Geschenke für Kinder

07.11.2011Verwandte und Freunde verschenken gerne sinnvolles, pädagogisch wertvolles Spielzeug. Sie stehen staunend in Kinderspielzeugabteilungen mit den Kleinen, die nur bunte blinkende Plastikcomputerspiele wollen. Ist es möglich sozial, ökologisch und „gesundes“ kindgerechtes Spielzeug zu verschenken? Wir zeigen einen Weg durch den Spielzeugwarendschungel.
 
Die jährliche Spielwarenmesse Nürnberg zeigt jedes Frühjahr die neusten Trends. Jedes Jahr lassen sich fast 80.000 Fachbesucher von den neusten Trends begeistern. Jahrelang war der Haupttrend immer technischer, bunter, schneller. Mit Toys go green ist der „Grüne Trend“ oder Nachhaltigkeitstrend im Spielwarenbereich angekommen. Wie schnell der Trend im Kinderzimmer auftaucht oder ob er ein Marketinggag ist, werden die nächsten Jahre zeigen. Noch werden 90 % der Spielwaren in China und deren Nachbarländern produziert. Dort herrschen kaum gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen. Die exportierten Spielwaren strotzen vor Farbstoffen und Weichmachern. Sie fallen regelmäßig bei Ökotest und Stiftung Warentest durch unangenehm hohe Schadstoffwerte auf. „Grünes“ Spielzeug mit weniger krankmachenden Stoffen kann für Produzenten und Verbraucher positive Gesundheitsaspekte bringen.
 
Kindgerechte Spielkonzepte

Auf was achten Eltern und Großeltern beim Spielzeugkauf? Am häufigsten werden Produktqualität und Spielkonzepte genannt. Fast ebenso wichtig sind Nachhaltigkeit und Gütesiegel. Der Preis und die Marke sind von untergeordneter Bedeutung. Bei der Auswahl vertrauen Käufer dem Fachhandel und den Qualitätsauszeichnungen. (Verbraucherumfrage, Quelle s. weitere Informationen)
Für Produktqualität und kindgerechte Spielkonzepte stehen lang eingeführte große Firmen wie Lego oder Playmobil. Sind dies gleichzeitig Hersteller von nachhaltigem Spielzeug? Der Begriff Nachhaltigkeit ist im Zusammenhang mit Spielwaren erst seit Kurzem im Sprachgebrauch. Nachhaltigkeit im Sinne der Definition: „eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation gerecht wird, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden …Die ausgewogene Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Interessen ist Voraussetzung. (World Commission on Environment and Development 1987). In dieser Definition ist die Gesundheit des Einzelnen nicht im Blickwinkel. Dies interessiert jedoch Eltern sensibler Kinder wie Neurodermitiskinder. Der häufige vielfältige Hautkontakt mit Spielzeug kann Reizung der empfindlichen entzündeten Hautstellen provozieren. Gibt es Informationen oder Qualitätskriterien, die Nachhaltigkeit und Gesundheit im Blick haben?
Wie erkennen Käufer kindgerechtes und gesundes Spielzeug von verantwortungsbewussten Herstellern?
 
Qualitätsmerkmale und Siegel

Europaweit gilt als Basis die EU-Spielzeug-Richtlinie, die 2011 neu aufgelegt wurde. In der neuen Fassung sind die Anforderungen, besonders an die chemische Unbedenklichkeit von Spielzeug, nochmal verschärft wurden. Zum Beispiel sind bestimmte Allergene, wie Duftstoffe, verboten. Der Hersteller hat sicherzustellen, dass die Kinder nicht mit gesundheitlich bedenklichen Stoffen in Verbindung kommen. Der TÜV-Nord und TÜV-Süd untersucht und zeichnet bewertete Produkte aus. ÖKO-TEST führt regelmäßige Tests durch. Leider haben Hersteller auf schlechte Testergebnisse aus den Jahren 2008 und 2009 nicht ausreichend reagiert. Das aktuelle Jahresheft „Kinder“ stellt wieder viele Produkte vor, die eher in den Müll als in Kinderhände gehören.
Die europaweite Kennzeichnung CE (Conformité Européenne) gilt für verschiedenste Spielzeuge wie Stofftiere oder Wasserspielzeug. Die CE-Richtlinie (2009/48/EG) für Kinderspielzeug gilt für Produkte, die für Kinder unter 14 Jahren zum Spielen gestaltet sind und als 'Spielzeuge' bezeichnet werden. Damit wird die Einhaltung der jeweiligen EU-Richtlinie garantiert. Es ist ein Mindestniveau. Die Kennzeichnung ist verpflichtend für den EU-Markt. Es werden mechanische, chemische und elektrische Eigenschaften untersucht.
 
