Kontaktallergie Teil II

25.11.2017

Fotolia © rzoze19Im Allgemeinen werden Kontaktekzeme ausgelöst durch Metall bzw. den Salzen von Nickel, Kupfer, Arsen, Quecksilber und Gold, außerdem durch Medikamente, Hölzer und Holzschmuck, Chemikalien, Pflanzen, Propolis, Aerogene Kontaktallergene wie Rainfarn, Schafgarbe, Mutterkraut, Wegwarte, aber auch Kamille und Arnika. Sie sind besonders für Landwirte und andere Personen, die sich viel im Freien aufhalten, ein Problem. Da der Bedarf für Kosmetik nicht mehr genügend abgedeckt werden kann, wird häufig die stinkende Hundskamille verwendet, mit einem Anteil von bis zu 70 % deutlich höher als der Anteil an echter Kamille.

Auslöser für Mundschleimhautkontaktallergien sind Zahnfüllstoffe, Keramik, Kunststoff, Metalle in Zahnklammern, Prothesen, Prothesenkunststoffe, Hilfsstoffe in Prothesen, Hilfsstoffe bei Zahnbehandlungen, Mund- und Prothesenpflegemittel, Genussmittel und Medikamente. Vor allem die Hilfsstoffe sind bei sachgemäßer Anwendung in der Regel unproblematisch und lösen selten Reaktionen aus, dies jedoch meist als Sofortreaktion.

Mundschleimhautreaktionen aufgrund einer Kontaktallergie äußern sich als Erythem, Ödem, Stomatitis, Erosion, Aphten oder Lichenoide Läsionen. Periorale Ekzeme, auch wenn sie nicht direkt um den Mund herum auftreten, können auch von einer Kontaktallergie durch einen der vorgenannten Stoffe ausgelöst werden. Kontaktekzeme besonders am Rücken und Gesäß können auf eine „Sofa-Allergie“ hinweisen, eine Reaktion auf Möbelbestandteile und antimikrobielle Substanzen.

Wichtige Anamnesepunkte bei Verdacht auf kontaktallergische Reaktionen an der Mundschleimhaut sind bekannte Allergien jeder Art, die Verträglichkeit von Metallen auf der Haut, Einnahme von Medikamenten, besondere Nahrungs- und Genussmittel, der Einsatz von Dentalmaterialien, Mund-, Zahnpflege- und Prothesenpflegemittel sowie die zeitliche Entwicklung der Beschwerden und die bisherigen Befunde.

Standardtests umfassen die häufigsten Auslöser wie z.B. Kaliumdichromat, Tetramethylthiuramdisulfit, Benzocain, Formaldehyd- und -harz, Adeps lanae, Neomycin, Perubalsam, Nickel- und Kobaltsulfat, Kolophonium, P-Phenoylendiamin, Cetylstearylalkohol, Parabene (PHB-Ester, p-Hydroxibenzoesäure), N-Isopropyl-N`-phenyl-p-phenylendiamin, Clioquinol sowie Epoxidharz. Für seltenere bzw. nicht eindeutig zuzuordnende Auslöser sind individuelle, separate Tests erforderlich.

Auch Spielzeugmaterial kann Kontaktekzeme auslösen, betroffen sind meist Kinder. Heterochromate kommen normalerweise in Arbeitsmaterialien vor und finden in der Regel als Berufsallergen Beachtung. Aber ein Heterochromat, die sogenannten Mercapto-Verbindungen (Mercaptobenzothiazol), findet auch vielfach Verwendung in Kinderspielzeug, Beißringen, Flaschensaugern, auch z.B. Spielkonsolen und Gegenständen des alltäglichen Bedarfs mit gummierten Beschichtungen. Entsprechende Sensibilisierungen können also bereits im Säuglingsalter auftreten. Symptome sind u.a. juckende, meist therapieresistente Hautveränderungen, scharf begrenzte Erytheme, Hyperkeratosen (Hautverdickungen), tiefe Hautrisse, z.T. nässend.

Kontaktallergien an den Füßen stellen oft ein kniffliges diagnostisches Problem dar, weil die Ursachen sehr verschieden sein können. Bei einer Studie mit 70 Patienten zeigten sich bei allen klinische Hautveränderungen vor allem an Fußrücken im Bereich der Schuhzunge und an der Fußsohle. Lediglich die Zehenzwischenräume waren meist ohne Befund. Das Problem betraf Männer doppelt so häufig wie Frauen. Bei über 70 % der Patienten zeigten sich ähnliche Hautprobleme nicht nur an den Füßen, sondern auch an Händen oder anderen Körperregionen.

Fußekzeme basieren meist auf einer Kontaktallergie auf Gummizusätze, Leder (Chrom) und Klebstoffe. Vor allem bei Turnschuhen aus nahezu 100 % Kunststoff wird die Wirkung durch Baumwollsocken verstärkt, weil die Feuchtigkeit so an den Füßen gehalten wird und Allergene so besonders intensiven Körperkontakt bekommen. Ein ebenso häufiger der Grund von Fußekzemen ist Psoriasis, weitere Auslöser sind topische Medikamente (Antibiotikum Bacitracin) und topische Glukokorticoide sowie Tinea pedis (Fußpilz) und Lichen planus.

Neben dem klassischen Kontaktekzem gibt es das nach oraler oder parenteraler Allergenaufnahme auftretende Ekzem, auch hämatogenes, systemisches oder systemisch induziertes Ekzem genannt. Das Erscheinungsbild reicht von dishydrosiformen Hand- und Fußekzemen bis zum Baboon-(Pavian-)Syndrom. Die Reaktion ist meist nach 1-2 Tagen sichtbar, manchmal später oder auch wesentlich rascher binnen weniger Stunden. Als allergene Auslöser sind Metallsalze in Nahrungsmitteln (vor allem Nickel, aber auch Chrom, Kobalt, Gold) bekannt sowie pflanzliche und andere Aromastoffe, Harzgemische, Gewürze und Kräuter, dazu Arzneimittel.

Allergikerschweiß enthält sogenannte Autoallergene, die bei Neurodermitikern Histamin freisetzen können. Diese Schweißallergene stammen laut einer japanischen Forschergruppe aus den Schweißdrüsen, die wiederum produzieren u.a. das antimikrobielle Peptid Dermicidin. Die Produktion dieser Peptide wird sonst vom Entzündungsgeschehen angekurbelt, bei einigen Neurodermitikern fehlt dieser Prozess, sie setzen deshalb laut der Forschergruppe wesentlich geringere Mengen davon frei. Das hat zur Folge, dass der natürliche physiologische Effekt einer Kontrolle durch das Schwitzen bei ihnen entfällt.

Autorin: Roswitha Stracke
www.allergieberatung-stracke.de





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