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Vitiligo – Lippen

27.03.2017

Fotolia  Elena KharichkinaSind die Lippen eines Vitiligo-Betroffenen von der krankheitsbedingten Depigmentierung in diesem Areal betroffen, löst gerade diese Betroffenheit im Gesicht bei vielen Betroffenen psychischen Stress aus. Man fühlt sich entstellt, gerade das Gesicht ist schwer zu verhüllen im Vergleich zu Armen, Beinen etc. Auch Camouflage ist schwerlich im Bereich der Lippen anzuwenden, da diese fortwährend in Gebrauch sind.
Eine Behandlung mit Medikamenten im Lippenbereich erweist sich als problematisch. Aufgrund seiner Vitiligo-Erkrankung erlebt der Betroffene den Verlust seiner naturgegebenen Hautpigmentierung.
Melanozyten stellen Zellen im menschlichen Organismus dar, die die Produktion von Melanin ermöglichen. Melanin ist dabei für die Färbung von Haut und Haaren verantwortlich.
Bei der Vitiligo-Erkrankung sind die Melanozyten in ihrer Funktionstüchtigkeit beeinträchtigt: Die Melaninreifung ist gestört, die Melanozyten sind deutlich weniger empfindsam gegenüber Oxidantien, und das Enzym Katalase ist in den Melanozyten unterdurchschnittlich vorhanden.
In diesem Zusammenhang nimmt man an, dass bei der Behandlung der Vitiligo zur Repigmentierung der betroffenen Haut das Geschehen in den Haarfollikeln beginnt, in denen ein Melanozyten-Stammzell-Reservoir existieren soll.
Klinische Befunde, die diese Annahme unterstützen, beziehen sich auf Hautbereiche von Vitiligo-Betroffenen, die sich als therapieresistent erweisen. In diesen Hautbereichen finden sich deutlich weniger oder keine Haarwurzeln im Vergleich zu anderen Körperarealen. Davon sind die Knöchel betroffen, ebenso Fingerrücken, Handflächen, die Fußsohlen und die Haut an den Lippen, die keine Haarfollikel aufweist. Entsprechend sind auch Melanozyten abwesend.

In Indien führte eine Forschungsgruppe 2006 eine Studie durch, um zu überprüfen, in wieweit sich die Methode eines analogen Melanozyten-Transfers bei den 26 Probanden ihrer Stichprobe als wirksam erwies. Die Probanden litten zum Zeitpunkt der Studie mindestens drei Jahre an stabiler Vitiligo im Bereich der Lippen (vgl. VIDA-Score). Behandlungen mit topischen Steroiden oder PUVA im Vorfeld bewirkten keine signifikanten Verbesserungen im betroffenen Lippen-Bereich.
Bei den Probanden wurde jeweils Hautgewebe vom eigenen Oberschenkel entnommen und jeweils auf den Lippen unter Betäubung appliziert. Nach acht Tagen schloss man eine sechswöchige PUVA-Behandlung im Lippenbereich an.
Im Ergebnis dieser Studie zeigte sich die Haut der Lippen bei 23 Probanden repigmentiert. Die Haut von 11 Probanden wies eine deutliche Hyperpigmentierung auf, welche am Ende der PUVA-Behandlung abnahm. Für die Probanden war nach der Transplantation im Lippenbereich kein verändertes Hautgefühl zu spüren.
Bezieht man weitere Studien zur Transplantation bei Vitiligo im Lippen-Bereich mit ein, so erklärt man sich mögliche Behandlungserfolge damit, dass die
Transplantation ein Ansiedeln der Melanozyten im Lippen-Bereich und damit  Repigmentierungsprozesse ermöglicht.

Quelle: Deutscher Vitiligo Verein (DVV)





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