• Autor des Buches „Gesunde Haut – Lexikon der Haut von A–Z“, Heidelberg, Springer 2004
• Preisträger des Hans-Karrer-Förderpreises für Dermatologie im Kindesalter 1999
• Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande u.a. für die Entwicklung der Wohnortnahen Dermatologischen Rehabilitation für Neurodermitiker und die Erfindung des Neurodermitis-Hautmodell nach Kardorff, Schnelle-Parker

Beispiele für innovative Publikationen und Entwicklungen für Menschen mit Neurodermitis von oder mit Beteiligung des Interviewten:
• Kardorff B., Schnelle-Parker G., Küppers J., Kunze J.: Erkrankungsmanagement des Atopischen Ekzems im Kindesalter. Zeitschrift für Hautkrankheiten, H+G 2 76 (2001), S. 77–83.
• Kardorff B., Schnelle-Parker G., Kardorff M., Wahlen M., Hönig d´Orville I.,. Dorittke P.: Das „Hautmodell nach Kardorff, Schnelle-Parker“. Ein spieltherapeutisches Instrument zur Kurzzeit-Hautpflegeschulung von Patienten mit atopischer Dermatitis in der Praxis. Haut 14 (2003). S. 153–157.
• Kardorff B., Schnelle-Parker G., Kardorff M., Wahlen M., Hönig d´Orville I., Dorittke P.: Erfolgreiche Reduktion des SCORAD-Scores bei Kindern mit atopischem Ekzem im 6-Wochen-Vergleich durch Kurzschulung mit einem vereinfachten Hautmodell. JDDG 1  (2003). S. 451–456.
• Hönig-d´Orville I., Dorittke P., Wahlen M., Kardorff B.: Behandlung eines therapieresistenten atopischen Fußekzems mit dem Excimer-Laser (308 nm). HAUT 14 (2003). S. 76–80.
• Kardorff B., Hönig d´Orville I., Wahlen M., Dorittke P.: 308nm Excimer-Laser: Therapie der Prurigoform des Atopischen Ekzems im Erwachsenenalter. Kosmetische Medizin 24 (2003). S. 24–27.
• Kardorff B., Dorittke P. : Behandlungsmöglichkeiten der Neurodermitis mit dem 308nm-EXCIMER-LASER. Hautfreund 2/2004.
• Kardorff, B., Schnelle-Parker G.: Hautmodell nach Dr. Kardorff und Schnelle-Parker. In: Pütz, J. et al.: Leben mit Allergien – Wege aus dem Irrgarten. Hobbythek Egmont VGS Köln (2003). S. 53–54.




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