Neben den EU-weiten Mindestkriterien soll ein gutes Spiel die Fantasie anregen. Es bietet altersgerecht viele Spielmöglichkeiten. Ein einfaches Design gewährleistet lange Haltbarkeit, leichte Mechanik und entspricht den Sicherheitsvorschriften. Wenn es darüber hinaus noch frei von umweltschädlichen Inhaltstoffen wie PVC ist, verdient es eine Auszeichnung. Diese Kriterien überprüfen beim Arbeitsausschuss Kinderspiel + Spielzeug e. V. etwa 40 Fachleuten aus den Bereichen Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Medizin, Design, Technik und Umweltschutz. Ihre Gemeinsamkeit ist das besondere Interesse am Kinderspiel, am Spielzeug und an der Spielpädagogik. In regelmäßigen Jurysitzungen beschäftigen sie sich mit der Auswahl und Empfehlung von gutem Spielzeug. Die einzelnen Spielwaren werden mit Kindern erprobt und nach strengen Kriterien bewertet und ausgezeichnet. Das 'spiel gut'–Zeichen kennzeichnet Kinderspielzeug, das auf seine Funktion, den Spielwert und ökologische bzw. gesundheitliche Aspekte geprüft wurde.

Jährlich werden ca. 600 Artikel untersucht, davon erhält knapp die Hälfte die Empfehlung für das Zeichen. Die gekennzeichneten Spielzeuge werden stichprobenartig kontrolliert. Auf der Internetseite www.spielgut.de können interessierte Eltern und Verwandte ausgezeichnete Spiele anschauen und Hintergründe lesen.
 
Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ hat eine Broschüre rausgegeben, die Tipps für den Einkauf von Produkten für die Kleinen gibt. Bezugsquelle siehe weitere Informationen
 

Allergikergerechtes Spielzeug

Leider gibt es kein Siegel für allergikergerechtes Spielzeug. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz rät auf spezielle Inhaltsstoffe zu achten, die ein Risiko darstellen. Hauptaugenmerk liegt auf weichem Plastikspielzeug. Vermeiden Sie weiche Plastikspielsachen, weil besonders importierte oder ältere Produkte noch Weichmacher enthalten. In Bällen oder Ballons kann verarbeiteter Latex in Einzelfällen Beschwerden machen. Waschen Sie neues Spielzeug mit warmem Wasser gut ab und lassen Sie es einige Zeit an der frischen Luft ausgasen. Spielzeug aus hartem Plastik ist, nachdem es gewaschen und ausgelüftet wurde, unproblematisch. Wählen Sie unlackiertes Holzspielzeug oder solches, das sich für Kinder unter drei Jahren eignet und dementsprechend schweiß- und speichelfest ist. Kaufen Sie Kuscheltiere, die Sie waschen können – zum Schutz vor Hausstaubmilben. Kaufen Sie bei Klebern, Schreib- und Malzeug nichts, was Lösungsmittel enthält.

Secondhand-Spielzeug bei einer Überempfindlichkeit gegen chemische Substanzen eine gute Lösung. Flüchtige Schadstoffe aus Plastiksachen oder Lackierungen sind ausgelüftet. Als Überbleibsel der letzten Familie können tierische Allergene, Hausstaubmilben oder Zigarettenrauch an den Spielsachen kleben. Am besten alle Gegenstände vor dem Gebrauch noch einmal abwaschen.
 
Tipps für den Spielzeugkauf

Nutzen Sie herstellerunabhängige Informationen und lesen Sie Testschriften.
Kaufen Sie hochwertiges langhaltbares Spielzeug und überprüfen Sie kritisch die altersgerechte Sicherheit.
Nehmen Sie den Hinweis: für Kinder unter 3 Jahre nicht geeignet, ernst. Kinder unter 3 Jahren brauchen Spielwaren, die größer als ein Tischtennisball sind.
Bevorzugen Sie Spielwaren mit wiederaufladbaren Batterien.
Achten Sie auf Gütesiegel.
Waschbare Spielwaren bevorzugt kaufen.
Verschenken oder verkaufen Sie gebrauchtes Spielzeug. Nutzen Sie Tauschmöglichkeiten, um gebrauchtes Spielzeug zu erwerben.
 
Tipps für das tägliche Spielen

Spielen Sie häufig gemeinsam mit den Kindern.
Spielsachen regelmäßig auf Beschädigung kontrollieren.
Spielsachen nach Altersgruppen getrennt lagern. (besonders bei Kleinkindern unter 3 Jahren)
Spielwaren und Lebensmittel, (besonders) Süßigkeiten auseinandersortieren.
Spielwaren regelmäßig abwaschen, Kuscheltiere in die Waschmaschine oder in die Tiefkühltruhe (Milben sterben ab) geben.
 
Entdecken Sie mit Ihren Kindern die heilsame Kraft und die Entspannung gemeinsamer Spiele. Viel Freude – nicht nur für die Weihnachtszeit.
 

Weitere Informationen
www.toysgogreen.de
• Studie: Nachhaltigkeit bei Spielwaren, Ergebnisse der Verbraucher- und Handelsstudie, vom GfK-Lehrstuhl für Marketing Intelligence Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Studie
• Forum facebook.de /toysgogreen
• spiel gut Arbeitsausschuss Kinderspiel + Spielzeug e. V. www.spielgut.de
• Bundesministerium für Verbraucherschutz: www.aktionsplan-allergien.de
www.Kindersicherheit.de , Produkte für die Kleinen
• Ökotest: Jahrbuch Kleinkinder für 2011

Autorin: www.susanne-miesera.de




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